Am 15. November haben die Wahlberechtigten der Stadt Falkensee die Möglichkeit für oder gegen den Bau eines Hallenbades zu stimmen. Ein Projekt, das jahrelange Diskussionen, Planungen und Abstimmungen hinter sich hat. Eine Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung (SVV) hatte gegen den Bau votiert. In der Folge wurden ausreichend Unterschriften für einen Bürgerentscheid gesammelt.

Hallenbad mit Sauna und Kegelbahn

Sollten am Sonntag, 15. November, 25 Prozent der Wahlberechtigten nun mit „Ja“ stimmen, wäre das notwendige Quorum erreicht. Dann wäre die Frage: „Sind Sie dafür, dass die Stadt Falkensee die durch den Landkreis Havelland im Jahr 2019 erteilte Baugenehmigung nutzt und ein Hallenbad baut?“ beantwortet.
Dann hätten die Bürger entschieden und das Bad wird gebaut. Und zwar genauso wie geplant, mit Sauna und Kegelbahn. Doch das Hallenbad stößt nicht überall auf Zustimmung.

Viele Meinungen nach jahrelanger Diskussion

Da gibt es zunächst jene, die von Beginn der Diskussion kein Hallenbad wollten, sondern das Geld lieber in andere Projekte, vornehmlich Bildung und Kultur, stecken wollen. Die Gegenseite möchte nach langen Jahren des Wartens ein Hallenbad. Bündnis „Pro Hallenbad Falkensee“, nennen sie sich. Und dann sind da noch jene, die nach eigenem Bekunden durchaus ein Hallenbad wollen, nur eben nicht dieses. „Nicht dieses Hallenbad“, ist der Slogan. Und deshalb werben auch sie, um Neinstimmen, bei der Abstimmung.

Badespaß oder Belastung?

Kommen genügend Ja-Stimmen zusammen, könnte sofort mit dem Bau begonnen werden. 2007 hatte der Seniorenbeirat Unterschriften für ein Hallenbad gesammelt und ist seitdem mit diesem Anliegen unterwegs. Sie gelten als treibende Kraft für den Bau des Hallenbades. Doch was genau spricht noch für dieses Hallenbad und was dagegen? Hier eine Auswahl der gängigsten Argumente.

Schwimmen können, rettet Leben

Schwimmen können als sicherstes Mittel gegen Ertrinken, steht ganz oben auf der Pro-Hallenbad-Liste. Laut der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) sind im vergangenen Jahr mindestens 417 Menschen in Deutschland ertrunken. Davon waren 25 Kinder im Vorschul- und Grundschulalter. Zweifellos ist jedes Opfer eines zu viel.
Dennoch: Es sind hauptsächlich Menschen über dem 50. Lebensjahr, die durch Leichtsinn, Übermut, Selbstüberschätzung und Unkenntnis der Gefahren, laut der DLRG, bei Badeunfällen verunglücken. In Falkensee können rund 96 Prozent der Kinder schwimmen, so ein Argument der Nein-Stimmenden. Es geht weniger um die Frage, ob die Kinder schwimmen lernen, sondern wo, so die Gegenseite.

Nicht zukunftsweisend

Zu teuer, zu wenig ökologisch, die Bauweise ist nicht zukunftsorientiert, heißt es von der Nein-Seite. Gefordert wird die Einhaltung der EU-Richtlinien zum niedrigen Energieverbrauch, das heißt seit Jahresbeginn müssen öffentliche Gebäude so gebaut werden, dass sie fast gar keine Energie verbrauchen (nearly zero-energy buildings).
Hierzu gab es zuletzt einige Debatten in der SVV, von den Befürwortern hört man dazu wenig, einzig die Möglichkeit einer Nachrüstung in Sachen Energie-Effizienz wurde erörtert, aber nicht konkret nachgebessert.

