"Das hat schon den Nerv der Ausbilder getroffen." Werner Lehmann, Ausbildungsleiter beim PCK Schwedt, zeigte sich nach dem Workshop mit Dr. Roland Burghard, Chefarzt der Jugendpsychiatrie am Klinikum Frankfurt, angetan. Der Mediziner hatte über seelische Erkrankungen, ihre Erscheinungsformen und über Strategien im Umgang mit ihnen gesprochen. Mit zunehmender Dauer des Vortrags begannen teilnehmende Ausbildungsleiter, in anonymisierter Form ihre Probleme mit ihren Schützlingen auf den Tisch zu packen.
Der wohl extremste Fall war der eines 22-Jährigen, der A4- Blätter mit der Aufschrift "Mutti, in drei Wochen bin ich unter der Erde" ausdruckte und demonstrativ herum liegen ließ, aber in direktem Gespräch jedes persönliche Problem verneinte. Das lasse Depression vermuten, sagte Burghard, und empfahl, was er auch sonst rät: kontinuierlich dran bleiben. "Eine interessierte, wertschätzende Wahrnehmung ist vermutlich der beste Weg, den wir einschlagen können" - aber es gelte auch, im Ernstfall Polizei und Feuerwehr zu rufen. Die Gefahr eines Amoklaufs, nach der der Ausbilder fragte, schätzte der Mediziner als sehr gering ein.
Natürlich ging es auch um weniger extreme Erscheinungen - zum Beispiel um Sucht oder Aufmerksamkeitsstörungen. "Das Problem ist ja immer, rechtzeitig den Handlungsbedarf zu erkennen", sagt PCK-Ausbildungschef Lehmann.
Die eigenen Eindrücke den Auszubildenden vermitteln - das war auch ein Leitmotiv der Empfehlungen von Ausbildungsberaterin Sabine Bleumortier. Sie riet zum Beispiel zu einer Gesprächstechnik, bei der die Azubis aufgefordert werden, sich in die Rolle des Ausbilders zu versetzen. Überraschendes Ergebnis sei dabei, dass viele Azubis in diesem Rollenspiel zu Härte neigten - zum Beispiel für Abmahnungen zu gewinnen wären.
Dass die Betriebe insgesamt mehr Schwierigkeiten haben und die Ansprüche an die jungen Leute angesichts der Bewerberlage herunterschrauben müssen, bestätigten mehrere Firmenvertreter - und Sabine Bleumortier. Die Unternehmen sehen sich zunehmend gefragt, ihre Konzepte in der Ausbildung ständig zu überprüfen, wie zum Beispiel Uwe Jaekel sagte, Ausbildungsleiter beim Online-Textilhändler Momox, in dessen Neuenhagener Niederlassung es darum gesteht, Bestellungen abzuwickeln. "Manche Jugendliche wissen nicht einmal, was eine Computer-Maus ist", so Jaekel.
Auch die schwächeren Schulabgänger mitzunehmen - das genau sei jetzt die Herausforderung, hatte eingangs Gundolf Schülke, der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer gesagt, und rief die Firmen auf, weiterhin Ausbildungsplätze anzubieten. "Es wandern immer noch Jugendliche ab. Sie hier zu behalten, ist die Notwendigkeit der Zeit."