Thomas Große-Rüschkamp hat einen Ackerbau-Betrieb in Markee, einem Ortsteil von Nauen. Um über die Zukunft zu reden, sollte zunächst mal der Ist-Zustand beschrieben sein, sagt er und legt los. Er spricht über die verschiedenen Fruchtfolgen, von organischer und mineralischer Düngung und über Pflanzenschutzmittel, deren Einsatz seit Jahren kontrovers diskutiert wird. Denn nach wissenschaftlicher Meinung stehen diese Mittel im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Insektensterben. Große-Rüschkamp sagt, er setzte Pflanzenschutzmittel nur nach gründlicher Prüfung ein. "Wir wollen Bodenschonend arbeiten. Wir leben von unseren Böden und wollen dies auch weiterhin", sagt er. Dabei setzt er auf moderne Technik, um noch bedarfsgerechter zu düngen und damit weniger Nitrat in den Boden zu bringen.
Forschung und Entwicklung beim Pflanzenschutz müsse, wie in der Medizin, vorangetrieben werden, sagt er. Es gebe Feldgeräte, die mit Kameras ausgestattet sind, die das unerwünschte Kraut auf dem Acker erkennen und punktuell bekämpfen, erzählt er. Hätte er im Studium gesehen und danach nie wieder.
Er äußert deutlichen Unmut zur neuen Düngeverordnung. Die 2017 erst überarbeitete Verordnung musste den EU-Richtlinien angepasst werden und gilt voraussichtlich ab April 2020. Sie sieht noch mal eine Einschränkung vor, wieviel Gülle wann auf den Acker darf. Die Bußgelder für fehlende oder unvollständige Aufzeichnungen steigen drastisch. Und auch für die Bundesregierung kann die Nichteinhaltung teuer werden, mehr als 800.000 Euro für jeden Tag, an dem die Verordnung nicht eingehalten wurde, müsste sie an die EU zahlen.
Die Gülleverordnung ist Mist, sagen die anwesenden Landwirte und auch Uwe Feiler kann der Verordnung nichts abgewinnen. Ändern könne er sie aber auch nicht, sagt er weiter und verweist nach Brüssel. Gerecht sei die Verordnung auch aus seiner Sicht nicht. Denn nicht überall in Deutschland habe man mit den selben Nitrat-Belastungen im Boden zu tun. Nicht alles ist "rotes Gebiet". Und er fragt: "Warum setzt man hier nicht auf wissenschaftliche Erkenntnisse?"
Feiler, der ab und an im landwirtschaftlichen Betrieb seiner Ehefrau aushilft, sieht neben dem Unmut um die Gülle noch viele Herausforderungen auf die Landwirtschaft zukommen. "Ökologisch und sozial sollte die nachhaltige Landwirtschaft sein", sagt er. Schließlich müssten die Bauern mit ihren Erzeugnissen ihre Familien ernähren können.
"Jenseits vom Insektenschutz stehen die Bauern unter riesigem Druck", sagt Axel Vogel. "Die soziale Marktwirtschaft hat bei den Bauern völlig versagt", sagt er weiter und nennt als Beispiel die Milchpreise. Händler dürften die Produkte nicht länger unter dem Einkaufs- oder gar Erzeugerpreis verkaufen, sagt er weiter und kündigt an, den Ausverkauf der Landwirtschaft stoppen zu wollen. Dabei sei es ihm wichtig, die konventionelle nicht gegen die Öko-Landwirtschaft auszuspielen.
Schönwaldes Bürgermeister Bodo Oehme (CDU) kommentiert, dass die Milch im Supermarkt an der Ecke selten aus Brandenburg komme. "Bei uns ist von drei Milchbauern noch einer übrig", sagt er. Statt der Kühe ständen hier nun Pferde auf den Wiesen.
Auch Axel Vogel bewertet die Düngeverordnung kritisch. In Brandenburg wird der Nitratgehalt in den Gewässern regelmäßig kontrolliert. Dafür sind mehr als tausend Messstellen im Einsatz. An 47 dieser Messstellen wurden erhöhte Werte ermittelt, die im Bezug zur Landwirtschaft stehen. Das entspricht einer Rate von 2,3 Prozent. In Bundesländern mit mehr Tierhaltung sehe dies in der Tat oft ganz anders aus.
Christoph Plass, konventioneller Kartoffelbauer und Vorsitzender der Initiative "Land schafft Verbindung", sagt, er halte die Messstellen "für Schrott". Und er vermisst den Zugang zu den dort gewonnen Daten. Sein Problem mit seinen Feldfrüchten ist ganz anderer Natur. Lange Wege, um eine Kartoffel-Sortier-Station zum Abpacken zu finden. Ähnlich geht es auch Landwirten mit Tierhaltung, die einen Mangel an Schlachthäusern in der Umgebung beklagen.