Wenngleich die Verpflichtung, Asylbewerber und Flüchtlinge aufzunehmen, ausschließlich in der Zuständigkeit des Landkreises liegt, so hegen die Kommunalpolitiker dennoch die Hoffnung, dass auch Falkensee Farbe bekennt. Ursula Nonnemacher (Bündnisgrüne) beschreibt es so: "Eine weltoffene Stadt wie Falkensee, in der ein engagiertes Bürgertum lebt, in der wir aktive Kirchengemeinden haben, ist sicher in der Lage dazu, einen Beitrag zu leisten. Mit dem einvernehmlich von allen getragenen Antrag wollen wir eine Debatte anstoßen. Es ist uns wichtig, die Willkommenskultur zum Ausdruck zu bringen." So könne es nicht sein, dass ausschließlich dort, wo der Leerstand an Gebäuden deutlich höher ist, etwa in dünnbesiedelten Gebieten, Asylsuchende untergebracht werden. Bewusst ist ihr zwar auch, dass es in Falkensee schwierig sein wird, geeigneten Wohnraum zu finden, doch müsse es unbedingt versucht werden.
"100 Flüchtlinge kann Falkensee sicher verkraften", meint auch Michael Richter-Kempin. "Ich bin gar der Meinung, wir haben die Verpflichtung dazu, Raum zu schaffen. Der Kontakt mit Hausbesitzern sollte gesucht werden. Es wird sich zeigen, wie tolerant Falkensee ist." Er rechnet indes schon im Vorfeld der beginnenden Debatte mit einem Aufschrei, nach dem Motto "solange hier keiner ist, können wir großzügig sein", wie er es zugespitzt formuliert.
In einer Entschließung hatte der Landtag in der vergangenen Woche im Übrigen Prämissen für eine verbesserte Willkommenskultur aufgestellt, diesen sollte sich niemand verschließen, wie Nonnemacher betont. Den Fraktionen in der SVV bereitet es jedenfalls Sorge, dass Rechtsextremisten durch inszenierte Aufmärsche vor Flüchtlingsunterkünften versuchen, Ängste der Bevölkerung zu instrumentalisieren. "Wir alle sind dafür verantwortlich, dass Flüchtlingen, die oft ein schweres Schicksal hinter sich haben und traumatisierenden Erfahrungen von Bürgerkrieg oder Verfolgung ausgesetzt waren, Zuflucht und Schutz gewährt wird. Wir unterstützen deshalb den Landkreis ausdrücklich in seinen Bemühungen, Flüchtlinge im gesamten Kreisgebiet und vorzugsweise auch in Wohnungen unterzubringen, um die Aufnahme in großen Heimen möglichst zu vermeiden", heißt es in dem Antrag, der in der kommenden Woche verabschiedet werden soll.
Laut Angaben von Bürgermeister Heiko Müller indes lote die Stadt bereits Möglichkeiten aus. "Zum jetzigen Zeitpunkt kommen wir allerdings zum Ergebnis, dass es kein städtisches Gebäude gibt, das verfügbar erscheint. Im Hinblick auf Wohnungen müssen wir noch eine Bewertung vornehmen. Wir sind an dem Thema längst dran. In Falkensee ist der Wohnraum allerdings knapp, insofern ist es für uns sehr viel schwieriger als in anderen Kommunen."