Behutsam setzt Lucas Lehmann das Rad der kleinen Fräse am Stubben einer Robinie an. Stück für Stück fressen sich die Zähne der Maschine in das frische Holz. Bis etwa 30 Zentimeter unter der Erdoberfläche wird der Rest des Stammes abgetragen. Der Flurschaden ist gering. Das kleine Loch kann später einfach zu geschippt werde. "Ausgraben könnte man die Stubben hier gar nicht, weil man dann die Wurzeln der anderen Bäume beschädigen würde", sagt Kay Unger, der Chef des Unternehmens Landschaftsbau Unger.
Im Auftrag der Stadt Erkner hat er am Donnerstag und Freitag vergangener Woche rund 30 kleine und mittlere Gehölze auf einem Areal an der Waldpromenade in Erkner gefällt. "Wir wollen dort einen neuen Spielplatz bauen", sagt Clemens Wolter aus dem Bauamt der Stadt. Zwar habe es dort mal einen gegeben, über die Jahre sei der aber immer kleiner geworden. Nun, wo auch viele junge Familien in der neu entstandenen Flakenseesiedlung gebaut haben, sei die Investition gerechtfertigt.
Es dauerte einige Zeit, bis ein passendes Areal gefunden war, räumt Wolter ein. Schließlich fiel die Wahl auf die rund 400 Quadratmeter große Fläche an der kleinen Wendeschleife zwischen den Wohnblocks. Sie gehört der Stadt. 2014 wurde bereits eine alte Garage, die sich dort befand, abgerissen. Über die Wohnungsverwalter seien im Vorfeld die Anwohner befragt worden, ob sie etwas gegen die Spielplatz-Pläne einzuwenden haben. "Es gab keinen Widerspruch", nennt Wolter das Resultat. "Es ist doch gut, wenn die Kinder wissen, wo sie spielen können", sagt Regina Kahlke, die in einem der Blocks lebt. "Aber", gibt sie zu bedenken, "vielleicht ist es hier auch zu gefährlich, weil andauernd Autos kommen".
"Echt cool", finden hingegen die vier Jugendlichen, die auf der Treppe eines Hausaufgangs hocken, die Pläne. "Hier ist ja sonst gar nichts für Kinder, nur der Buddelkasten für Babys", sagt Niclas (11). Er würde sich eine große Kletterspinne auf dem neuen Spielplatz wünschen. "Eine Seilbahn wär' geil", ergänzt Myriam (10). Und Kim (10) fände eine große Netzschaukel, in der mehrere Kinder Platz hätten, gut.
Ob der Platz und das Geld ausreichen, um alle Wünsche zu erfüllen, ist indes fraglich. 45 000 Euro stehen in diesem Jahr für den Spielplatz im Haushaltsplan. "Das ist etwas knapp", weiß Wolter. Daher werden Sponsoren und private Initiativen gesucht, die das Vorhaben unterstützen wollen.
Wichtiger Ansprechpartner ist auch die Interessengesellschaft Flakensee (IG). Diese trat bereits im Jahr 2013 an die Stadt heran, um darauf aufmerksam zu machen, dass in Nord ein Spielplatz fehle. "Wir überlegen jetzt gemeinsam, wie dieser gestaltet werden kann", sagt Wolter. Ein zuverlässiger Sponsor dafür ist bereits gefunden. "Wir unterstützen das Projekt auf alle Fälle. Schließlich leben dort auch Mieter von uns", sagt Susanne Branding, Geschäftsführerin der Wohnungsgesellschaft Erkner.
Mit solchen Kooperationen hat die Stadt gute Erfahrung gemacht. Wolter nennt den Spielplatz am Spreeeck, der mit viel privater Unterstützung entstand, als Beispiel. Dort organisierte die Elterninitiative um Ellen Schneider unter anderem, dass das Christliche Jugenddorf Deutschland (CJD) ein Holzhäuschen baute, das den kleinsten Kindern einen Unterschlupf bietet. Derzeit gibt es laut Bauamtsleiterin Claudia Günzel insgesamt sechs öffentliche Spielplätze der Stadt Erkner.
Ob das neue Areal in diesem Jahr fertig gestellt werden kann, möchte Clemens Wolter noch offen lassen. "Wir behalten uns eventuell vor, ein, zwei Geräte etwas später anzuschaffen", sagt er. Auf jeden Fall werden einige Bäume den Platz beschatten. "Den markantesten Baum, eine große Eiche, haben wir stehen lassen", sagt er. "Einige kleine auch, die sich nun hoffentlich gut entwickeln können."