Statt auf dem Trainingsplatz ihre Runden zu drehen, sitzen derzeit 20 Soldaten und Soldatinnen in Falkensee und Rathenow, um das havelländische Gesundheitsamt zu unterstützen. „Eine sehr wertvolle Hilfe“, sagt Landrat Roger Lewandowski (CDU).

Einsatz wird noch eine Weile dauern

Was wie der pure Luxus im Soldatenleben klingt, ist in Wirklichkeit eine belastende Aufgabe, die ganz schön aufs Gemüt schlagen kann. Denn: „In diesen Uniformen stecken auch Menschen mit Familien“, wie Zugführer Sebastian Riedl erklärt. Manche dieser Telefonate berühren die Frauen und Männer, die hier mit zivilen Aufgaben betraut sind. Kürzlich dankte der Landrat den Uniformierten für ihren Einsatz, der sich voraussichtlich noch eine Weile hinziehen wird.

Soldaten verfolgen Infektionsketten

Neben Riedl war auch Oberst Olaf Detlefsen, Kommandeur im Landeskommando Brandenburg, zu Gast in der Volkshochschule in Falkensee. Dort sitzen derzeit 15 Soldaten/innen, weitere fünf sind in Rathenow im Einsatz. Sie verfolgen die Infektionsketten, rufen Menschen an, die mit Corona-Infizierten in Kontakt waren und überbringen Informationen des Gesundheitsamtes. Sie selbst geben keine Weisungen.

Rund 1.000 Telefonate am Tag

51 Mitarbeiter hat das Gesundheitsamt Havelland, 40 weitere Mitarbeiter wurden aus anderen Bereichen abgezogen und unterstützen nun bei der Nachverfolgung der Infektionsketten. Aber auch das reiche nun nicht mehr, so der Landrat. Rund 1.000 Telefonate am Tag und nicht jedes ist schnell erledigt. „Das ist eine besondere Situation“, sagt der Landrat. „Allein kamen wir damit nicht mehr zurecht und haben deshalb Unterstützung von der Bundeswehr angefordert“, fügt er hinzu und zeigt sich zufrieden.
„Sie machen ganz tolle Arbeit“, sagt er an die anwesenden Militärvertreter gerichtet. Weitere acht Soldaten/innen sind zur Unterstützung angefordert. Denn die Landesregierung hat beschlossen, dass die Einsätze fortgeführt werden können.

250 Soldaten unterstützen brandenburgische Gesundheitsämter

250 Soldaten und Soldatinnen sind derzeit in den 18 Landkreisen und kreisfreien Städten Brandenburgs im Einsatz. Die meisten von ihnen kommen auch aus Brandenburg, 70 aus anderen Bundesländern. Sie kommen aus Beelitz, Prenzlau, Berlin und Neu-Brandenburg und sie sehen ihre Arbeit als Dienst an der Bevölkerung an, sagt Detlefsen. „Wir kommen nur dann, wenn die zivilen Mittel erschöpft sind“, fügt er hinzu.

Einsatz auch gegen Schweinepest

Detlefsen wird immer dann gerufen, wenn es brenzlig wird. Krisen und Katastrophen bewältigen ist seine Mission. Neben Corona hat er noch die Afrikanische Schweinepest zu bewältigen. Auch hier helfen Soldaten, laufen die Wälder in den entsprechenden Regionen ab, auf der Suche nach verendeten Wildschweinen.

Alle wurden gut eingearbeitet

Sebastian Riedl ist der Mann vor Ort. Neben den Soldaten in Falkensee, ist er für 15 weitere Soldaten in Potsdam zuständig. Er lobt die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes, diese hätten die Soldaten sehr gut in die Arbeit eingewiesen. Niemand wurde ins kalte Wasser geworfen, sagt er und fügt hinzu, dass ihm dies bei der Bundeswehr ohnehin nie widerfahren ist. Wer diesen Einsatz nicht wolle, können auch ablehnen. Denn die psychische Belastung sei nicht zu unterschätzen, fügt er hinzu.

Einfach Auflegen kommt nicht in Frage

„Da wissen manche Leute nicht, wie sie ihre Quarantäne ihrem Chef erklären sollen“, beschreibt Riedl die Situation. Oder Mütter mit Kind und Hund und der Frage, wie weiter? Ältere Menschen, die sich vor Einsamkeit fürchten. So manches dieser Telefonate dauert dann eben, manchmal sogar eine Stunde. Denn einfach auflegen, kommt hier für niemanden in Frage.
„Empathie muss man schon mitbringen“, sagt Riedl. Mit Corona-Leugnern oder ausfällig werdenden Mitmenschen hätten sie wenig zu tun. „Wir setzen uns sachlich mit den Leuten auseinander“, sagt er über die Momente, in denen der Anruf nicht willkommen ist. „Die Leute, die hier sind, die wollen auch hier sein und ihren Beitrag leisten.“
4.800 Soldaten sind bundesweit mit der Unterstützung der Gesundheitsämter betraut. Detlefsen versichert, solange die Hilfsleistung gebraucht wird, wird sie auch von Seiten der Bundeswehr erfolgen.
Mehr zu Corona und den Folgen in Brandenburg und Berlin gibt es auf unserer Themenseite.