Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war das Vorhaben gescheitert, weil sich Gemeinde und Elektrizitätsunternehmen nicht einig werden konnten. Jetzt sieht Christian Stauch, SPD-Ortsvorsitzender und Gemeindevertreter keine schlechten Chancen – zumindest langfristig.
Straßenbahnplanung ist eine zeitaufwendige Angelegenheit, deshalb wollen SPD und Grüne sie jetzt in Angriff nehmen. Die Linienführung und ob die Verlängerung der Linie 87 überhaupt realistisch ist, soll im weiteren Verfahren geklärt werden. Die Bahn müsse sich rechnen, macht Betriebsleiter Sebastian Stahl aus Sicht der Schöneicher-Rüdersdorfer Straßenbahn klar. Das hänge unter anderem von den Fahrgastzahlen ab.
In näherer Zukunft könnte Wirklichkeit werden, was SPD und Grüne weiter vorschlagen: Ein Elektro-Pendlerbus zwischen Vogelsdorfer Platz in Woltersdorf und dem Erkneraner Busbahnhof. Christian Stauch verweist auf ein gerade vom Land aufgelegtes Förderprogramm zur Entwicklung innovativer Mobilitätskonzepte, von dem das Busprojekt möglicherweise profitieren könnte.
Mit ihrem Vorstoß reagieren die Fraktionen erstens auf die zunehmende Verkehrsbelastung, die sich an allen Werktagen zum Beispiel deutlich am Erkneraner Pendlerparkplatz zeigt. Erst um 150 Plätze erweitert, ist der von Montag bis Freitag in der Regel trotzdem komplett zugeparkt. Zweitens wird mit der geplanten Tesla-Ansiedlung damit gerechnet, dass sich die Belastung vor allem von Erkner deutlich erhöht.

Interesse in Erkner

Dort verfolgt man die Diskussion aufmerksam. "Wir sind mit Woltersdorf bereits im intensiven Gespräch zu Verbesserungen beim ÖPNV auch zwischen unseren Kommunen", sagt Vize-Bürgermeister Clemens Wolter. "Die Verlängerung der Straßenbahn ist dabei ein sehr interessantes Projekt, das große Vorteile für die Nutzer erwarten lässt, aber noch intensiver Abwägungen hinsichtlich Verkehrsraum und Finanzierung bedarf." Es sei geradezu Pflicht der Kommunen, sich untereinander über eine optimale Strategie zu verständigen. Die Stadt Erkner stehe als Mittelzentrum und mit dem Bahnhof als Pendlerschwerpunkt bereit, "schnell deutliche Fortschritte zu erzielen".
Auf Erkner zielt auch eine Schöneicher Idee ab. Nach Vorstellungen der Fraktionen von Schöneicher Liste, FDP und Bürgerbündnis, der SPD, der Grünen und der Linken könnte die schon lange gewünschte Buslinie von Schöneiche nach Neuenhagen bis nach Erkner führen. Dann bestünde die Möglichkeit vom Landesprogramm Plus-Bus zu profitieren, das unter anderem voraussetzt, das zwei Mittelzentren miteinander verbunden sein müssen. In der Schöneicher Gemeindevertretung am Mittwoch sollen verschiedene Anträge zum Thema ÖPNV behandelt werden.