Tief brummt es unter der Motorhaube, langsam steuert der Fahrer den Dingo, ein geschütztes, militärisches Einsatzfahrzeug, auf die Kopframpe zu und weiter auf den Waggon hinauf. Ein paar Meter vor ihm steht der Einweiser auf den Waggon, winkt, gibt Handzeichen, so wie man das auch von den Lotsen auf Flughäfen kennt. Dabei darf er nicht rückwärts laufen, erklärt Presseoffizier Sven Karsten, der im Rang eines Hauptfeldwebels steht. Zentimeterarbeit, die sitzt.

Logistikbataillon aus Beelitz in Elstal

Während der Dingo aufrückt, folgt ein Führungsfahrzeug mit der Bezeichnung Eagle, ebenfalls ein geschütztes Fahrzeug sagt Karsten und erklärt, geschützt heiße, dass die Insassen des Wagens gegen Angriffe mit schweren Waffen weitgehend geschützt sind. Unter dem wachsamen Blick des Ausbilders wird auch dieses Fahrzeug in Position gebracht. Rund 50 Männer und Frauen des Logistikbataillons 172 aus Beelitz sind angetreten, um die Verladung der Fahrzeuge zu proben.

Große Fahrzeuge auf Waggons verladen

Die Bundeswehr übte am Mittwoch die Truppenverladung über eine mobile Verladeeinrichtung. Verschiedene militärische Fahrzeuge wurden auf Waggons und damit auf die Schiene verladen, am RLC Wustermark, dem größten privat geführten öffentlichen Bahnhof für den Güterverkehr in Deutschland.

Rail & Logistik Center Wustermark

Alexander Kulik, einer der beiden Geschäftsführer des Rail & Logistik Center Wustermark (RLC) sagt, er habe testen wollen, inwieweit die logistische Zusammenarbeit mit der Bundeswehr möglich sei. „Wir würden uns hier am Rangierbahnhof gern des Öfteren für solche Übungen zur Verfügung stellen“, sagt Kulik.

Verlademöglichkeiten auf Schiene selten

Dafür müssten natürlich die finanziellen Mittel bereitgestellt werden, sagt Presseoffizier Karsten, der sich weitere Übungen am Standort durchaus vorstellen könnte. Denn die Möglichkeiten, die Verladung von schwerem Gerät auf die Schiene zu üben, gebe es kaum. In Brandenburg fälle ihm kein vergleichbarer Bahnhof ein.
Geübt werden muss die Verladung, die auf den Zentimeter genau sein muss. Und nicht nur das. Zuletzt fährt der sogenannte Multi auf, ein 35 Tonnen schweres Containerfahrzeug mit Container. Auf dem Waggon wird der Container abgeladen, denn zusammen dürfen sie nicht transportiert werden. So findet der Container binnen weniger Minuten seinen Platz hinter dem Fahrzeug.

Fahrzeug muss gesichert werden

Von fertig kann aber noch keine Rede sein, denn das Fahrzeug wird noch gesichert. Dafür muss es auf Keile auffahren. Zur Erinnerung, das riesige Fahrzeug steht noch immer auf dem Waggon. „Der Trick ist, die Keile richtig zu platzieren“, ruft der kommandierende Offizier. Und erklärt auch gleich, wie das zu bewerkstelligen ist.

60 Tonnen Panzer auf einem Waggon

Zum Schluss werden wir Zeuge, wie ein 60 Tonnen schwerer Bergepanzer über eine mobile Rampe auf einen Wagon auffährt. Die Rampe haben vier Soldaten vorher aufgebaut. Zwei Stunden haben sie dafür gebraucht. Auch hier muss der militärische Kraftfahrer hinter dem Steuer viel Fingerspitzengefühl mitbringen. Sollte etwas schief gehen, sei allerdings der Einweiser Schuld, der trägt die Verantwortung, erklärt Karsten.

Militär selten auf der Straße zu sehen

Der Panzer kam übrigens nicht über die Straßen nach Elstal. Karsten sieht dies auch kritisch, „Man müsste die Leute erst mal an den Anblick der Militärfahrzeuge heranführen“, sagt er. Denn es gibt nur selten Militärfahrzeuge auf den Straßen und in den Städten zu sehen. Im Havelland selbst ist auch kein Militär mehr stationiert. Auch nicht in Elstal, einem der Orte im Landkreis, die auf eine lange militärische Tradition zurückblicken. Die Eisenbahnersiedlung Elstal hat ein historisches Erbe auf Schienen und eine militärische Vergangenheit.

300 Jahre militärische Tradition in Elstal

Die letzte Truppenverladung fand hier 1992 statt, als die „Rote Armee“ abzog. Das Olympische Dorf, mit der an den Spielen von 1936 anschließenden militärischen Vergangenheit, die Löwen-Adler-Kasernen auf der anderen Seite der Bundesstraße 5, der Truppenübungsplatz Döberitzer Heide, überall sind die Spuren einer rund dreihundertjährigen militärischen Vergangenheit sichtbar.
Bereits Friedrich I. ließ über das Gelände exerzieren, im September 1753 fand hier ein beeindruckendes Manöver mit 44.000 Soldaten statt. 1895 wurde aus dem rund 4.400 Hektar umfassenden Areal ein Truppenübungsplatz. Im Nordwesten des Geländes entstand 1910 die erste Militärfliegerschule Preußens. Heute ist die Nutzung vieler dieser Flächen weitgehend friedlich. In Karls Erlebnisdorf toben Kinder aus der gesamten Bundesrepublik und im Olympischen Dorf fahren die ersten Umzugswagen vor. Einen großen Teil der Fläche hat die Sielmann-Stiftung übernommen, pflegt die Natur und den Artenschutz auf dem Areal.