Seine Frau war gerade unter der Erde, da wurde ihm bewusst, dass Probleme drohten. Wann er denn ausziehe, wollte der Erbe des Hauses wissen, das auch ihm ein Zuhause war. 2014 war das. Inzwischen gibt es nach juristischem Hin und Her eine Räumungsklage, und der Woltersdorfer weiß, dass er Ende Januar ausziehen muss. Wie es dann weitergeht, weiß er noch nicht.
„Die Wohnungsnot schlägt voll durch“, sagt Kathrin Pfeil, Sozialarbeiterin in der Psychiatrie des Rüdersdorfer Klinikums. Dort hat der Mann, seit 16 Jahren trockener Alkoholiker, aus Angst vor einem Rückfall im Oktober Zuflucht gesucht und gefunden. Und er sei nur einer von mehreren Patienten, bei denen die Wohnungssuche schier aussichtslos sei.
Bei den kommunalen Vermietern ist das Problem bekannt, Abhilfe können sie auf die Schnelle nicht schaffen. Dem Mann aus Woltersdorf, der auf der Suche nach einer Einraumwohnung ist, wurde ein Umzug nach Fürstenwalde, Seelow oder Neuhardenberg vorgeschlagen. Er hofft noch, in der Gegend bleiben zu können, in der er sein Leben lang zu Hause war. Nicht zuletzt aus Sorge, ohne das Netz von wohlmeinenden Bekannten in der Nähe den Versuchungen des Alkohols doch wieder zu erliegen.
Die Zahl der Interessenten für Sozialwohnungen sei „explosionsartig“, gestiegen, berichtet Simone Münzberger, bei der Wohnungsbaugesellschaft Rüdersdorf für Vermietung zuständig. Dem entgegen stehe, dass in diesem Segment selten etwas frei werde. Sie kann Suchenden nur raten, Abstriche zu machen und Geduld zu haben. Interessenten würden auf eine Warteliste gesetzt.
Auch in Woltersdorf ist ad hoc nichts frei, bestätigt Jens Kiesewetter, Chef der Gemeindewohnungsbaugesellschaft. „Wir sind voll vermietet.“ Es gebe eine Interessentenliste, sei aber in der Regel so, dass mehrere Interessenten auf eine frei werdende Wohnung kommen.
Ähnliches ist in Schöneiche zu hören. Die Nachfrage sei deutlich höher als der Bedarf, sagt Bürgermeister Ralf Steinbrück (SPD) und verweist ebenfalls auf eine Warteliste. Er rät Betroffenen, immer weiterzusuchen und durchaus auch bei privaten Vermietern ihr Glück zu versuchen.
Das hat der Mann aus Woltersdorf auch schon getan, bisher ohne Erfolg. Findet er in nächster Zeit keine neue Wohnung, müsse er sich wohl obdachlos melden.