Die Argumente sind ausgetauscht - zum wiederholten Mal, wohl auch gesichtswahrend für alle Beteiligten. Falkensees Bürgermeister Heiko Müller (SPD) hatte als Moderator jedenfalls alles im Griff. Gut zwei Stunden lang managte er den Abend bestimmend, aber ausgleichend. Richtig laut wurde es bis auf kleinere Scharmützel und leiseren Zwischenrufen wie "den Mund lasse ich mir nicht verbieten" deshalb wohl nicht, schließlich war auch die Polizei in der Aula der Kantschule vorsorglich vertreten, natürlich nicht wegen der Anwohner.
Trotz der auch für die Skeptiker überraschenden Erkenntnis, dass deutlich weniger Asylsuchende nach Falkensee kommen als ursprünglich angedacht, wollten sich vor allem die unmittelbaren Anwohner nicht so recht damit anfreunden, bald neue Nachbarn zu bekommen. Kritik folgte in vielerlei Hinsicht, bekanntermaßen wegen der verfehlten Informationspolitik des Landkreises. Deren Vertreter hätten, so die Meinung der Quasi-Gegner des Asylbewerberheims, doch bitteschön vorher mal nachfragen sollen, ob der Bau in ihrem Umfeld überhaupt erwünscht ist. Dass so etwas in diesem Zusammenhang nirgendwo passiert, ist aber wohl auch klar.
Zu groß dimensioniert sei das Objekt, zu dicht dran, womöglich zu laut, ein anderer Standort, etwa die alten Adler-Kasernen in Elstal, sei besser - all die Vorwürfe oder je nach Blickwinkel auch Anregungen an Müller, Vize-Landrat Roger Lewandowski oder Baudezernent Jürgen Goulbier prallten in der Konsequenz in Form von Erklärungen und für Skeptiker nicht immer einsichtigen Begründungen allerdings ab. Neue Erkenntnisse dahingehend sollte und wollte auch niemand liefern. Die gibt es schlicht nicht. Das Projekt ist schließlich durchgeplant und die Argumente ausgetauscht.
Akzeptiert wird das von den Befürwortern. Mehr noch, sie wollen wie angekündigt die "Willkommenskultur" nachhaltig leben, pflegen, indem sie sich einbringen. Geplant ist etwa eine Telefon-Hotline zu schalten, sollte es Probleme geben, egal ob ein Wachschutz rund um die Uhr die Heimleitung und Sozialarbeiter in den beiden dreigeschossigen Objekten unterstützt. Vermitteln wollen die Engagierten. Mit im Boot sitzen sollen nach Möglichkeit die Anwohner, die wollen aber nicht so richtig. Vielleicht noch nicht. Zitate wie, "das wird ein Männerwohnheim ganz klar", "hat man auch an uns Bürger gedacht?", "mit 67 Nachbarn leben zu müssen, ist menschenverachtend" und dem darauffolgenden Konter "Menschenverachtung ist genau etwas anderes" oder "ein Haar in der Suppe zu suchen, ist völlig daneben", verdeutlichten die Diskrepanz. Obgleich es in der Aula der Kantschule ein nur subjektives Schwarz und Weiß gegeben hat, ist die Antwort auf die Toleranzfrage vermutlich erst dann stichhaltig und umfassend zu klären, sobald die Flüchtlinge in Falkensee eintreffen werden. Dann heißt es Farbe bekennen, vielleicht in Form von breiter Akzeptanz.