Es ist kein Zufall, dass der Waldlehrpfad in der Epoche vor 90 Jahren eingerichtet wurde. Berlin wuchs und der urbane Mensch fuhr zur Erholung gern ins Grüne, in das Berliner Umland. Diese Ausflüge sollten nicht nur dem Luftholen vom Alltag dienen, mit dem Lehrpfad sollte auch das Naturverständnis des Städters geweckt werden. Der Mensch schützt, was er kennt.
Im Wald zwischen Falkensee und Brieselang, dem Bredower Forst, wurde der Gedanke vor allen von Carl Zimmer vorangetrieben. Zimmer (1873-1950) war Direktor des Zoologischen Museums der Friedrich-Wilhelm-Universität, die man heute unter dem Namen Humboldt-Universität kennt. In einer vor zehn Jahren erschienen Schrift von Luise Klann und Volker Kummer kann man mehr zur Geschichte und den Hintergründen zur Gründung dieses ersten Naturpfades nachlesen. So auch, dass die Idee für diese Art eines Freilichtmuseums aus den USA kommt. Auch das Gebiet, das für den ersten Naturpfad ersonnen war, sollte ursprünglich ein anderes sein, haben die beiden Autoren recherchiert. Klann schrieb 2010 ihre Bachelorarbeit zur Geschichte des Naturpfades.
Der 1930 eingeweihte Naturpfad war zunächst ein voller Erfolg, wurde regelmäßig besucht und liebevoll gepflegt. Der zweite Weltkrieg, wie auch die Jahre zuvor, ließen keinen Raum für Naturschutz. Der Naturpfad geriet in Vergessenheit. Nachkriegszeit, deutsche Teilung - die Menschen haben anders zu tun, als sich um einen Waldlehrpfad zu kümmern.
1961 wird der Bredower Forst zum Naturschutzgebiet ernannt und rückt nun wieder in das Blickfeld der Naturschützer. Klann und Kummer schreiben: "Vor allem die älteren Falkenseer wünschten sich den Naturlehrpfad zurück, sie kannten ihn noch und der Lehrpfad war berühmt." Dem Kreisnaturschutzbeauftragten im Kreis Nauen, Gerhard Zimmermann (1911-1999) soll die Wiederbelebung des Naturpfades maßgeblich zu verdanken sein. Zimmermann gelang es, mit Hilfe ehrenamtlicher Naturfreunde den Pfad wieder aufzubauen.
Ehrenamtliche Naturschützer haben sich bis heute um den Bredower Forst verdient gemacht. Einer von ihnen ist Klaus Pierow, der Informationen rund um Forst und Naturpfad gesammelt und im Netz der Allgemeinheit zugänglich gemacht hat. Allerdings ist die Homepage www.Deutschlands-ersterNaturpfad.info nicht mehr ganz aktuell. Pierow sucht dringend einen Nachfolger.
Der 80. Geburtstag vor zehn Jahren wurde gefeiert, in diesem Jahr fielen die geplanten Veranstaltungen zum Geburtstag Corona bedingt aus, sagt Revierleiter Volker Kademann von der Oberförsterei Brieselang. Erkunden lässt sich der Naturpfad sehr gut auf eigene Faust.
Den rund zwei Kilometer langen Naturpfad kann man zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden. Ein urzeitlich anmutender Wald, mit Bäumen, deren Stämme dick und kräftig sind, mit herber rauer Rinde, deren Kronen weithin in satten hell- bis dunkelgrün, leuchten. Im Frühling lockt der würzige Duft des kaukasischen Bärlauchs, bald danach liegt das liebliche Bukett der Maiglöckchen in der kühlen Luft. Vögel zwitschern, singen, rascheln im Laub, hier huscht eine Maus über den Weg, hoch oben sitzt der Eichelhäher und ruft. Der weiche Waldboden nimmt jeden Schritt federnd auf.
An 16 Stationen informieren Tafeln über das Leben im Wald. Dabei stellen sie nicht einfach nur einen Baum vor, sie erklären die Landschaft, wie an Station zwei "Nacheiszeitliche Dünenkante", erzählen etwas über die Frühlingsblüher oder wem die Früchte der Haselnussbüsche besonders gut schmecken. Auf dem Schneewittchenberge steht ein Gedenkstein. Dieser zauberhafte Ort lädt zum Träumen ein, da kann die Fantasie schon mal wie eine Waldfee über Wurzeln purzeln.
Zum Bredower Forst führen mehrere Zugänge vom Ortsteil Finkenkrug. Über die Brücke am Forstweg oder die Brandenburgische Straße zum Beispiel lässt sich der Forst erobern. Aus Brieselang führt der Forstweg, vorbei am Forsthaus der Oberförsterei Brieselang, Richtung Falkensee, zum Naturpfad.