In Oder-Spree betraf das im vergangenen Jahr 83 Kinder und Jugendliche, wie von Martin Saupe, Sachgebietsleiter im Jugendamt des Kreises, zu erfahren ist. Ein Jahr vorher waren es 105, 2016: 101 und 85 im Jahr 2015. Die Zahlen lägen immer in diesem Rahmen, sagt Saupe. Im Raum Erkner, Woltersdorf, Spreenhagen und Grünheide waren es im Vorjahr 13, im Raum Fürstenwalde 21, in den Regionen Beeskow 12 und Eisenhüttenstadt 37.
Meistens kommen Kinder in Obhut, wenn sie nach Einschätzung der Behörden zu Hause in Gefahr sind, wie Saupe berichtet. Für die Fachleute ist die Entscheidung immer ein Drahtseilakt, macht der Rechts- und Sozialwissenschaftler Thomas Trenczek, einer der Referenten bei der von der Internationalen Gesellschaft für erzieherische Hilfen (IGfH) veranstalteten zweitägigen Erkneraner Konferenz deutlich: Es gehe um eine Abwägung, sich in Familienangelegenheiten einzumischen oder eine Gefährdung des Kindes zu riskieren. Ein Kind in einer akuten Krise aus dem Elternhaus zunehmen, sei immer die Ultima Ratio. Jeder Fall, bei dem ein Kind zu Schaden kommt, sei einer zu viel, sagt Trenczek und sieht zugleich die Jugendämter zu sehr in der Kritik. Er verweist auf den mehrfachen Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in Lügde. Da habe es Fehlentscheidungen gegeben, verantwortlich aber sei nicht das Jugendamt allein.
Gründe für eine Inobhutnahme sind meistens Vernachlässigung oder die Gefahr von Gewalt, wie Referatsleiter Saupe berichtet. In Oder-Spree kommen Kinder dann beim Kinder- und Jugendnotdienst in Eisenhüttenstadt unter. Innerhalb von 24 Stunden sei das Amt zur Kontaktaufnahme mit den Eltern verpflichtet. Die allermeisten Kinder kämen nach bis zu fünf Tagen wieder nach Hause – und das Jugendamt bietet Hilfe an. Die sogenannte Familienhilfe oder -therapie dauere in der Regel ein Jahr. Ist eine Rückkehr nach Hause vorerst nicht möglich, sucht das Amt nach einer Unterbringungsmöglichkeit bei Pflegefamilien oder in einer stationären Einrichtung. Oft verhinderten Süchte, Überforderung, psychische Beeinträchtigungen oder Aggressivität im Elternhaus die Rückkehr.
Workshops zum Arbeitsalltag
Was all das im sozialpädagogischen Alltag bedeutet, ist Thema diverser Workshops in Erkner, das zum ersten Mal IGfH-Tagungsort ist. Dafür gab die Berlin-Nähe den Ausschlag, wie Mitorganisatorin Sabine Isenmann sagt. Schon zum Start zeigten sich die bereits am Vorabend angereisten Referenten mit der Wahl zufrieden. Räumlichkeiten und Service im Bildungszentrum seien bestens, lobt Sabine Isenmann.

Pflegestellen gesucht


Der Kinder- und Jugendnotdienst Oder-Spree wird vom Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerk (EJF) betrieben. Er befindet sich im Brunnenring 15 in Eisenhüttenstadt (Tel. 03364 77180-73/74)

Vorerst untergebracht werden können dort Kinder und Jugendliche zwischen 0 und 18 Jahren. Das Jugendamt bevorzugt für kleine Kinder aber, wenn schon nötig, die übergangsweise Unterbringung bei sogenannten Bereitschaftspflegestellen. Gesucht werden deshalb Bereitschaftspflegeeltern, sagt Sachgebietsleiter Martin Saupe. Den Kleinen solle so mehr Kontinuität in der übergangsweisen Betreuung ermöglicht werden, als das beim Kinder- und Jugendnotdienst möglich ist. Die Situation sei für die Mädchen und Jungen ohnehin schwierig genug. Informationen auf www.landkreis-oder-spree.de, Suchwort: Pflegekinderdienst ahe