In mehr als zwanzig Brandenburger Städten war am Montag, 13. Dezember 2021, zum Protest gegen die Pandemie-Bestimmungen aufgerufen worden. Auch in Falkensee trafen sich sogenannte Spaziergänger mit Fackeln, Trillerpfeifen und Plakaten. Nicht zum ersten Mal. Diesmal rief auch ein Bündnis aus Stadtverordneten, dem Jugendforum, der Willkommensinitiative und dem Bündnis gegen Rechts zu einer Gegendemonstration auf.

Polizei trennt Demonstranten und Gegendemonstranten

Der ursprüngliche Treffpunkt der Gegendemonstranten am Kreisverkehr an der Bahnhofstraße musste wegen Sicherheitsbedenken der Polizei verlegt werden. Man traf sich vor der alten Stadthalle. Ein direktes Zusammentreffen mit den „Spaziergängern“ verhinderte die Polizei, die beide Gruppen strikt voneinander trennte. Der Spaziergang hatte am Rathaus seinen Anfang genommen und zog, begleitet von Trillerpfeifen und Protestrufen, über die Bahnhofstraße.
Demonstranten beider Richtungen waren am 13. Dezember in Falkensee auf der Bahnhofstraße unterwegs, die Polizei achtete auf strikte Trennung. Diese Demonstranten sind gegen eine "Hygiene-Diktatur" und wollen die Menschenrechte mit Spaziergängen wahren.
Demonstranten beider Richtungen waren am 13. Dezember in Falkensee auf der Bahnhofstraße unterwegs, die Polizei achtete auf strikte Trennung. Diese Demonstranten sind gegen eine „Hygiene-Diktatur“ und wollen die Menschenrechte mit Spaziergängen wahren.
© Foto: Silvia Passow

Fast 500 Querdenker ziehen durch Falkensee

Während in den Krankenhäusern der Region am Virus erkrankte Menschen um ihr Leben kämpfen, medizinisches und pflegerisches Personal seit Wochen am Limit arbeitet, nehmen die Proteste gegen die Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung Fahrt auf. Auch in der Falkenseer Bahnhofstraße wird der vermeintliche Verlust der Menschenrechte wortreich und auf Transparenten beklagt.
Auf der anderen Seite vor der alten Stadthalle wird mit Plakaten den Pflegekräften gedankt, zu Impfung und Solidarität aufgerufen. Die etwa 100 Gegendemonstranten tragen Mund-Nase-Bedeckung, die rund 470 Teilnehmer des Spazierganges verzichten mehrheitlich darauf. Die Polizei muss nicht einschreiten, alles bleibt friedlich. Vor der Stadthalle stehen die einen, halten stumm ihre Plakate in die Höhe, auf der anderen Straßenseite ziehen trommelnd, pfeifend und rufend die Spaziergänger vorbei.

Spaziergänger reagieren abweisend auf Fragen

Einige der Gegendemonstranten hatten zuvor erklärt, sie hätten gern die Spaziergänger gefragt, ob sie wissen, mit wem sie da spazieren gehen. Denn dass diese Spaziergänge allzu oft von demokratiefeindlichen und rechtsextremen Kräften begleitet werden, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Doch direkte Kontakte werden von der Polizei nicht zugelassen. Tatsächlich gesprächig erscheinen die Spaziergänger auch nicht. Auf Fragen regieren die meisten abweisend, manche werden dabei sehr deutlich, andere ignorieren die Frage schlicht. Die Theorie der Gegendemonstranten, nach der viele aus Berlin angereiste Spaziergänger dabei sein sollen, lässt sich nicht untermauern, aber auch nicht entkräften.

Corona-Maßnahmen würden zu weit gehen

Am Ende lässt sich Harry aus Brieselang auf ein Gespräch ein. Vorsichtshalber, sagt er, setzt er dazu die Maske auf. Schließlich wisse er nicht, ob sein Gegenüber geimpft sei. Er erklärt, er sei geimpft. Ihm gingen die Maßnahmen zu weit, sagt er, was er besonders auf der Arbeit erlebe, eine Spaltung unter den Kollegen. Dann muss er weiter, bevor er den Anschluss verliert.  

Gegendemo auch kommenden Montag geplant

Vor der Stadthalle bleiben die Gegendemonstranten zurück. Ruhe liegt über dem Platz. Mit so vielen Spaziergängern hatte hier kaum einer gerechnet. Aufgeben wollen sie nicht, es werden die ersten Verabredungen getroffen. Mit Gegenwind werden die Spaziergänger weiterhin rechnen müssen. Auch am kommenden Montag soll es wieder eine Mahnwache geben.
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