"Dass man einen Bügel mitbringen soll, stand nicht in der Einladung", sagte scherzhaft eine Besucherin, die im Obergeschoss der rappelvollen Kulturgießerei Probleme hatte, ihren Mantel loszuwerden. Um die 200 Gäste waren zu der Veranstaltung eingeladen, bei der traditionell ehrenamtlich engagierte Bürger gewürdigt werden. Diesmal wurden die Mitglieder des Sicherheitsvereins nach vorn gebeten, um jedem einen Geschenkbeutel zu überreichen. Der Verein hat 2014 sein 20-jähriges Bestehen gefeiert. Erich Lorenzen (Linke), der Vorsitzende der Gemeindevertretung, lobte die Ausdauer der zumeist älteren Streifengänger - auch mit dem Hinweis darauf, dass es bei diesem Engagement nie Erfolgserlebnisse gebe: "Verhinderte Diebstähle werden nicht erfasst." Lorenzen, der auch die große Politik, besonders die fremdenfeindlichen Pegida-Demonstrationen, Revue passieren ließ, erwähnte außerdem Jubiläen wie das der Feuerwehr in der "überwiegend gut situierten Schlafstadt" Schöneiche und warb für die Bürgerstiftung, die sich nicht nur um einen neuen Konzertflügel für die Schlosskirche bemühe, sondern auch um ein Schlagzeug für die Musikschule und die Soortjugend. "Machen Sie mit, bringen Sie Geld und Ideen ein", rief Lorenzen dem Publikum zu.
Einen anderen Akzent setzte Bürgermeister Heinrich Jüttner mit seiner Ansprache, in der er langsam auf sein Thema hinarbeitete, um dann in scharfen Worten, aber in melancholischer Tonlage, über die Gemeindevertretung, seinen Dienstherren, zu sprechen. Es gehe dort "weniger um zivilisierten Streit zum Wohl der Allgemeinheit. Es geht leider mehr um Zank, Zwietracht und Hader. Es geht um bitter anhaltenden Streit als feindselige Auseinandersetzung", sagte Jüttner, der seine Botschaft minutenlang in den verschiedensten Nuancen variierte. Es werde jähzornig herumgebrüllt, sagte Jüttner. "Ich hatte das Gefühl, als wäre ich auf einem Kasernenhof der Grenztruppen der DDR." Als Kronzeugen für den "Hass" im Ortsparlament nannte er Andreas Ritter (CDU), der seinen Austritt aus der bürgerlichen Fraktion - neben vielem anderen - auch damit begründet hatte, er stehe für den Hass einiger Fraktionsmitglieder auf Jüttner nicht zur Verfügung. Das Schlimmste aber sei das Schweigen. "Schweigen ist die Hölle." Am Ende sagte Jüttner: "Nun kommt wieder Kultur. Und Sekt wird verteilt. Lassen Sie uns gemeinsam anstoßen."
Der Vorsitzende der Fraktion von CDU, FDP und Bürgerbündnis, Lutz Kumlehn, widersprach dem Bild, das Jüttner gezeichnet hatte. Ritters Austritt aus der Fraktion habe hauptsächlich andere Gründe gehabt. Überhaupt hätte man freundlichere Themen finden können, meinte Kumlehn. Nach der Musik gingen alle ans Buffet, und der Abend ging im Plauderton weiter.