"Was ist denn das?" Kaum hat Marianne Bernicker ihren Eimer mit den unscheinbaren Knollen abgestellt, wird sie schon umringt. Der Grund: Aus einer der Knollen wächst bereits ein Stängel mit einer sehr großen, langen Knospe. Marianne Bernicker lacht. Sie wisse auch nicht, wie die Pflanze heiße, gesteht die 76-Jährige Frau aus Erkner. Auf jeden Fall vermehrten sich die Knollen stark. "Legt man sie in eine Schale in der Wohnung, bekommen sie eine große lila-getigerte Blüte mit einem unangenehmen Geruch", sagt sie. "Das ist wahrscheinlich Stinkwurz", erklärt Kristin Lorenz aus Woltersdorf. In der indischen Küche werde er als Gewürz verwandt. Marianne Bernicker wurde ihre Knollen schnell los.
Und so geht es den meisten Anbietern der zweiten Pflanzentauschbörse, die der Verein Kulturhaus Alte Schule organisierte, am Sonnabendvormittag. "Ich will nur mal gucken", sagt Sabine Jacob. In ihrem Garten seien die Sommerblumen noch nicht so weit, dass sie welche hätte mitbringen können, erklärt die 54-Jährige. Gegen eine Spende ins Vereins-Sparschwein darf sie dennoch einige rotblühende Kornblumen von Sylvia Standhardt mitnehmen. Die Woltersdorferin hat auch Borretsch im Angebot - eine Frau, die eigens aus Neu Zittau zur Börse geradelt ist, nimmt davon gern etwas mit. "Ich habe gehört, dass Borretsch gut gegen Müdigkeit ist", sagt sie. Sylvia Standhardt verwendet es als Gurkenkraut.
Interessant sind auch die Angebote von Hartmut Wolter, Geschäftsführer des Vereins Kesselberg, der im Oderbruch einen Schaugarten betreibt. Meerrettich "aus den Weiten Russlands" und Kartoffelsorten mit so klangvollen Namen wie "Schwarze Ungarin", "Reichskanzler" und "Talent" stehen vor ihm in Töpfen und Eimern.
Und damit die Gäste einen kleinen Vorgeschmack bekommen, was sich aus Gartenfrüchten alles zaubern lässt, bietet Friedrike Hartmann-Koch, Mitorganisatorin der Börse, frisch zubereitete Smoothies aus Gurke, Avokado, Roter Beete und Banane an. "Wir finden es gut, wenn die Leute nicht nur auf der Jagd sind und ins nächste Gartencenter rennen, um etwas zu finden", sagt Katrin Fleischer, Vorsitzende des Vereins Alte Schule. Letztlich gehe es ihr auch darum, sorgsam mit der Erde umzugehen.