Am Sonntag, 15. November, sind die Einwohner der Gemeinde Dallgow-Döberitz noch einmal aufgerufen, den Gang zur Bürgermeisterwahl anzutreten. Denn von den sieben Kandidaten im ersten Wahlgang konnte der Christdemokrat Sven Richter 36,1 Prozent der Wählerstimmen für sich gewinnen, Harald Wunderlich von der Freien Wählergemeinschaft (FWG) holte 20,2 Prozent der Stimmen. Um die Stichwahl für die Einwohner zu erleichtern, stellt BRAWO die beiden Kandidaten vor.

Sven Richter seit 12 Jahren in Kommunalpolitik

Der 1972 geborene Sven Richter ist seit zwölf Jahren in der Kommunalpolitik aktiv. Der Polizist sieht in den sozialen Themen seinen Schwerpunkt. Seit 2019 ist er stellvertretender Vorsitzender des Sozialausschusses im Kreistag. In Dallgow-Döberitz möchte er das Miteinander von Jung und Alt stärken. Offenheit und Transparenz sind ihm wichtig. Er sieht Politik nicht nur als Debatte hinter verschlossenen Türen, sondern auch als zwischenmenschliche Gespräche beim Einkauf oder am Gartenzaun.
Richters Arbeitsschwerpunkt war lange Zeit auf die Jugendgruppengewalt gerichtet. Hierbei gewann er tiefe Einblicke in alle sozialen Schichten, schreibt er auf seiner Web-Seite. Richter lebt mit seiner Frau seit 2004 in Dallgow, ist Familienvater, fährt in seiner Freizeit gern Fahrrad.

Wunderlich lebt seit 1999 in Seeburg

Der 1956 in Berlin geborene Harald Wunderlich ist seit 2008 in der Kommunalpolitik tätig, zunächst als Ortsvorsteher seines Wohnortes Seeburg. Hier lebt er seit 1999, ist verheiratet und hat drei Kinder. Der Polizist im Ruhestand möchte u.a. mehr Ruhe für die Wilmsstraße, auch die Ortsdurchfahrt Seeburg ist ihm ein Anliegen. Und er möchte alle Vorhaben der Gemeinde ökologisch gestalten, sagt er. Auch er legt Wert auf Bürgernähe und Transparenz, sagt er. Er möchte Dinge modern gestalten, die es nötig haben, schreibt er und die Wohnsituation in der Gemeinde gehören zu seinen zentralen Anliegen.

Die Entscheidung liegt bei den Dallgowern

Warum sich die Dallgower für ihn als Bürgermeister entscheiden sollten, darauf antwortet Richter: „In mir haben sie einen Bürgermeister, der mit großer Gewissheit für Langfristigkeit im Amt steht.“ Wunderlich sagt, weil er jahrelange Führungs- und Verwaltungserfahrung habe. „Und dazu die kommunalpolitische Erfahrung. Ich verfüge über alles zusammen“.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Doch was unterscheidet die Bewerber voneinander? Richter sagt dazu: „Politisch lehne ich zum Beispiel eine Erhöhung der Kita-Gebühren ab. Die Freien Wähler fordern das Gegenteil.“ Wunderlich antwortet auf diese Frage: „Ich habe den Vorteil mit der FWG keiner Parteilinie folgen zu müssen. Mit den Freien Wählern habe ich nichts zu tun“.
Auf Gemeinsamkeiten antworten die Kandidaten: „Wir wollen beide eine Verkehrsentlastung, allerdings haben wir unterschiedliche Ansätze“, sagt Wunderlich. Und: „Wir fahren beide gern Fahrrad“, fügt Wunderlich hinzu. „Wir sind beide Familienväter und beide Polizisten, auch wenn Herr Wunderlich bereits im Ruhestand ist“, sagt Richter.
Und wie stehen die Kandidaten zu modernen Ansätzen? „Selbstverständlich sollten Dinge modern gestaltet werden, die es nötig haben“, steht auf der Website des Kandidaten Wunderlich. Etwas kryptisch, doch Wunderlich erklärt: „Die Abläufe in der Verwaltung modernisieren.“
Sven Richter schreibt zudem auf seiner Website. „Ich bin Pragmatiker, denn Probleme brauchen Lösungen - keine langen Diskussionen.“
Doch wie werden dann zukünftig die Meinungen in der Gemeindevertretung (GV) ausgetauscht? Eine verkleinerte Debattenkultur will Richter damit nicht anregen, sagt er. Und das will er auch so nicht verstanden wissen. „Pragmatismus läuft nicht gegen Meinungsaustausch. In der GV sehe ich die Funktion des Bürgermeisters wie die eines Dirigenten - erst die Mischung macht aus einzelnen Tönen hörbare Musik“, sagt Richter.

Bezahlbarer Wohnraum ist Wunderlich wichtig

Harald Wunderlich will für bezahlbaren Wohnraum sorgen. Wie genau, die Grundstückspreise sind hoch, könnte eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft helfen? „Nein, es gibt bereits Gebäude im Besitz der Gemeinde“, sagt er. „Die müssen nur pfleglich behandelt werden“, fügt er hinzu. Besonders die älteren und jungen Dallgower brauchen preisgünstigen Wohnraum, sagt er. Er denkt hier an Verträge mit Investoren, um günstigen Wohnraum zu schaffen.
Weiter schreibt Sven Richter, er möchte das Zusammenleben von jung und alt stärken. „Mir schwebt beispielsweise ein Gemeinschaftshaus in Dallgow vor“, sagt er und könnte sich einen ähnlichen Treffpunkt auch für Seeburg vorstellen. Und hat noch eine weitere Idee: „Mittels einer Ehrenamts-Messe soll das Miteinander über die Generationen hinweg gestärkt werden.“

Zusammenarbeit mit den Gemeindevertretern

Das wichtigste Thema für beide Kandidaten ist jedoch die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Verwaltung und der Gemeindevertretung. Entscheidungen gemeinsam tragen, ist bei beiden der Tenor.
Und wenn sie allein über ein Projekt ihrer Wahl entscheiden könnten und Geld und Zeit keine Rolle spielen würden? Richter würde die „Westtangente“ um Rohrbeck herum angehen. „Und wenn noch etwas übrig ist, ein kleines Schulhallenbad für unsere Kinder.“ Wunderlich würde auch Verkehrsprobleme lösen wollen. „Unter ökologischen Aspekten, dabei sollten dann auch E-Lade-Säulen geschaffen werden“, sagt er. Fahrradstellplätze am Bahnhof, Ausbau von Fuß- und Radwegen gehören dazu und die Verbindungen zu den umliegenden Gemeinden.
Am 15. November steht dann hoffentlich fest, wer Bürgermeister in Dallgow-Döberitz wird. Eines ist aber schon jetzt sicher: der neue Verwaltungschef war mal Berliner Polizist.