Die 21. Falkenseer Musiktage wurden am vergangenen Wochenende mit drei weiteren Konzerten fortgesetzt. Am Freitag und Sonnabend stand erneut die Klarinette als ausdrucksstarkes und facettenreiches Instrument im Mittelpunkt. Das Abschlusskonzert am Sonntag war Ludwig van Beethoven und seinem 250. Geburtstag gewidmet.

Klezmer-Konzert auf dem Hof des Hauses am Anger

Bei gutem Wetter trafen sich am Freitag zahlreiche Musikfreunde zum Klezmer-Konzert auf dem Hof des Creativen Zentrums „Haus am Anger“. Die geschickt aufgebaute Bestuhlung ermöglichte sichere Abstände im Publikum und zur Bühne. Am Beginn erinnerte der Leiter des Creativen Zentrums, Ingo Wellmann, daran, dass gerade an diesem Tag an vielen Orten das Jüdische Neujahrsfest Rosch ha-Schana begangen und damit das Jahr 5781 der jüdischen Zeitrechnung begonnen wird. Klezmer, die im Ostjudentum entstandene und heute weltweit verbreitete Musik, passe daher ganz besonders zu diesem Abend.
Für eine Stunde führten Harry Timmermann (Klarinette) und Alexandr Danko (Bajan) von der Gruppe „Harry’s Freilach“ das Publikum durch das unerschöpfliche Repertoire der Klezmer-Musik, die Fröhlichkeit und Leid, Überschwang und Melancholie, ausgelassenen Tanz und Feierlichkeit wie kaum eine andere Musikrichtung auszudrücken vermag. Das Duo spielte Titel, die aus den unterschiedlichsten Anlässen, von familiären bis zu religiös-liturgischen entstanden sind, darunter so bekannte Titel wie „Hava Nagila“ oder „Wenn ich einmal reich wär“. Das Publikum bedankte sich mit viel Beifall und Bravo-Rufen für das beeindruckende Konzert.

Bremer Meister der Klarinette

Am Sonnabend bewiesen die Musiker des Bremer Klarinetten Quartetts Allan Ware, Barbara Rößler, Christian Dawid und Martin Kratsch, dass sie absolute Meister dieses Instruments sind. Dabei hatten sie gleich mehrere Klarinetten in verschiedenen Stimmlagen und Formen im Gepäck. In der Falkenhagener Kirche erklangen u.a. die Fuge Nr. 20 in a-moll von Johann Sebastian Bach sowie musikalische Themen nach Szenen und Arien aus der „Zauberflöte“ von Mozart.
Das Programm beinhaltete neben weiteren klassischen Musikstücken auch moderne Kompositionen bis hin zum Jazz. Auf unterhaltsame Weise wurden die Stücke durch humorvolle Texte verbunden. Am Ende des Konzerts begeisterten die vier Klarinettisten mit einem musikalischen Scheingefecht ihrer „schwarzen Rohre“, beim dem das Publikum auch mal den Klang halbierter Klarinetten erleben konnte.
Klezmer, Klarinetten und Beethoven in Falkensee

21. Falkenseer Musiktage Klezmer, Klarinetten und Beethoven in Falkensee

Abschließender Höhepunkt mit Beethoven

Einen abschließenden Höhepunkt erreichten die Musiktage dann beim Matineekonzert am Sonntagvormittag mit dem Auftritt von Horia Dumitrache (Klarinette), Gabriella Strümpel (Cello) und Isabelle Engelmann (Klavier), ebenfalls in der Falkenhagener Kirche. Vier Beethoven-Stücke standen auf dem Programm, doch jedes einzelne wurde vom Publikum gefeiert.
Isabelle Engelmanns gefühlvolle Interpretation der berühmten „Mondscheinsonate“ stand am Anfang. Es folgten sieben Variationen für Cello und Klavier über ein Thema aus Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ im perfekten Zusammenspiel von Gabriella Strümpel und Isabelle Engelmann. In „Adelaide“ brillierte Horia Dumitrache mit virtuosem Klarinettenspiel. Beim schwungvollen Klarinettentrio Op. 11 „Gassenhauertrio“ kamen dann schließlich alle Instrumente gleichermaßen zur Geltung.
Zwischen den Musikstücken gab es unterhaltsame Anekdoten zu deren Entstehung und Namensgebung sowie aus dem Leben des Komponisten. In der Zugabe gingen die drei Musiker der Frage nach, wie wohl Beethoven in der heutigen Zeit komponiert hätte, wenn nicht ein Erzherzog, sondern z.B. die Telekom als Sponsor aufgetreten wäre. Hätte das Anfangsmotiv der berühmten 5. Symphonie dann dem allgegenwärtigen Telekom-Werbe-Jingle geglichen?

Würdige Fortsetzung der Falkenseer Musiktage

Mit den 21. Musiktagen ist auch in diesem Jahr, trotz aller Schwierigkeiten, eine würdige und niveauvolle Fortsetzung dieses für Falkensee so bedeutsamen Musik-Events gelungen. Zu verdanken ist das in erster Linie der Evangelischen Kirchengemeinde Falkensee-Falkenhagen, den Mitarbeitern des „Hauses am Anger“ und ganz besonders der musikalischen Leiterin Isabelle Engelmann.