Rund 15 Grundschulkinder aus Woltersdorf lassen sich seit Donnerstag zum Kinderstadtführer ausbilden. Bei dem Projekt des Vereins Kulturhaus Alte Schule entstand am Freitag eine Kinder-Landkarte, die beim heutigen Schulfest gezeigt werden soll.
Malen ist angesagt beim dritten Projekttag am Freitag. Die teilnehmenden Kinder - fast alle aus den Klassen 4 bis 6 der kommunalen Grundschule - versammeln sich in den Räumen der Alten Schule, um Woltersdorf zu zeichnen. Es geht um die Sehenswürdigkeiten der Gemeinde - vom Haus Gottesfriede bis zur Schleuse, vom Fidus-Haus bis zur Straßenbahn, aber auch um andere Orte. Dabei tauchen ständig neue Fragen auf: Wo genau ist noch mal die Krokodilsbucht? Und woher rührt eigentlich der Name? Das Biotop am Kalksee heißt so, die Schüler haben es schon gelernt, weil auf dem Gelände einst, zu den goldenen Zeiten der Filmstadt Woltersdorf in den 20er- und 30er-Jahren, die wilden Tiere für die Dreharbeiten zum "Tiger von Eschnapur" untergebracht waren.
Es geht aber auch um die äußeren Grenzen von Woltersdorf. "Sieht aus wie eine Tennissocke", sagt der 11-jährige Andrew Zimmermann beim Anblick der Umrisse des Süd-Zipfels in Richtung Erkner. Der Woltersdorfer ist der einzige Teilnehmer, der nicht in seinem Heimatort unterrichtet wird, sondern in der Erkneraner Förderschule. "Sein Vater hat gleich angerufen und ihn angemeldet, als das in der Zeitung stand", erzählt Katrin Fleischer, die Vorsitzende des Kulturhaus-Vereins, die sich das Projekt ausgedacht hat. Jetzt wirkt Andrew unter dem Spitznamen "Herr Neunmalklug" bei dem Projekt mit. Auch das gehörte am Freitag dazu: Als die in vier Arbeitsgruppen aufgeteilten Schüler ihre Ergebnisse in der Gesamtrunde vortragen, steht jedes auf, sagt Namen, Alter und Spitznamen - eine erste Übung in Sachen öffentliches Auftreten, wie es Stadtführer brauchen.
Jeder der vier Arbeitsgruppen ist ein Teil des Ortsgebiets zugewiesen; die Gruppen sollen ihren Teil gestalten, der später zu der Kinder-Landkarte zusammengefügt wird. Sachkundigen zeichnerischen Beistand leistet Achim Weichardt, bekannter Woltersdorfer Maler und Mitstreiter des Kulturhaus-Vereins.
Begonnen hat das Projekt am Mittwoch mit Kennenlernen und einem Ausflug zum Aussichtsturm. Am Donnerstag sind die Schüler bei der Straßenbahn zu Besuch gewesen und haben sich dort auch die Werkstatt ansehen dürfen. "Wir sind überall freundlich aufgenommen worden", sagt Katrin Fleischer. Mit den drei Tagen ist die Ausbildung längst nicht beendet - sie umfasst insgesamt 10 Projekttage. Nach den Sommerferien soll es weitergehen, unter anderem mit Rollenspielen und einem Rhetorikkurs. "Alle Kinder, die dabei bleiben, erhalten ein Diplom", verspricht Katrin Fleischer. Die Freie Schule habe sich schon für September angemeldet, berichtet sie stolz.
Könnten die Kinder wirklich später mal Touristen herumführen? "Auf Anhieb nicht, man müsste sich vorbereiten", sagt Teilnehmerin Leonie Bubner auf diese Frage.
Ein anderes Ziel, das das Projekt verfolgt, wird aber wohl auf jeden Fall erreicht: Die Kinder beschäftigen sich bewusst mit ihrem Heimatort.