Ein Ast, der über den Zaun ragt, der krähende Hahn oder eine missverstandene Geste und schon herrscht Funkstille am Gartenzaun. Wenn in Nauen der Haussegen schief hängt, dann sind die Schiedsfrauen Marlis Müller und Mareen Haertlé Ansprechpartner Nummer 1.

Fälle sonst vor Gericht

Marlis Müller ist vielen Nauenern noch aus der Zeit, in der sie als Gynäkologin tätig war bekannt. Nun im Ruhestand schlichtet sie Konflikte, die sonst vor Gericht landen würden. „Ich mache meine ehrenamtliche Tätigkeit wirklich gerne“, erzählt sie und lacht. Immerhin sei sie ja schon ein paar Jahre in dieser Position. „Das Amt als Schiedsperson begleite ich mittlerweile seit 2015“, erklärt Müller stolz. Schon so einige Fälle habe sie glücklicherweise zum Guten wenden können.
Ihre Kollegin Mareen Haertlé stammt ursprünglich aus Wismar, lebt aber schon seit 17 Jahren in Nauen. Am 30. Januar wurde sie von der Direktorin des Amtsgerichts, Claudia Cerreto, als zweite Schiedsperson ins Amt berufen. Die Zahl der tätigen Schiedspersonen ist dabei abhängig von der Einwohnerzahl einer Kommune.

Gründe für Streit sind vielfältig

Gemeinsam versuchen die Frauen zu helfen, wo sie können und zerstrittenen Nachbarn den Gang zum Gericht zu ersparen. Gründe für solche Schlichtungen können zum Beispiel auch Delikte wie Beleidigung, Körperverletzung, Sachbeschädigung oder Hausfriedensbruch sowie Bedrohung und Verletzung des Briefgeheimnisses sein. „Im Prinzip versuchen wir vor allem private Fehden zu schlichten“, erklärtRechtspflegerin Haertlé.
Ziel sei es letztendlich, die Gerichte bei solchen „kleineren Delikten“ zu entlasten und eine einvernehmliche Lösung zu finden.

Gute Teamarbeit

„Gleichzeitig sind wir auch um einiges billiger als ein Verfahren vor Gericht“, sagt sie. „Auch Anwaltskanzleien sind oft froh, dass sie sich mit solchen Fällen nicht auseinandersetzen müssen, da es sich oft ‚nur’ um Bagatelle handelt“, weiß Haertlé zu berichten. Genau deswegen seien Schiedsstellen geschaffen worden.
„Wir sind ein gutes Team“, berichtet Marlis Müller und sagt weiter: „Seit Frau Haertlé ihre Tätigkeit als Schiedsfrau aufgenommen hat, haben wir hier richtig viel zu tun. Zudem ist von großem Vorteil, dass sie durch ihren Beruf eine enorme Rechtskenntnis besitzt.“ Es werde effektiv und in kürzester Zeit bearbeitet.

Schlichten nicht richten

Mareen Haertlé ergänzt: „Wer die Rechtslage kennt, kann damit auch schnell etwas ‚vom Eis’ holen, da das öffentliche Leben durch eine eindeutige Rechtslage geregelt wird. Dies gilt auch für den nachbarschaftlichen Umgang, wo Befindlichkeiten einfach keinen Platz haben – Beispiel Kinderlärm auf einem Spielplatz.“
Wichtig sei jedoch: es werde geschlichtet, nicht gerichtet. Es wird also kein Urteil gesprochen, sondern ein Vergleich erzielt, mit dem beide Parteien einverstanden sind.“ Dieser Vergleich ist dann 30 Jahre gültig“, so die Rechtspflegerin Haertlé.

Ehrenamt von Stadt Nauen gewürdigt

Das Engagement der beiden Frauen würdigte in der vergangenen Woche nun Bürgermeister Manuel Meger (LWN): „Sie tun viel Gutes für unsere Gesellschaft.“ Meger sagte weiter, das Ehrenamt erfordere für die Gemeinschaft besondere Menschenkenntnis, Kommunikationsfähigkeit, Unvoreingenommenheit sowie Neutralität und sei wichtig, um zwischen Streitenden zu vermitteln und eine Lösung zu finden. „Die Seminare, die sie zur Ausübung ihrer Tätigkeiten belegen müssen, finden an den Wochenenden statt – also in ihrer Freizeit. Frau Müller und Frau Haertlé leben das Motto „Schlichten statt Richten“ auf ganz praktische Weise“, lobte der Bürgermeister.

2020 schon elf Fälle gelöst

Andrea Wegner von der Nauener Stadtverwaltung arbeitet eng mit den Schiedsfrauen zusammen und ist gleichermaßen Ansprechpartnerin der Stadt für die Schiedsfrauen. „Das Schlichten gelingt den Damen in diesem Jahr nahezu allen Fällen, aktuell sind es elf“, erläutert Wegner das Engagement.
Sprechstunde der Schiedsfrauen ist jeden 2. und 4. Donnerstag im Monat von 15.30 bis 17 Uhr im Beratungsraum des Rathauses (Erdgeschoss).
Während der Corona-Lage empfiehlt sich aber, in dieser Sprechstundenzeit telefonisch unter der Rufnummer 03321 – 408-123 den Kontakt aufzunehmen. Außerhalb der Sprechzeiten kann man Frau Müller und Frau Haertlé unter der E- Mail-Adresse schiedsstelle@nauen.de erreichen.