Um kurz nach 9.00 Uhr am Montagmorgen wurde die begehrte Ware geliefert. Rund 100 Impfdosen des neuen Anti-Corona-Produkts der Firma Biontech trafen in Nauen am Seniorenpflegezentrum in der Ketziner Straße ein. Nicht nur Jörg Grigoleit, Geschäftsführer der Havelland-Kliniken-Unternehmensgruppe und Burkhard Krüger, Geschäftsführer der Wohn- und Pflegezentrum Havelland GmbH, zeigten sich erleichtert.

Gesundheitsministerin zu Gast in Nauen

Auch die brandenburgische Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) freute sich über den Impfstart in ihrem Heimatlandkreis. Es sei nicht einfach gewesen, eine solche Aktion über die Feiertage zu organisieren, lobte die Ministerin. Dazu gehörte auch die Aufklärung der Bewohner und Mitarbeiter, das Einholen der Einverständnisse, gegebenenfalls auch von den Angehörigen der zu Pflegenden. Das sei hier in Nauen alles schon vorbereitet gewesen. Zudem haben die Kliniken das fachkundige Personal gestellt.

Zweite Impfung nach 21 Tagen

Der Impfstoff muss, wenn er geliefert wurde, noch vor Ort aufbereitet werden. Das haben die hauseigenen Apotheker übernommen. Ist der Impfstoff einmal mit steriler Kochsalzlösung rekonstruiert, kann (und muss) er gespritzt werden, da er dann nicht mehr transportfähig ist. Die RNA im Impfstoff ist so empfindlich, dass auch die Kanülen nicht zu dünn sein dürfen, um diese nicht zu beschädigen. Nach 21 Tagen muss eine zweite Impfung erfolgen, um den Impfschutz sicher herzustellen.

Zweite Dosis wird vorgehalten

In der ersten Runde hat das Land Brandenburg zunächst 9.750 Impfdosen erhalten. Etwa 100 davon wurden am Montag in Nauen gespritzt. Das Gesundheitsministerium teilt die Impfdosen so ein, dass auch für jeden Geimpften die zweite Dosis vorgehalten wird. Es können also aus dieser ersten Zuteilung 4.875 Menschen geimpft werden. Ursula Nonnemacher rechnet damit, dass bereits Anfang Januar ein weiterer Impfstoff - der der Firma Moderna - in der EU zugelassen wird. Dieser ist etwas weniger empfindlich, was Transport und Lagerung angeht. Anfang Januar gehen dann auch die ersten Impfzentren in Potsdam und Cottbus an den Start.

Nicht leichtsinnig werden

Nonnemacher warnte jedoch davor, jetzt leichtsinnig zu werden. Die Impfung sei zwar ein Grund zur Hoffnung, aber man sei noch mitten drin in der zweiten Welle. „Ski fahren ist nicht“, so die Gesundheitsministerin. Es werde noch Monate dauern, bis die Impfungen wirken und eine sogenannte „Herdenimmunität“ erreicht sein wird. Bis dahin gelte weiterhin Abstand halten und Maske tragen.

Keine Bewohner, aber ein Mitarbeiter verstorben

Rund 600 Bewohner und 400 Mitarbeiter hat die Wohn- und Pflegezentrum Havelland GmbH, die zur Unternehmensgruppe der Havelland-Kliniken gehört. Neben dem Seniorenpflegezentrum in Nauen gehören auch Einrichtungen in Premnitz und Rathenow dazu. Nauen wurde nun als erste Einrichtung für die Corona-Impfung ausgewählt. Die Logistik und auch die Personalsituation konnte durch das nahe Klinikum gelöst werden.
Geschäftsführer Burkhard Krüger zeigte sich erleichtert über den Impfstart. Man habe zwar in den vergangenen Monaten keine Bewohner aufgrund von Corona verloren, aber ein Mitarbeiter sei daran verstorben. Krüger hofft auf ein wenig Normalität, wenn alle durchgeimpft sind.
Dr. Martin Stockburger, Chefarzt im Nauener Klinikum und Facharzt für Innere Medizin, berichtete, dass die Impfung ohne Probleme angelaufen wäre. Ein Team habe im Erdgeschoss die Mitarbeiter geimpft. Ein zweites ging von Zimmer zu Zimmer und impfte die Bewohner der Einrichtung. Erste Rückmeldungen waren einheitlich: „War ja gar nicht so schlimm“.
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