Im Olympischen Dorf in Elstal stehen die Bagger kaum still, Kräne ragen in den Himmel, es wird gehämmert, gegraben und gepflastert. Insgesamt 365 Wohnungen will der Investor, die „terraplan“ Baudenkmalsanierungsgesellschaft mbH aus Nürnberg, hier errichten.

Erste Mieter ziehen in Townhouses

Vor mehr als drei Jahren wurde mit der Sanierung im Speisehaus der Nationen begonnen. In dem historischen Gebäude entstehen über 100 Wohnungen. Die Gebäude auf dem weitläufigen Areal sollen zum Teil ebenfalls saniert werden.
Dazu kommen Neubauten, wie die sogenannten Townhouses: ein Haus mit sieben Wohneinheiten. Jede hat ihre eigene Haustür und erstreckt sich über drei Etagen. Eine Terrasse führt in den Garten, man könnte auch sagen, eine Haus-im-Haus-Variante, ähnlich einem Reihenhaus. Zum 1. Oktober ziehen hier die neuen Mieter ein, Sedat Payau und Özlem Celik waren die ersten, die ihren Hausschlüssel für eines dieser Townhouses entgegennahmen.

Von Wusterhausen nach Wustermark

Das Paar aus Wusterhausen (Ostprignitz/Ruppin) hat drei Kinder, zwei Mädchen, einen Jungen im Alter zwischen zwei und sechs Jahren. Der Familienvater betreibt zwei Friseursalons, einen davon in Nauen. Der bisher 45-minütige Arbeitsweg reduziert sich für ihn auf sieben Minuten, wie er erzählt.

Zwei Jahre Wohnungssuche

Das Paar hatte eine schöne Umgebung für die Kinder gesucht. Dabei mussten sie einen langen Atem beweisen. „Zwei Jahre habe ich gesucht“, sagt Celik und erklärt, für kinderlose Paare wäre es nach ihren dabei gewonnen Eindrücken sehr viel leichter, an eine Wohnung zu kommen. „Als dann aus Wustermark die Zusage kam, bin ich vor Freude in die Luft gesprungen“, sagt sie.
In den fünf Zimmern wird jedes Familienmitglied Platz finden. In Gedanken richtet sie die neue Heimat bereits ein. Draußen würde sie gern ein paar Kräuter anpflanzen. Die älteste Tochter Esra spurtet bereits die Treppe hinauf und möchte ihr zukünftiges Zimmer in Augenschein nehmen.

Zimmer-Aufteilung mache Häuser attraktiv

Im Erdgeschoss befinden sich Küche und Wohnzimmer, in der ersten Etage gibt es zwei Zimmer und ein Bad, eine Etage höher noch mal zwei Zimmer und ein Badezimmer. Die Aufteilung mache die Häuser auch für Wohngemeinschaften attraktiv, sagt Anja Reinsperger, Vermietungsmaklerin für „terraplan“. Und Arbeitszimmer würden, durch Corona befördert, gerade stark nachgefragt, fügt sie hinzu.
10 Euro Kaltmiete ist die Einstiegsmiete, erklärt Reinsperger. Mit der Vermarktung zeigt sie sich sehr zufrieden. Und auch mit der Bauzeit, ein halbes Jahr früher als geplant sei man fertig geworden. Im Oktober soll es dann Besichtigungsmöglichkeiten für Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen im sogenannten Grünen Ring, dem Außenring am Dorf geben. Die Wohnungen sollen März/April kommenden Jahres bezugsfertig sein.

Bevölkerungszuwachs für Elstal

Mit den Bewohnern im Olympischen Dorf wird Elstal einen ordentlichen Wachstumsschub bei den Bevölkerungszahlen erleben. 4.551 Elstaler sind es aktuell. Ortsvorsteher Oliver Kreuels empfiehlt dem Paar, sich rasch um einen Kita-Platz zu kümmern. Die Anmeldung in die Grundschule hat Özlem Celik bereits in Angriff genommen. Dem Junior der Familie legt der Ortsvorsteher gleich den Fußballverein nahe. Getreu dem Motto: Man kann nie früh genug beginnen, den Nachwuchs für sich zu gewinnen.

Häuser tragen olympische Namen

Die neuen Mieter bewohnen ab Oktober dann das Haus Rio de Janeiro. In der Nachbarschaft liegt London, zumindest ein Haus, das diesen Namen trägt. In den Namen der Häuser spiegelt sich der Olympische Gedanke. Sie sind alle benannt nach Orten, in den schon einmal eine Olympiade ausgetragen wurde.

Medaille und goldener Schlüssel

Weil sie selbst quasi auch als erste durchs Ziel gelaufen sind, als erste Mieter, erhalten sie von Gerhard Trubel, Mitarbeiter bei „terraplan“ eine Goldmedaille. Ortsvorsteher Kreuels hat Blumen dabei und von Bürgermeister Holger Schreiber (parteilos) gibt es zur Begrüßung ein Buch mit der Geschichte des historischen Ortes, der fortan die Heimat für die fünfköpfige Familie sein wird. Zum symbolischen goldenen Schlüssel gibt es auch noch den echten.