Kürzlich versuchten die Besucher der Veranstaltung dieser Frage im Weltladen in Falkensee auf den Grund zu gehen. Vorab referierte Nico Scuteri, vom Mobilen Beratungsteam Potsdam, über die Frage wie Rechtspopulismus überhaupt entsteht. Ursachen, Wirkung, wen spricht der Rechtspopulismus an und warum? Besonders ältere Menschen, Männer, sechzig Jahre und älter macht Scuteri hier aus. Menschen, die wollen, dass alles bleibt, wie es ist, am Hergebrachten festhalten und nicht zukunftsorientiert sind. Die Angst vor dem Fremden, dem „Anderen“ haben, sagt er. Er beruft sich hier auf eine Studie der Bertelsmann Stiftung mit dem Thema „Gesellschaftlicher Zusammenhalt“. Eine Zahl gibt hier den Teilnehmern besonders zu denken.
Die Frage lautete, wie hoch ihr Vertrauen bei einer ersten Begegnung sei. 51 Prozent der befragten Brandenburger gaben hier wenig, bis gar nicht an. 42 Prozent teils/teils. Weniger Vertrauen in ihre bis dato unbekannten Mitmenschen haben nur noch die Befragten in Mecklenburg-Vorpommern, die mit 54 Prozent wenig oder gar kein Vertrauen haben. Zum Vergleich, der Bundesdurchschnitt lag bei dieser Frage bei 40 Prozent. Die komplette Studie vom Dezember 2017 kann unter www.bertelsmann-stiftung.de eingesehen werden. Die Vertrauensfrage ließ dann auch viel Raum für die anschließenden Diskussionen.
Wut auf die Eliten macht Scuteri als Faktor aus und er stellt klar, dass nicht die Niedrigverdiener rechtspopulistische Parteien wählen. Gerade die AfD wird, seinen Angaben zu Folge, ähnlich wie FDP und Grüne, von Besserverdienenden gewählt.
Der eher überschaubare Teilnehmerkreis diskutiert lange und intensiv. Wenn auf Demonstrationen gerufen wird: „Ertrinken lassen“, dann stimmt das zu recht nachdenklich. Oder, wie ein Teilnehmer es formuliert: „Aus besorgten Bürgern, besorgniserregende Bürger werden.“
„Wir wollen doch einfach nur solidarisch, menschlich sein“, sagt Harald Petzold (Die Linke), ebenfalls an dem Abend zu Gast. Von Beruf Lehrer, sieht Petzold einen Mangel bei der Politischen Bildung in den Schulen. Dabei wird er von einem der jüngeren Teilnehmer unterstützt. Für andere Teilnehmer wäre das Reden mit den Nachbarn wichtig, Gemeinsamkeiten finden. Reden, so stellen aber auch einige fest, ist gar nicht so leicht in Zeiten, in denen die Antworten immer komplizierter werden. Gleichgesinnte suchen und finden, mit Haltung für weniger Wut und mehr Respekt eintreten, das wäre für viele der Teilnehmer des Abends ein Anfang.