Ganzjähriges Schulschwimmen

Auf Seite der Ja-Seite steht: Das Schulschwimmern muss ganzjährig möglich sein und in sogenannten Schulschwimmzentren stattfinden. Diese Zentren sind Hallenbäder, denen dieser Status zugesprochen wird. Ein als Schwimmzentrum zugelassenes Hallenbad in Falkensee würde den Schülern die Fahrerei in Bussen ersparen.
Die Transfers zu den Schwimmhallen kosten Geld und belasten die Umwelt. Umwelt und Geldbeutel werden auch durch ein Hallenbad in Falkensee belastet, sagt die Gegenseite. Und: Bei weitem nicht alle zukünftigen Hallenbad-Besucher werden mit dem Fahrrad oder dem öffentlichen Nahverkehr anreisen.

Ganzjährig nutzbar für alle

Das Hallenbad wäre ganzjährig nutzbar, sagen die Befürworter. Anders als das Waldbad, ein Freibad. Um dessen weitere Zukunft sorgen sich die Gegner des Projektes. Denn ob sich die Stadt beide Bäder leisten kann ist fraglich.
Das soziale Leben wäre mit dem Bad eingeschränkt, alle zur Verfügung stehenden Mittel würden möglicherweise in das Bad fließen, sagen die Nein-Stimmenden. Ein Gruppenerlebnis, mit dem soziale Kontakte geknüpft werden können, sagen die Ja-Stimmenden. Familienfreundlich und es macht Teilhabe möglich, heißt es hier weiter. Letztendlich wird die Teilhabe allerdings über die Eintrittspreise entscheiden.

Finanzierung unklar

Die Finanzierung sei unklar, bei einer bis 1,5 Millionen Euro soll die jährliche Belastung liegen, so die Nein-Fraktion. Die Rechnung halten sie für optimistisch, die Folgekosten für kleingerechnet. Ein Wirtschaftsprüfungsinstitut hat dies bestätigt, heißt es hier weiter. Tatsächlich ist die finanzielle Situation schon länger Zankapfel in der SVV, der Vorwurf, die Verwaltung biete hier keine Transparenz hängt wie ein Schleier über den Diskussionen. Diese Transparenz wird auch bei Baugenehmigung und den Planungsunterlagen vermisst. Bisher nicht öffentlich einsehbar, beanstanden die Baugegner.

Corona als neuer Faktor

Schwimmen fördert die Gesundheit, steht auf der Pro-Seite. Allerdings muss man zum Gesundbleiben nicht zwingend nass werden. Dennoch schwimmen macht vielen Menschen Spaß und fördert schon allein damit Wohlbefinden und Gesundheit. Hier bleibt nur wieder die Frage nach dem Ort des Vergnügens.
Neu auf der Rechnung ist Corona. In diesen unsicheren Zeiten auf lange Sicht so viel Geld zu verplanen, halten die Nein-Stimmenden für unverantwortlich. Gerade in diesen Zeiten muss die Wirtschaft angekurbelt werden, sagte der Bürgermeister in einer SVV dazu.

Kein Geld für Bildung und Freizeit

Auf die vielen anderen Aufgaben der Stadt, fehlende Radwege, fehlender Jugendclub, Zuschüsse für die Kultureinrichtungen, für Unterstützung für Kitas und Tagesmütter und andere Sporteinrichtungen weisen die für Nein-Stimmen werbenden ebenfalls hin. Während die Befürworter sagen, die wachsende Stadt brauche mit mehr Einwohnern ein Hallenbad, sagen die Gegner, es gäbe genügend Bäder in der Umgebung, beziehungsweise Pläne, welche zu bauen.
Auf der anderen Seite hat Schönwalde ein MAFZ, Wustermark Karls, ein Outlet-Center und die Döberitzer Heide, Dallgow den frisch sanierten Havelpark, Falkensee eine welkende Stadthalle, Stau in der Bahnhofstraße und ab und an kommt der Zirkus. Dass Familien, Senioren und Kinder sich nach mehr Freizeitangeboten in der eigenen Stadt sehnen ist verständlich. Und auch der Wunsch, dies möge bald geschehen.

Lange Diskussion

Denn auch darüber wird, wenn auch indirekt, abgestimmt, über ein Ende der endlosen Diskussionen um das Bad. Bevor wieder ein Jahrzehnt über den Beschluss zu einem Bad vergeht, nehmen viele doch dann das, was eben in greifbarer Entfernung liegt. Das zur Abstimmung stehende Hallenbad. 
Weitere Pro & Contra finden Sie zusammengefasst.