"Entschuldigung", wird der Fußgänger auf der Flakenfließbrücke in Erkner von hinten angesprochen. Eine Radfahrerin sucht sich auf dem zur Hälfte von Schnee bedeckten Pflaster den Weg an dem Fußgänger vorbei. Es ist die freundliche Variante einer Begegnung, die öfter auch unfreundlich verläuft. Trotzdem sieht die Stadt mit sehr gemischten Gefühlen, was da auf sie zukommt: Das Straßenverkehrsamt hat jetzt angekündigt, dass die Benutzungspflicht der Radwege in der Friedrich-, der Bahnhof- und der Hohenbinder Straße überprüft werden soll - wie zwischen Gosen und Neu Zittau. Noch besteht diese Pflicht, und das bedeutet, sagt Detlev Schönborn vom Bauamt Erkner, dass Radler, die die Straße benutzen, einen Verkehrsverstoß begehen. Die Polizei müsste die Radfahrer anhalten und gegebenenfalls zur Kasse bitten.
Damit wäre es vorbei, wenn die Benutzungspflicht aufgehoben würde. Angesichts der vielen ein- und ausparkenden Autos beidseits der Friedrichstraße ist Ordnungsamtsleiterin Kristina Althaus davon überzeugt, dass Radfahrer auf der Straße gefährlich leben würden. Aber auch für die Fußgänger wäre eine Freigabe keine Entlastung. Denn sie müssten weiter damit rechnen, dass die Radler da kommen, wo sie auch bisher fahren. Die Stadt hat deshalb in ihrer Stellungnahme auf den guten Zustand der in Rede stehenden Radwege hingewiesen und skizziert, wie konfliktträchtig Stellen wie der ovale Kreisel sind. "Wir haben eine Einzelfallprüfung mit der Unfallkommission des Landkreises angeregt", sagt Schönborn. Die wird die Stadt vermutlich auch bekommen. Der Leiter des kreislichen Straßenverkehrsamts, Michael Rose, betont, dass man bei den Entscheidungen großes Augenmerk auf die Örtlichkeiten legen werde. Rose, dessen Behörde die jetzt laufenden Prüfungen auslöst, bestätigt eine Vermutung, die in Erkner kursiert: Hinter den Anträgen stehen einzelne Zeitgenossen, die sehr viel Zeit damit zubringen, sich über einschlägige Gerichtsurteile und rechtliche Neuerungen zu informieren. Ob da die Interessen der durchschnittlichen Radfahrer vertreten werden, ist eine andere Frage.
Für den Fall , dass es tatsächlich zur Freigabe des Radverkehrs auf der Friedrichstraße käme, kündigen die Vertreter von Erkner rechtliche Gegenwehr an. Völlig unsinnig erscheint ihnen auch der Wunsch an der Hohenbinder Straße: Dort befindet sich der Radweg außerhalb von Karutzhöhe, in einem Bereich, in dem wenige Fußgänger unterwegs sind. Schönborn tippt aauf Sportradfahrer als Antragsteller.
Auch in Schöneiche sind schon Überprüfungen des Benutzungszwangs von Radwegen eingeleitet worden, bestätigt Bürgermeister Heinrich Jüttner, zum Beispiel für die Friedrichshagener Straße und die Dorfaue. "Innerörtlich ist das kein Drama, wenn ein paar Schilder wegkommen", meint er - weil die Hälfte der Radfahrer sich ohnehin an nichts halte. Bestes Beispiel ist die Ortsdurchfahrt in der Schöneicher Straße - dort gibt es keinen Radweg, weil sie zu schmal ist; er wurde stattdessen durch den Stegeweg gelegt. Radler fahren trotzdem durch die Schöneicher Straße.