"Der alte Ausweis muss noch gescannt werden." Gisela Schuldts resolute Stimme füllt im neuen Heimatmuseum den ganzen Raum. Anfang Dezember, zum traditionellen Kirchturmfest, öffnet die neue heimatgeschichtliche Ausstellung, und bis dahin ist noch jede Menge zu erledigen. Die Vorsitzende des Woltersdorfer Verschönerungsvereins und ihre Mitstreiter sind beinahe täglich in der Alten Schule, wo sich das Museum auf vier ehemalige Klassenräume verteilt.
Ganz alltägliche Dokumente wie der Ausweis des früheren Dorfpfarrers Julius Lamprecht, der zugleich Schulinspektor war, machen den Reiz der Ausstellung aus. Der Besucher kann sich anhand der vielen kleinen, aber auch größeren Exponate eine Vorstellung von den Verhältnissen machen, die in Woltersdorf beispielsweise um 1900 herrschten. Heimatgeschichte wird lebendig.
Noch herrscht in den Räumen im ersten Stock der Alten Schule ein ziemliches Chaos. Gisela Schuldt sagt: "Wir sind mitten in der Vorbereitung. Aber wir schaffen es auf jeden Fall bis zur Eröffnung."
Auch jetzt sind schon deutlich die thematischen Schwerpunkte zu erkennen, in die sich die Ausstellung gliedern wird. In Raum eins wird die Vor- und Frühgeschichte der Region bis zum Mittelalter gezeigt. Gerald Ramm und Michael Schröder haben dort zum Beispiel Relikte des bronzezeitlichen Gräberfeldes Marienhöhe sowie mittelalterliche Gebrauchsgegenstände zusammengetragen. Eins der spektakulärsten Ausstellungsstücke ist der etwa 100 000 Jahre alte Mammutzahn, den Gerald Ramm um 1980 als 15-Jähriger in einer Kiesgrube bei Niederlehme (Dahme-Spreewald) fand.
Im von Allmuth Hildebrandt zusammengestellten Raum zwei wird die frühe Neuzeit thematisiert. Dort erzählen die Fahne des Schiffervereins und ein großes Modell eines Kahns von der Tradition Woltersdorfs als Schifffahrtsstandort.
Alte Schulbänke beherrschen Raum drei, der sich der Zeit vom 19. Jahrhundert bis heute widmet. Gisela Schuldt, die in de heutigen Kulturhaus einst selbst zur Schule ging und dort später als Lehrerin unterrichtete, und Angelika Bandelier haben viel Liebe aufs Detail verwandt und zeigen neben historischen Unterrichtsmaterialien auch historische Postkarten und noch vieles mehr. Der 1885 gegründete Verschönerungsverein Kranichsberge informiert im Raum drei über seine eigene wechselvolle Geschichte.
Raum vier wird vom Maler Fidus dominiert, der von 1906 bis1948 in Woltersdorf lebte und dort einige seiner bekanntesten Bilder malte, wie zum Beispiel das 1908 entstandene "Lichtgebet". Auch die problematische Seite des Künstlers wird nicht ausgespart. So sind in der Ausstellung auch sein Hitler-Porträt zu sehen und ein Bild, das Stalin zeigt.
"Wir sind gespannt darauf, wie die Besucher unsere Ausstellung aufnehmen", sagt Gisela Schuldt. Immerhin ist es das erste Mal, dass die heimatgeschichtlichen Schätze richtig ausgebreitet werden können. Doch für das viele Material sind die vier Räume eigentlich jetzt schon zu wenig. Deshalb wird der Verschönerungsverein auch geführte Rundgänge durch sein Archiv anbieten.