Seit Mitte des 19. Jahrhunderts lebte er mit seiner Familie in Berlin. Das Haus in der Potsdamer Straße lag direkt am Landwehrkanal, der damals noch Abwasser führte und vor allem während des Sommers die Wohngegend mit entsetzlichen Dünsten belastete.
So zog es ihn Jahr für Jahr oft monatelang in die Ferne, vor allem „der guten Luft wegen“. Er reiste meist allein, besuchte die Nord- und Ostsee oder den Harz, weilte in Kurorten wie Karlsbad, aber manchmal auch nur im Berliner Umland. Um die Familie an seinen Erlebnissen teilhaben zu lassen, schrieb er hunderte Briefe mit detaillierten Beschreibungen aller Erlebnisse und Umstände.
Da er zu seiner Zeit noch nicht zu den berühmten Schriftstellern zählte, musste er sehr sparsam leben  und beschwerte sich über viele Unannehmlichkeiten und klägliche Umstände. So beschrieb er überfüllte Speisewagen oder strenge Gerüche im Zugabteil, beanstandete im Seebad Rüdersdorf die lästigen Fliegen oder die geschwätzigen Menschen im Restaurant des Hotels Zehnpfund in Thale (Harz). Auch die Toiletten hielt er meist für unzumutbar und schrieb: „Jeder deutsche Urlaubsort scheitert am Örtchen.“
Dennoch wusste Fontane diese Reisen zu genießen und versuchte dabei, wichtige Bekanntschaften zu schließen. Er genoss es, im Kreise von Grafen und Komtessen oder mit einflussreichen Persönlichkeiten zu verkehren. Zugleich spürte er, in dieses Milieu nicht zu passen. Bei seinen Reisen ins Berliner Umland weilte er außer in Rüdersdorf auch an der Woltersdorfer Schleuse. Dort traf er wohl erstmals mit dem aufstrebenden Bürgertum zusammen, was ihn sehr erstaunte und zu bewundernden Äußerungen über das „Selbstbewusstsein dieser netten, anständigen Leute“ verleitete.
Über all diese Reisen in die Sommerfrische hat Bernd W. Seiler, einstiger Hochschullehrer für Germanistik, einen wunderbaren Bild- und Erzählband gefertigt, dessen Grundlage die Briefe Fontanes sind. In einer sehr vergnüglichen Lesung stellte Seiler „Fontanes Sommerfrischen“ in Wort und Bild von einst und jetzt am Sonntagabend im Erkneraner Gerhart-Hauptmann-Museum vor. Der pensionierte Professor hat all diese Orte aufgesucht, um dem Menschen Fontane in seiner Privatsphäre näher zu kommen.
„Über sein Leben in Berlin ist wohl alles bekannt“, sagt er, „doch diese Sommerreisen spielten bisher kaum eine Rolle, erschließen aber viele Zusammenhänge.“ Und sie sind vor allem höchst vergnüglich zu lesen, kann man doch vergleichen, was damals schon so ähnlich oder eben völlig anders war.