In Nauen wurde schon vor 6.00 Uhr heißer Kaffee verteilt. Unter den dortigen Traktorfahrern waren auch viele junge Leute. Sie sind selbst in der Landwirtschaft tätig oder haben Eltern, die einen Hof bewirtschaften. Die Feuerwehr hatte mit einem Lichtmast dafür gesorgt, dass auch ortsfremde Traktorfahrer auf einem zur Agro Farm Nauen gehörenden Feld den Sammelpunkt in der Nähe der Total-Tankstelle fanden.
Um kurz nach sieben setzte sich dieser Tross in Bewegung. Auf der B5 warteten schon hunderte weiterer Traktoren. Gemeinsam ging es dann nach Berlin. Gegen 8.00 Uhr kam der Verkehr in Höhe Dallgow-Döberitz kurzzeitig zum völligen Stillstand. Danach ging es im Schneckentempo weiter in Richtung Brandenburger Tor, wo gegen 12.00 Uhr eine Kundgebung begann.
Als Initiator der Demonstration tritt die Bauerninitiative "Land-schafft-Verbindung" auf. Im Havelland wird diese durch den Kreisbauernverband unterstützt. Was wollen die Landwirte in Berlin erreichen? Sie sagen, dass die Politiker immer weniger Verständnis für die Arbeit der Bauern aufbringen würden. So beherrschten Regelungen, Vorschriften und Sanktionen inzwischen den Arbeitsalltag der Landwirte. Ihre Bereitschaft zur Mitarbeit an Veränderungen werde nicht anerkannt. In Berlin wollen die Landwirte dafür eintreten, dass das sogenannte Agrarpaket der Bundesregierung mit dem Aktionsprogramm Insektenschutz neu und gemeinsam mit den Bauern geregelt wird. Sie wollen einen Dialog mit Politik und Gesellschaft und eine gemeinsame Lösungssuche für die Herausforderungen, vor denen die Landwirtschaft im Zuge von Umwelt- und Tierschutz sowie Klimawandel steht.
Maria Mundry aus Görne im Westhavelland war auch nach Nauen gekommen. Sie hat mit ihrer Unternehmensidee des Rinderleasings sogar schon Preise gewonnen. Ihr ist es wichtig, dass die Landwirte alle zusammen und geschlossen auftreten, um zu zeigen, dass manche mit dem Rücken zur Wand stehen. "Es geht hier um Existenzen", so Mundry. Sie gibt aber auch zu, dass die Landwirte eine bessere Öffentlichkeitsarbeit machen müssten. Man müsse das, was man tut, auch nach außen tragen. Das habe man in den vergangenen Jahrzehnten quasi nicht gemacht. "Das lernen aber alle gerade", so Mundry zuversichtlich.
Mathias Jung, der gemeinsam mit seinem Bruder Henning, in Klein Behnitz einen landwirtschaftlichen Betrieb führt, sieht das ähnlich. Die Bauernschaft sei für einen offenen Dialog mit den Verbrauchern. Die Bereitschaft dafür ist auch auf den Plakaten einiger Traktoren zu lesen: "Wir sind noch da. Hört uns bitte zu. Wir beissen nicht."
Alle 14 Forderungen der Landwirte der Initiative "Land-schafft-Verbindung" sind auf www.landschafftverbindung.de nachzulesen.
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