Die Zukunft der Flüchtlingsunterkunft in Schönwalde-Glien ist offenbar ungewiss. Möglicherweise könnte die Einrichtung geschlossen werden. Zumindest wurde die Option am Dienstagabend in Rathenow während der Sitzung des Sozialausschusses erstmals ins Gespräch gebracht.
Eine Entscheidung dazu soll aber erst später getroffen werden. Zunächst wird in den kommenden Wochen erneut der Ist-Stand vor Ort beleuchtet, ehe eine entsprechende Diskussion fortgesetzt werden kann. Die Verwaltung des Landkreises selbst präferiert eine Schließung allerdings nicht. Ohnehin läuft der Betreibervertrag mit den Johannitern noch bis zum Jahresende.
Zu wenig Personal, eine schlechte Verkehrsanbindung und nur noch rund 170 Bewohner bei ohnehin sinkenden Asylbewerberzahlen: In der Flüchtlingsunterkunft in Schönwalde-Glien, die für rund 400 Plätze ausgelegt ist, könnte laut Meinung von Kathleen Kunath, Sprecherin der Willkommensinitiative Falkensee, "eine Ghettoisierung stattfinden", sollte sich an den bestehenden Rahmenbedingungen nichts ändern. "Ich denke, die Möglichkeit, die dort lebenden Menschen auf andere Unterkünfte aufzuteilen, könnte in Betracht gezogen werden", meinte die Sachkundige Einwohnerin und Flüchtlingsexpertin. Ihrere Meinung nach fehlten Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. Soziale Probleme seien die Folge. Aus ihrer Sicht müssten derartige Problem-Standorte ähnlich wie Brennpunktschulen besonders unterstützt werden. Zur Vorbeugung und Erkennung von Radikalisierungsprozessen bei den Bewohnern sei es notwendig, dass die Fachkräfte vor Ort kontinuierlich arbeiten und die Bewohner kennen.
Übrigens: Von den dort lebenden Flüchtlingen müssten sich ohnehin 75 Asylbewerber eigentlich auf dem Wohnungsmarkt umschauen, da sie bereits über einen Anerkennungstitel verfügten.
Nichtsdestotrotz meinten einige Ausschussmitglieder, die Einrichtung müsste für alle Eventualitäten offen gehalten werden, wie der Ausschussvorsitzende Ingo Wellmann (SPD) als Fazit zur Sitzung erklärte. Wolfgang Seelbach von den Bündnisgrünen gab etwa zu bedenken, dass der Kreis einen Puffer an Unterkunftsplätzen vorhalten sollte, um kurzfristig Schwankungen beim Zuzug von Flüchtlingen auszugleichen. Dennoch hielt einen ortsfernen Standort wie Schönwalde-Erlenbruch für problematisch, "erst recht, wenn abends keine Busse mehr fahren".
Und wie positioniert sich die Kreisverwaltung zu den Problemen in der Unterkunft? "Es gab in der Tat Personalvakanzen, sodass der Landkreis eine eigene Mitarbeiterin zur Unterstützung eingesetzt hat. Die Sozialarbeit wird zudem vertretungsweise durch einen anderen Träger abgesichert. Darüber hinaus gibt es einen guten und regelmäßigen Austausch zwischen dem Flüchtlingshelferkreis ,Neue Nachbarn' aus Schönwalde-Glien, der Heimleitung und dem Sozialamt des Landkreises. Die letzte Vor-Ort-Prüfung der Aufsichtsbehörde hat zudem keine Beanstandungen ergeben." Ob das nun bedeutet, dass eine Schließung grundsätzlich abgelehnt wird, war nicht zu erfahren.