„Wohlan! Es eifre jeder seiner unbestochenen - von Vorurteilen freien Liebe nach!“ (G.E. Lessing) So steht es nun auf einer Stele am Eingang zur Sporthalle des Oberstufenzentrums (OSZ) Havelland in Nauen. Nur wenige Meter weiter, an der Wand, finden sich die Worte von Julian Wendt, der 2015 Schüler am OSZ war: „Immer wird es Menschen geben, die so sind wie ich. Ich trage keine Maske! Ich zeige mein Gesicht!“ steht es auf der großen Tafel geschrieben. Die Worte darunter verraten den Anlass für diese Worte und für die Stele.
In dieser Woche wurde eingeweiht, was an die schreckliche Nacht zum 25. August 2015 erinnern soll. Damals wurde in einem feigen Brandanschlag die alte Turnhalle des OSZ in Schutt und Asche gelegt. Und das nur, weil diese auf dem Höhepunkt der damaligen Flüchtlingswelle Notunterkunft werden sollte. Dem Landkreis fehlten damals schlicht Gebäude für die Unterbringung der Geflüchteten. So sollten eben auch Turnhallen helfen.

Strafverfahren gegen Brandstifter dauerte Jahre

Der Brandanschlag ging durch alle Medien und verhalf Nauen zu einer traurigen Berühmtheit. Schnell wurden 20.000 Euro Belohnung für Hinweise zu den Tätern ausgelobt. Diese wurden auch gefasst. Doch das Strafverfahren zog sich. Erst Ende Januar 2022 wurde das endgültige Urteil gegen Maik Schneider rechtskräftig.
Viel schneller erfolgte zum Glück der Wiederaufbau der Turnhalle. Sie konnte schon im August 2017, nur zwei Jahre nach dem Anschlag, wieder in Betrieb genommen werden. Das Geld für den Neubau hat die Versicherung in einem Zivilprozess gegen Maik Schneider und seine Komplizien eingeklagt. Sie wurden zur Leistung von rund 2,9 Millionen Euro Schadenersatz verurteilt.

Mahnmal in Zusammenarbeit mit OSZ-Schülern entstanden

Am OSZ lief derweil die Aufarbeitung der Tat. Es gab einen Wettbewerb, um ein Mahnmal zu kreieren, dass sowohl Erinnerung als auch Hoffnung darstellen sollte. Die mittlerweile ehemalige Schülerin Elena Langner durfte schließlich mit Künstler Joachim Matz zusammenarbeiten, um die Idee zum Mahnmal zu verfeinern.
Joachim Matz erstellte schließlich die Stele aus verschiedenen Metallen, brachte Lessings Aussage aus der Ringparabel in deutsch und englisch darauf an. Auch die Gedenktafel an der Wand, mit dem kleinen Gedicht des Schülers Julian Wendt, erstellte Matz. Schon 2018 sollte alles aufgestellt werden, doch der noch nicht beendete Prozess verhinderte dies. Heißt es doch im Text auf der Tafel, dass die Täter eine gerechte Strafe bekommen hätten. So wurden Skulptur und Tafel eingelagert. Bis zum 24. April 2022, als Landrat Roger Lewandowski (CDU) gemeinsam mit Ideengeberin Elena Langner und Künstler Joachim Matz, sowie weiteren Gästen, das Mahnmal einweihte.