30 Jahre Deutsche Einheit sollten eigentlich in diesem mit einem großen Fest in Ribbeck gefeiert werden. So jedenfalls lauteten die Pläne bevor Covid-19 alles durcheinander wirbelte. Doch so ganz wollte der Landkreis Havelland drei Jahrzehnte politischer Einheit doch nicht unter den Tisch fallen lassen und lud bereits am 1. Oktober zu einem Festakt im kleinen Rahmen auf das Schloss Ribbeck ein.

Volksfest soll nachgeholt werden

Mund-Nasen-Bedeckung, Desinfektionsmittel am Eingang, einzeln stehende Stühle im großen Saal des Schlosses und nur eine kleine Auswahl an Gästen - der Festakt zu 30 Jahren Deutsche Einheit stand ganz im Zeichen von Corona. Doch sowohl der havelländische Landrat Roger Lewandowski (CDU) als auch die Vertreter der Partnerlandkreise waren sich einig, dass das geplante Volksfest im kommenden Jahr in Ribbeck nachgeholt werden soll.

Kreistagsvorsitzende Barbara Richstein begrüßt Gäste

30 Jahre seien eine entscheidende Wegmarke, begrüßte die Kreistagsvorsitzende Barbara Richstein (CDU) die anwesenden Gäste, „eine vollständige Generation ohne deutsch-deutsche Vergangenheit.“ Es sei aber auch wichtig, niemals nachlässig mit der Geschichte umzugehen und weiter an die schwierige Zeit zu erinnern. Richstein betonte, wie dankbar sie den Menschen sei, die damals auf die Straße gegangen sind. Denn sonst wäre sie nicht im Havelland gelandet.

Gesprächsrunde mit Landräten

Der Begrüßung folgt ein Toneinspieler, der die historischen Stationen von Mauerbau über Mauerfall bis Einheit in Erinnerung ruft. Anschließend berichteten Roger Lewandowski und der Landrat a.D. Burkhard Schröder (SPD) von ihren Erfahrungen in der damaligen Zeit. Eigentlich hätte zu Schröder, der bis 1994 Landrat im Kreis Nauen war, auch Dieter Dombrowski (CDU) als ehemaliger Landrat des Kreises Rathenow auf dem Podium stehen sollen. Dieser hatte jedoch eine Autopanne und verspätete sich.

Kuriose Wendezeit in der Kreisverwaltung

Schröder, der wie Dombrowski auch, vor der Herausforderung stand, eine nach neuem Recht funktionsfähige Kreisverwaltung aufzustellen und zu bilden, trug einige Anekdoten zu der nach seinem Empfinden „kuriosen Zeit“ bei. So habe es in der Nauener Verwaltung einen Flur gegeben mit einer abgeschlossenen Tür und einer kleinen Luke, den er als neuer Landrat rund drei Wochen nicht betreten habe. Dort saßen die Stasi-Mitarbeiter. Erst nach drei Wochen habe man den ersten Kontakt hergestellt und der Landrat erfahren, dass die dort hinter der Tür eigentlich nichts mehr machen außer ihre Zeit absitzen...
In weiteren Gesprächsrunden mit Vertretern der Wirtschaft und aus dem sozialen Bereich wurde der Zeit der DDR und der Wende weiter gedacht.

Partnerlandkreis vertont Fontane-Ballade

Eine besondere Überraschung hatte Julia Rumpf, Kreispräsidentin des havelländischen Partnerlandkreises Rendsburg-Eckernförde dabei. Ein junger Musiker aus dem dortigen Feuerwehrmusik-Korps hat sich im Vorfeld der eigentlich geplanten großen Feier hingesetzt und das Fontane-Gedicht um den Herrn von Ribbeck und seine Birnen vertont. Die Uraufführung wurde nun zwar ins kommenden Jahr verschoben, die Noten hatte die Kreispräsidentin aber schon mal als Geschenk dabei.

Fotoausstellung zu 30 Jahren Deutscher Einheit

Bevor die Veranstaltung bei Häppchen und Gesprächen unter freiem Himmel ausklang, wurden im Ribbecker Schlossgarten 16 Stelen enthüllt, auf denen die Entwicklung der vergangenen 30 Jahre im Havelland gezeigt wird. Jede Gemeinde, jede Stadt und jedes Amt konnte ein persönliches Highlight auf einer Stele verewigen. Dazu kommen zwei Stelen zum Landkreis als ganzes und eine zur Entwicklung von Schloss Ribbeck.
Neben dem Fotovergleich steht ein erläuternder Text, der von einer Audidatei ergänzt wird. Dazu befindet sich an jeder Stele ein Lautsprecher, der auf Knopfdruck die Informationen wiedergibt. Die Stelen sollen nun drei Wochen lang im Ribbecker Schlossgarten für jedermann zugänglich die Entwicklung des Landkreises exemplarisch erlebbar machen.