Maximas Blätter leuchten intensiv orange-rot. Samtig und satt strahlt die Farbe. In ihrer Mitte sitzen wie Perlen die Blüten-Knospen des Weihnachtssterns. "Die Sorte ist neu. In Potsdam wurde sie von Jette Joop getauft", sagt Andrea Müller. Mit kritischem Blick geht die Produktionsleiterin des Schöneicher Pflanzencenters Floraland Arnold durch das Gewächshaus, begutachtet pink- und lachsfarbene Blätter, weiße und geflammte.
5500 Weihnachtssterne hat die 54-Jährige in diesem Jahr aufgezogen. Die Mutterpflanzen stehen in Äthiopien. Von dort gelangen Stecklinge auch nach Deutschland. "Wir beziehen unsere Jungpflanzen von einem Betrieb vom Niederrhein", sagt Andrea Müller. Die eigene Zucht wäre zu aufwendig. Lediglich, um Lehrlingen den Prozess zu zeigen, vermehrt der Betrieb einzelne Exemplare selbst. Der Rest trifft Ende Juni und Anfang Juli als acht Zentimeter kleines Gewächs mit fünf grünen Blättern in Schöneiche ein. "Wir splitten die Lieferung, damit die Blühphasen versetzt sind", erklärt Andrea Müller. Die ersten Exemplare müssen zum ersten Advent fertig sein.
Drei Wochen sind die Weihnachtssterne alt, wenn sie in Paletten oder Pappkartons eintreffen. Der Wurzelballen hat einen Durchmesser von fünf Zentimetern. "Sie werden sofort verarbeitet", betont die Produktionsleiterin. Per Hand oder mit einer Topfmaschine kommen sie in die Erde. Dann brauchen die Weihnachtssterne viel Licht, Sonne und Wärme - so wie sie es aus ihrer Heimat kennen. Ursprünglich stammt die Pflanze aus Mexiko.
Soll sie in Deutschland gedeihen, stellt sie Ansprüche. "Temperaturen über 50 Grad Celsius mag sie nicht, dann verbrennen ihre Blätter", weiß Andrea Müller. Darum müssen im Sommer die Dächer des Gewächshauses schattiert werden. Die Produktionsleiterin und ihre Kollegen sprühen stündlich Wasser, um die Luftfeuchtigkeit zu wahren. Ab September schalten sie in der Nacht die Heizung ein, denn unter 18 Grad dürfen die Temperaturen in der Wachstumsphase nicht fallen.
"Die Produktion ist sehr kostenintensiv", sagt Andrea Müller. Täglich wacht jemand über das Wohlbefinden der Schützlinge - auch an Sonn- und Feiertagen. "Es ist wie in der Altenpflege", fügt sie lachend an.
Und doch gelingt nicht jede Zucht. Wenn Witterung, Düngung oder Schädlingsbefall die Pflege stören, "habe ich auch schon mal ein paar hundert wegwerfen müssen", sagt Andrea Müller. Am Anfang hatte die gewissenhafte Frau mit solchen Tiefschläge zu kämpfen. "Man darf es sich nicht so zu Herzen nehmen", hat sie gelernt.
Andrea Müller begann 1978 ihre Ausbildung bei Flora, wie der Betrieb damals hieß. "Früher haben wir hier hauptsächlich Orchideen und Chrysanthemen produziert", weiß sie noch. 1991 wurde die Palette dann total umgestellt. Ihren Grundsätzen ist die Produktionschefin aber treu geblieben. Keine künstlich gefärbten Pflanzen in ihren Gewächshäusern zu dulden, ist einer davon. "Es ist nicht der Pflanzen Wille, Lametta und Silberspray auf dem Kopf zu haben", sagt sie bestimmt. Solche Exemplare müsse ihr Chef, Ulf Arnold, dann für den Verkauf hinzukaufen.
Aber auch ohne künstliche Farbe leuchten Weihnachtssterne in erstaunlichen Tönen. Als besonders experimentierfreudig erweisen sich beim Kauf Senioren. Sie greifen auch gern mal zu den pinkfarbenen Exemplaren. Insgesamt 25 Sorten bietet das Pflanzencenter an der Neuenhagener Chaussee an. Vom Mini im Sechs- bis zum großen Stern im 24-Zentimeter-Topf.
In ihrem Kopf hat Andrea Müller Weihnachten und die Produktion der Weihnachtssterne indes längst abgehakt. "Die Primeln sind auch schon fertig. Jetzt kümmern wir uns um den Nachwuchs an Beet- und Balkonpflanzen", sagt sie schmunzelnd.