Die Freude übers mannschaftliche Wiedersehen überwog am Ende wohl doch den inneren Frust, auf das geliebte Spiel sowie geselliges Beisammensein nach dem Training verzichten zu müssen. Die Skepsis war groß vorm ersten Training nach zehnwöchiger Zwangspause wegen der Corona-Pandemie. Die meisten Spieler der ersten Männer-Mannschaft des SV Woltersdorf, bei Abbruch Zwölfter in der Landesklasse Ost, fragten sich: Was sollen wir eigentlich hier? Die Saison wurde abgebrochen, wann die neue beginnt, weiß keiner so recht.
"Uns fehlt die Motivation", bringt es Kapitän Thomas Döring auf den Punkt. "Okay, wir können uns ein bissel fit halten, doch der Wettbewerb fehlt, der uns sonst immer wieder antreibt und Leistung fordert. Uns fehlt das Ziel." Aber: "Immerhin sind wir nicht abgestiegen und bleiben in der Landesklasse", schallt es aus der Runde und wird mit breitem Lachen quittiert.
Abwechslungsreiche Einheiten
Trainer Chris Berg hatte sich im Vorfeld des Neustarts viele Gedanken gemacht: Wie kann ein Training laufen – alle gemeinsam in der Mannschaft und doch ohne Körperkontakt? Welche Übungen sind überhaupt möglich, um die strengen Regeln zu befolgen? Passspiel, Parcours, Torschüsse, Kraft und Kondition – "alles, was keiner mag und keinen Spaß macht", meint er lakonisch. Aber irgendwie hat er es doch geschafft, mit abwechslungsreichen Einheiten die Jungs bei Laune zu halten. Da gab es zur Erwärmung einen Slalomlauf mit Einlagen um den Mittelkreis – aber immer schön auf Abstand achten. Es wurden verschiedene Stationen mit und ohne Ball absolviert, passen, dribbeln, stoppen, sprinten, was so manche Schweißperle, aber auch Lachen und Flachsen hervorrief.
"Ich denke, es ist ganz gut gelaufen", meint der Trainer danach. "Wir waren froh, uns alle mal wiederzusehen, das ist wichtig für eine Mannschaft. Aber auf Dauer hält man es ohne Spiel nicht durch." Er sei sehr zufrieden über die Fitness seiner Männer, da habe wohl jeder viel allein trainiert. "Aber bei der Arbeit mit dem Ball habe ich noch große Defizite gesehen. Da können wir nur hoffen, dass bald auch wieder Spieltraining möglich ist."Bis zur Sommerpause wird Berg regelmäßiges Training anbieten, auch wenn es schwer sei, Spaß zu haben und Freude zu erhalten. Er hofft, dass seine Männer dies annehmen und die Vorbereitung auf die neue Saison dann wieder regulär laufen kann.
Disziplinierter Nachwuchs
Auch viele andere Sportler des SV Woltersdorf haben den Trainingsbetrieb wieder aufgenommen. Die Nachwuchsfußballer sind eifrig dabei und sehr diszipliniert, wenn es darum geht, die strengen Regeln einzuhalten. "Das läuft sehr gut", meint Benjamin Scholz, Abteilungsleiter Fußball. "Im Grunde machen wir mit den Kids ein Training wie sonst auch, achten natürlich auf Abstand und Hygiene. Es fehlt lediglich am Ende das Sahnehäubchen, das Spiel."
Fünf Areale auf dem Platz
Ungewohnt für die Fußballer ist das neue Drumherum: Sie sind nicht mehr allein auf dem Sportplatz beim Training. Der Platz ist in fünf Areale eingeteilt, in jedem davon dürfen maximal zehn Sportler trainieren. Da die Hallen in Woltersdorf noch geschlossen sind, üben nun auch Tänzerinnen und Gymnastinnen auf dem Sportplatzgelände, dazu die Abteilungen Volleyball und Basketball.
Doch auch das klappt sehr gut, wenngleich vor allem die jungen Tänzerinnen mit der ungewohnten Tartanbahn zu kämpfen haben: "Es rutscht nicht, es dreht nicht und die Füße tun weh", fasst Trainerin Mandy Wolf zusammen, "aber wir sind froh und dankbar, dass wir endlich wieder gemeinsam trainieren dürfen."
Auch die Gymnastik-Damen fühlen sich pudelwohl unter freiem Himmel: "Bei dem schönen Wetter macht uns die Bewegung Spaß, fast schöner als in der mitunter recht stickigen kleinen Turnhalle", sagt Aroha-Trainerin Daniela Hoburg mit verschmitztem Lächeln.
Konzepte für Hallennutzung
Der SVW-Vorstand und Abteilungsleiter haben Konzepte erarbeitet, wonach die Sportler entsprechend der strengen Vorgaben in die Hallen zurückkehren können. Ab Montag sollte das in Woltersdorf wieder möglich sein. Das Konzept von der Abteilung Tischtennis wurde von Gemeinde auch schon abgenickt mit der Bemerkung, das könne Vorbild für die anderen Abteilungen wie Basketball, Volleyball, Tanzsport, Gymnastik und Badminton sein. Und übrigens: Nur die Geräteturner mit den mehr als 100 Kinder dürfen noch nicht starten, das geht ja nicht ohne Körperkontakt, zum Beispiel bei notwendigen Hilfestellungen.