Sie leuchten oder funkeln wie Sterne, je nach Tageszeit und weithin sichtbar im Garten der Ketziner evangelischen Kirche. Es sind 22 Stahlhelme der einstigen NVA, besetzt mit insgesamt 22.000 kleinen Spiegeln und schwebend zwischen Stämmen märkischer Kiefern.

Symbole des Krieges friedlich genutzt

„Krieg und Sterne“ nannte Nicolaus von Arnim seine Installation, mit der er sich am Kunstprojekt „Ein S Sein“ der Kulturinitiative „Garten Eden Ketzin“ beteiligt. Es wäre seine Überlegung, wie ein Symbol des Krieges friedlich genutzt werden kann. Jeder müsse für sich entscheiden, ob der Stahl zu Schwertern oder Flugscharen werden solle, sagte er am vergangenen Sonntag zur Eröffnung der Ausstellung, die thematisch dem 30. Jahrestag der Wiedervereinigung gewidmet ist.
Es ist überaus interessant zu sehen, wie überraschend vielfältig dieses zentrale Motiv sowohl mit Malerei und Fotografie als auch mit Installation und Skulptur von elf Künstlern aus Ketzin/Havel und der näheren Umgebung gesehen und gestaltet wurde.

Kunstwerke auf drei Standorte verteilt

Gleich auf drei Standorten können sich die Besucher davon einen persönlichen Eindruck verschaffen. Aus hellem Sand und dunkler Erde gestaltete Mitinitiatorin Susanne Weber Yin und Yang, Gegensatzpaare, die dennoch zusammengehören. Gedanklich bezogen auf die einst zwei unterschiedlichen deutschen Staaten, die nun wieder zusammengeführt und eins werden.

Grenzen durchbrechen

Anders interpretiert Uwe Steckhahn die Situation vor 30 Jahren. Ein Stück Grenzzaun vor einem Bild auf der dieser in grellen Flammen aufgeht. „Heiße Zeiten durchbrechen Grenzen, die wir in unserem Leben immer wieder erfahren. Das war auch vor 30 Jahren so“, sagte er zur Eröffnung.

Friedliche Revolution

Recht unterschiedlich sind die Gedanken der beiden Ketziner Hobbymaler Harri Sarow und Wolfgang Krause zum Jahrestag. Während Krause noch Mitte der neunziger Jahre das ihn bewegende Ereignis in seinem Bild „Wenn Träume fliegen lernen“ festgehalten hat, in dem eine stilisierte Taube mit seinen Träumen von einer grünen, blühenden Landschaft in Richtung Grenze fliegt, gestaltete Sarow malerisch mehr das Vorher und Nachher und auch das Wie der friedlichen Revolution.
Mitinitiatorin Anette Hollman nähert sich dem Thema Adam Kadmon, dem Urbild des göttlichen Menschen, der Weisheit, Herrlichkeit und Unsterblichkeit in sich vereint, mit einem Bild und einer Installation im Kirchgarten. Hier lädt ein Stuhl im Feld des Adam Kadmon dazu ein, die Augen zu schließen und Fragen an sich selbst zu stellen, was für ihn Menschlichkeit und Freiheit bedeute beispielsweise.

Notruf im Kirchgarten

Es könnte allerdings sein, dass er durch einen Notruf aus der wenige Meter weiter von Leonhard und Konstantin Hollmann installierten Notrufsäule aufgeschreckt wird. Ein Mensch ist in Not und ruft um Hilfe, so wie Charlie Chaplin in seiner Rede an die Menschlichkeit 1940. Seine Stimme spricht zu uns.
Hilferufe, laut ausgerufen oder auch nur still gedacht, gibt es noch heute, vermehrt sogar. Ein Thema, das Tobias Kielinger mit einer großen Installation in der Tourist-Information gestaltete. In dieser von Corona geprägten Zeit sollte deshalb auch über Grundsätzliches nachgedacht werden. Über den erschütternden Rassismus, auch über Fragen der gerechten Entlohnung, der Verteilung des Geldes in unserer Gesellschaft beispielsweise.
Dieses deutlich von persönlichen Gedanken und Erfahrungen geprägte Kunstprojekt kann in der Rathausstraße noch bis zum 23. Dezember besucht werden.