1838 kam Adolph Traugott, Ludwig Kaselitz nach Ketzin/Havel. Nach 1850 muss er den Wert der hiesigen Tonvorkommen erkannt haben. Wie in der Ausstellung nachgewiesen, kaufte er von Hornemann acht Morgen (zwei Hektar) Land und zwischen 1857 und 1859 wurde in Vorketzin die erste Ziegelei gebaut, zunächst mit einem Erdofen und einer Brennkapazität von 40.000 Ziegeln. Die Ziegeleibesitzer Maaß und Mannheimer gründeten schließlich hier mit ihren größeren und moderneren Ziegeleien, ihren Villen und zahlreichen anderen Gebäuden Vorketzin. Um 1880 gab es für die Versorgung der Arbeiter dort immerhin zwei Fleischereien und ein Wirtshaus mit Kolonialwarenhandel und sogar die verschiedensten Ansichtskarten waren im Angebot - von Vorketzin. Zu sehen sind die dortigen und alle anderen Ketziner Ziegelei-Standorte mit allen ehemaligen und den markierten noch heute existierenden Gebäuden auf einem großen Relief-Modell. Einer dieser Standorte ist der von Wilhelm Müller im heutigen Bereich Paretz-Hof.
Ihm gehörte einst die heutige Rosenvilla und seinem Bruder August Müller die repräsentative Villa Havelblick in der heutigen Potsdamer Straße. Familie Müller stiftete übrigens die Friedhofsmauer und die Kapelle in Paretz und Ziegeleibesitzer Friedrich Albrecht 1898 der Stadt ein Krankenhaus, das heutige Ketziner Ärztehaus. Allerdings ließ er auch den imposanten historischen Ketziner Burgwall mit seinen etwa 120 x 160 Meter abtragen, um den darunter liegenden Ton zu nutzen. Der Boom der Ketziner Ziegelproduktion währte nur wenige Jahrzehnte. Bereits um 1900 begann in der Mark Brandenburg das große Ziegeleisterben, welches auch die Ketziner Ziegeleien nicht verschonte.
Die meisten waren bereits noch vor dem ersten Weltkrieg verschwunden, heißt es in der Ausstellung. Eine kleine Kuriosität: Zur Ausstellungseröffnung läutete Lauterberg ein originales Glöckchen. Er nimmt an, dass damit Ziegelmeister August Klarholz im Jahre 1946 auf der Ziegelei Fritz Jöllenbeck auch den endgültigen Arbeitsschluss auf der letzten Ketziner Ziegelei verkündete. Zu sehen sind heute noch einige mehr oder weniger verfallende Gebäude und der Verladehafen im Ortsbereich Brückenkopf unmittelbar an der Brücke über den Ziegeleikanal.
Die ehemaligen Ziegeleien haben die Ketziner Landschaft geprägt wie kein anderer Wirtschaftszweig.
Entstanden sind aus den Tongruben um die 80 künstlichen Wasserflächen, dazu Kanäle und Verladebecken, eingebettet in Landschafts- und Naturschutzflächen mit einer einzigartigen Flora und Fauna. Aber auch die Ziegel selbst erzählen in der Ausstellung viel über ihre Geschichte. Beispielsweise, wie aus grauem Elbeschlick im Brennprozess dunkelrote Rathenower Ziegel entstanden. Das Berliner Rote Rathaus ist ein sichtbares Beispiel mit derartigen Ziegeln. Mittelalterliche Ziegel mit etwa acht Kilogramm stehen neben heutigem Normalmaß mit 3,5 Kilogramm. Heute selten zu findende Stempel auf den Ziegeln verraten die Herkunft. Nur noch zwei gibt es mit dem Stempel der Tremmener Ziegelei. Einen davon übergab Horst Lehnhardt, Leiter des Förderkreises für das Tremmener Dorfmuseum, anlässlich der Ausstellungseröffnung dem Ketziner Museum. Die Ausstellung kann noch bis zum 6. Mai besichtigt werden.