Es ist eine praktische Sache: Wenn in die Haltestelle Waldstraße eine Straßenbahn der neueren Baureihe einfährt, dann brauchen Fahrgäste keine Stufen mehr zu erklimmen, sondern können ebenerdig in den Waggon gelangen. Das erfreut besonders behinderte Straßenbahnnutzer, die bisher an dieser Haltestelle nicht einsteigen konnten.
Ebenfalls neu sind an der Waldstraße die stabilen Fahrradständer, eine bessere Beleuchtung sowie das digitale Fahrgastinformationssystem. Alles in allem hat der Umbau der Station knapp 60 000 Euro gekostet, wovon die Hälfte der Landkreis Oder-Spree beigesteuert hat.
Die Übergabe der Haltestelle wurde mit einer kleinen Feier verbunden. "Üblich ist das bei einer Haltestellen-Einweihung eigentlich nicht. Aber da die Station Waldstraße die letzte ist, die wir erneuert haben, wollten wir das auf besondere Weise würdigen", sagte der Betriebsleiter der Schöneicher-Rüdersdorfer Straßenbahnen, Sebastian Stahl. Vor 20 Jahren war mit dem Umbauprogramm begonnen worden.
Allerdings gab es zum offiziellen Start der neuen Haltestelle ein kleine Panne. Die digitale Anzeige funktionierte noch nicht ganz so, wie sie sollte. Sie zeigte zwar den Fahrplan an. Aber der eigentliche Service war gestern nicht zu erleben: Kurz bevor eine Straßenbahn eintrifft, soll auf der elektronischen Tafel ein entsprechender Hinweis erscheinen. "Da müssen die Techniker noch mal ran", kommentierte Stahl das kleine Missgeschick.
Überhaupt war die Installierung des Fahrgastinformationssystems die größte Hürde, die bei der Umgestaltung der Haltestelle genommen werden musste. Denn anders als bei den bisher modernisierten Stationen wurde an der Waldstraße eine Anzeigentafel der neuen Generation errichtet. Und die hatte ihre Tücken. Der Betriebsleiter gibt zu: "Die Installierung samt Einbindung in das bisher vorhandene System war komplizierter als gedacht."
Von den Straßenbahnen, die im 20-Minuten-Takt verkehren, ist nur jede zweite barrierefrei zugänglich. Das liegt daran, dass bei der Schöneicher-Rüdersdorfer Straßenbahn von den insgesamt sechs vorhandenen Bahnen nur drei über einen niederflurigen Zugang verfügen. Sie stammen aus Cottbus, wo sie von 1988/1990 an ihren Dienst versahen und nicht mehr gebraucht wurden. Gekauft wurden sie für jeweils 200 000 bis 250 000 Euro. Verglichen mit Preisen von rund drei Millionen Euro für neue Gefährte, hört sich das nach einem Schnäppchen an. Die erste Cottbuser Bahn dreht seit 2010 ihre Runden am Berliner Rand. Die letzte ging im Mai dieses Jahres an den Start.
Die anderen drei Fahrzeuge stammen aus den 1970er-Jahren und wurden Anfang der 1990er-Jahre - ebenfalls gebraucht - gekauft. Sie sind für Rollstuhlfahrer weniger geeignet.
Bürgermeister Heinrich Jüttner erinnerte daran, dass rund 90 Prozent der Schöneicher ihren Arbeitsplatz in Berlin haben. "Die Hälfte davon nutzt täglich die Straßenbahn."
In absoluten Zahlen ausgedrückt bedeutet das: Etwa 2000 Schöneicher pendeln täglich mit der Straßenbahn zum Job in die Hauptstadt. "Man stelle sich nur einmal vor, die würden alle mit dem Auto fahren. Was das für unsere Straßen bedeuten würde ...", sagte der Bürgermeister und stellte fest: "Ohne die Straßenbahn hätte sich unsere Gemeinde in den vergangenen 100 Jahren deutlich anders entwickelt."
Betriebsleiter Stahl wies darauf hin, dass die Verkehrsströme aber nicht nur von Schöneiche nach Berlin und wieder zurück verlaufen würden. "Es fahren täglich auch 300 bis 400 Schüler in die andere Richtung, nach Rüdersdorf."
Als nächstes will sich das Unternehmen der Verbesserung der Umsteigemöglichkeiten an der Endstation Berlin-Friedrichshagen widmen. Dort soll die Wendeschleife verlegt werden, so dass die Fahrgäste sicherer und bequemer in die S-Bahn gelangen können. Das Land Berlin hat eine Förderung des Projekts bereits zugesagt. Nun liegt der Ball beim Bezirksamt Treptow-Köpenick, das noch sein Okay geben muss.
"Eigentlich wollten wir noch in diesem Jahr mit dem Neubau dieser Wendeschleife beginnen", sagte gestern Straßenbahn-Geschäftsführer Detlef Bröcker. Doch weil der Bezirk mit seiner Zusage noch zögert, werde sich der Baustart wohl auf nächstes Jahr verschieben.