Die rund zwanzig Schüler der Klassenstufe 11 hatten sich im Geschichtsleistungskurs mit Kursleiter Jörg Stahnisch gut mit Fragen auf das Treffen mit dem russischen Botschaftsangehörigen vorbereitet. Ilya Matveev (Jahrgang 1983) antwortete in sehr gutem Deutsch, ohne viel ideologische Phrasen und zeigte bereitwillig seine Sicht auf das die Ereignisse im zweiten Weltkrieg und seine heutige, junge Einstellung zu den Deutschen: "Deutschland ist das Land der hoch qualifizierten Fachkräfte und der schönen Autos."
Er lobte die freundlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern, die auch viel mit den Freundschaften der einfachen Menschen beider Nationen zu tun haben. Mit Erstaunen reagierten die jugendlichen Diskutanten auf die Antwort des Diplomaten auf die Frage nach dem Ansehen von Stalin in der Russischen Förderation: " In Umfragen steht Stalin heute noch auf dem ersten Platz in der Popularität!"
Moderator Raimond Heydt wollte von dem Attaché wissen, wie es um die Demokratie heute in Russland bestellt ist. Doch auch diese Frage brachte Ilya Matveev nicht aus dem Konzept: "Manchmal kann die Kritik aus dem Westen sehr positiv wirken. Meistens läuft es hinterher in Russland besser."
Gemeinsam mit dem Gast aus Berlin legte Raimond Heydt nach einer Gedenkdemonstration in Nauen unter dem Motto "Gegen Krieg - gegen Vergessen" am russischen Ehrenmal auf dem Städtischen Friedhof einen Kranz nieder.
Auch Bürgermeister Detlef Fleischmann und Susanne Schwanke-Lück, Vorsitzende der Linken-Fraktion in Nauen ehrten mit Blumen die Gefallenen des Weltkrieges. Harald Petzold, Falkenseer Kreistagsabgeordneter der Linken, kam direkt von der Gedenkveranstaltung zum 8. Mai aus Dallgow. Er findet es traurig, dass das Dallgower Ehrenmal im letzten Jahr Ziel von Farbschmierereien geworden ist, deren Urheber bis heute nicht gefasst wurden.
Der Initiator der Nauener Gedenkveranstaltung zum 68. Jahrestag der Befreiung vom Hitler-Faschismus, Raimond Heydt, sieht allerdings noch eine Menge Handlungsbedarf, um auch die jetzige "Urenkelgeneration" , die Jugendlichen davon zu überzeugen, dass der Slogan "Nie wieder Krieg" nur durch die Erinnerung an den letzten Weltkrieg seine Bedeutung behält.