Für Falkensees Dezernentin Luise Herbst ist es eine Kindheitserinnerung, sie war dreizehn als sich ihr eine "neue Welt eröffnete", wie sie sagt. Erinnerungen teilten auch Falkenseer Zeitzeugen, vom Bau der Mauer, dem Leben "dahinter" und von dem Moment, 28 Jahre später, als die Barriere fiel und Stein und Beton, Stacheldraht und Sperranlagen nicht länger die Menschen trennte.
Stellvertretend für die Zeitzeugen lasen zunächst Juliane Wutta-Lutzmann, Leiterin der Kulturhauses Johannes R. Becher, und Ingo Wellmann, Leiter des Kulturhauses am Anger, zwei Berichte von Falkenseern vor, die den Bau der Mauer erlebt hatten. Die schildern, wie sie innerhalb von Stunden ihre Familie, Freunde, die Arbeitsstelle, aber auch Träume und Hoffnungen verloren. Die Leiterin der Galerie und des Museums Falkensee, Gabriele Helbig, und Christiane Radon, Leiterin der Bibliothek der Stadt, berichteten über Falkenseer Erlebnisse zum Mauerfall.
Jemand ruft: "Damals haben wir "großer Gott wir loben dich" gesungen." Hier und da werden die plötzlich wieder im Gedächtnis aufflammenden kleinen Begebenheit tuschelnd ausgetauscht. Und als Helbig die Erinnerungen von Brigitte Kerl verliest, die dabei war, als der damalige Berliner Bürgermeister Walter Momper (SPD) zum ersten mal Falkensee besuchte, wo er gern ein Bier im Siedlereck trinken wollte, was nicht ging, im Siedlereck war Ruhetag, steht eine Dame auf und ruft: "Das Bier hat er aber noch bekommen. Nämlich in der Bäckerei Giede."
Eine sehr persönliche und emotionale Rede hielt Bürgermeister Heiko Müller (SPD). Der gebürtige Falkenseer erzählt von seinen sehr frühen Kindheitserinnerungen, als die Mauer gebaut wurde. Vom Plan der Familie, vorher noch schnell rüber zu machen und wie der Plan auffliegt. Von den Rissen in den Familien, von im wahrsten Sinn eingemauerten Wünschen. Von Repressalien und dem Wunsch nach Freiheit, im Geiste, wie auch physischer Natur. Zwei Worte, sagt Müller: "Traum und Sehnsucht."
Er spricht von dem Leben in der DDR, vom heimlichen "Westradio hören". "Wir waren eine SFB-Familie", sagt er und meint damit, man habe verbotener Weise den Sender Freies Berlin gehört. Anders als die RIAS-Familien. RIAS, Rundfunk im amerikanischen Sektor. Verboten war beides. Die RIAS-Familien, sagt der Bürgermeister mit Augenzwinkern, "das waren die Wilden." Erwischen lassen durfte man sich nicht und das einte die Wilden mit den weniger Wilden.
Bei dem Versuch, die Mauer in Falkensee zu überwinden, starben sieben Menschen, so Müller. Siebenmal Leid, Kummer und Schmerz, der über sieben Familien, über Freunde und Kollegen hereinbrach. Die Toten sind Teil der Erinnerung.
Und dann, schließlich der 9.November 1989, und jene folgenden vier Tage, die Müller wie eine Ewigkeit erschienen. Denn am 13. November war die Grenze auch in Falkensee passierbar, war die Mauer durchlässig, der Weg frei. "Das war eine so große Freude, so etwas habe ich danach nie wieder erlebt."
Heute, dreißig Jahre später, sieht er, dass nicht alle Wünsche und Erwartungen erfüllt wurden. "Und es wurden auch Fehler gemacht", sagt er. "Die Deutsche Teilung ist überwunden. Die Folgen der Teilung sind es nicht gänzlich."
Zum Abschluss spielt der Bläserchor spontan "Großer Gott, wir loben dich". Zum rausgehen oder mitsingen, wird verkündet. Niemand geht, alle bleiben und viele singen.