Nele und Jolina von den „Minis“ des SV Woltersdorf stehen neben der Bühne, hüpfen von einem Bein aufs andere, zappeln vor Aufregung. „Wir sind noch nie vor so viel Publikum aufgetreten“, gesteht die siebenjährige Nele. „Wir beide tanzen ein Solo“, erzählt Jolina. „Auch ich bin schon ganz aufgeregt“, fügt sie lächelnd hinzu, und dann leise: „Seit gestern schon.“ Dann kichern beide, sprechen sich Mut zu. Das wird schon, schließlich haben sie fleißig geübt. Seit Januar erst gibt es die Gruppe der Fünf- bis Achtjährigen beim Sportverein Woltersdorf. Ihre Trainerin Maj Bauschus zupft ein letztes Mal an den weißen Kleidchen, richtet die Blumen im Haar und versucht, ihre eigene Nervosität im Zaum zu halten, um Ruhe und Gelassenheit zu vermitteln. Dann schickt sie ihre zehn Mädchen auf die Tanzfläche, und sie lassen ihren „Flockenwirbel“ los. Tosender Applaus am Ende der wundervollen Darbietung, Kinder und Trainerin liegen sich glücklich in den Armen. „Ich bin stolz auf die Mädchen, ein toller Auftritt.“
Auch Tanzlehrerin Janine Sühring aus Schöneiche ist umringt von „ihren“ Kindern, alle in roten Kleidchen und mit Mickymaus-Ohren im Haar, letzte Anweisungen, noch einmal die Zöpfe fest gezogen, dann sind sie, die „Kleinen Zuckerwürfel“, an der Reihe, ihr Können zu zeigen. „Die Kinder haben so viel Spaß, das ist doch das Wichtigste“, sagt Janine. Seit 12 Jahren schon bietet sie an Kitas und Schulen ihre Kurse an und übt jede Woche mit inzwischen rund 550 interessierten Kindern tänzerische Bewegungen, studiert kleine Choreografien ein. „Die Kinder wählen ihre Lieblingsmusik, ich denke mir die Tänze dazu aus, so arbeiten wir wunderbar zusammen.“ In Erkner ist sie bereits zum dritten Mal mit verschiedenen Gruppen dabei: „Für die Kinder eine gute Erfahrung, ihr Können zu zeigen. Natürlich ist nicht alles perfekt, muss es aber auch nicht sein.“
So sehen es wohl die meisten Teilnehmer des riesigen Spektakels, die in zehn Wertungsgruppen nach Alter und Tanzstil eingeteilt wurden. „Es ist kein Wettbewerb, wie wir ihn sonst von Meisterschaften kennen“, sagt Mandy Wolf, Abteilungsleiterin Tanzsport beim SV Woltersdorf. „Hier ist alles bunt gemischt, wir messen uns mit Cheerleadern oder Streetdancern. Egal. Unsere Mädchen möchten immer wieder hierher, lieben die einmalige Atmosphäre.“ Eine ihrer Gruppen konnte mit dem Tanz „Feuer“ gar einen Siegerpokal mitnehmen.
Begonnen hat alles im Jahr 2010, als die „Black Babes“, Cheerleader der Erkneraner Footballteams Razorbacks, eine eigene Tanzveranstaltung ins Leben riefen. Ein riesen Erfolg, der seit 2013 jährlich stattfand und nun seine siebente Auflage erlebte. Immer mehr Teams wollten dabei sein, so dass in diesem Jahr erstmals ein Anmeldestopp gesetzt wurde. „Wir hätten auch gut und gern 800 Teilnehmer präsentieren können“, sagt Michael Ehrenteit, Präsident des AFC Erkner Razorbacks, zudem Moderator und Mitorganisator. „Doch mit dem diesjährigen Mammutprogramm sind wir an Grenzen gelangt, auch, was die Kraft unserer vielen ehrenamtlichen Helfer anbelangt.“ Der Verein stemmt alles selbst: Programm, Werbung, Catering. Für die Zukunft wünschte sich Ehrenteit mehr Unterstützung von außen, vielleicht fänden sich auch Sponsoren. Dennoch fällt sein Fazit positiv aus. „Es ist einfach faszinierend, wie viele Tanzgruppen und Vereine es in unserer Region gibt. Ich bin begeistert von allen Teams, den tollen Auftritten, den wunderbaren Kostümen. Dahinter stecken viel Liebe, Arbeit und Engagement. Das sollte viel mehr gefördert werden.“ Und so freut er sich schon auf die Neuauflage im nächsten Jahr.