Regionale Produkte haben es schwer, obwohl sie Wertschöpfung vor Ort generieren. So auch in der Landwirtschaft. Im Juni 2019 wagte die junge Carolin Harras in Paretz mit dem Anbau von Bio-Gemüse den Schritt in die Selbständigkeit.

Regionale, landwirtschaftliche Produkte

„Caromatisch“ heißt ihr Landwirtschaftsbetrieb in Verbindung ihres Vornamen und der Anspielung an ihre wohlschmeckenden Produkte. „Das Thema regionaler landwirtschaftlicher Produkte hat mich schon immer interessiert. Seit acht Jahren kultiviere ich zum Beispiel alte Tomatensorten. Derzeit habe ich 79 verschiedene Sorten“, so die 28-jährige Falkenseerin. „Hochwertige Produkte vor Ort zu produzieren, hat mich gereizt. Etwas Sinnvolles mit den eigenen Händen schaffen, dabei noch etwas für Insekten, wie Bienen, und zur Bodenverbesserung tun, ist meine Motivation.“

Bio-Gemüse auf 2.000 Quadratmetern

Im Jahr 2017 begann Carolin Harras zunächst eine Ausbildung als Gärtnerin in der Fachrichtung Gemüse, die sie allerdings nach einem Jahr abbrach und ihre Selbständigkeit anstrebte. In Paretz fand sie eine 1,3 Hektar Fläche, die sie pachten konnte und baut auf derzeit 2.000 Quadratmeter Bio-Gemüse an.
„Auf der restlichen Fläche stehen Streuobstbäume und können noch Blumen Insekten Nahrung bieten“, so die junge Bio-Bäuerin, die im April auch nach Paretz zog. „Im Freiland und in zwei modernen Foliengewächshäusern baue ich nicht nur Tomaten an, sondern auch Zwiebeln, Kohl, Wurzelgemüse, Hülsenfrüchte und Salate. Ich probiere viel aus. So ernte ich auch Süßkartoffeln, Artischocken, Ingwer, Kurkuma oder Physalis.“

Abo-Kiste und Online-Bestellung

Der regionale Anbau ist die eine Seite, die andere ist die Vermarktung. Auch hier hat Carolin Harras einen erfolgreichen Weg gefunden, ihre Produkte in der Region zu verkaufen. „Derzeit beliefere ich in Paretz und Potsdam Kunden regelmäßig mit meiner Abo-Kiste. Ich hoffe, dass nächstes Jahr Falkensee hinzukommt. Aber auch online, über meine Homepage caromatisch.de, kann man mein Bio-Gemüse bestellen“, sagt Carolin Harras. Auch die sozialen Netzwerke nutzt die Jungbäuerin, um über ihr Projekt und ihre hochwertigen saisonalen Produkte aus der Region zu informieren. Und mit Berlin vor der Haustür hat Carolin Harras alle Chancen erfolgreich weiter zu wachsen.

Wirtschaftspreis in der Kategorie Landwirtschaft

Für ihr innovatives Konzept, Anbau und Vermarktung in der Region zu verbinden, erhielt Carolin Harras für ihren Landwirtschaftsbetrieb „Caromatisch“ kürzlich den diesjährigen Wirtschaftsförderpreis des Landkreises Havelland in der Kategorie Landwirtschaft.

Agrarpolitische Signalwirkung

„Die europäischen und teils globalisierten Agrarmärkte schaffen ein großartiges Angebot für uns als Verbraucher, machen es den einzelnen Landwirten allerdings ziemlich schwer. Auch im Havelland. Wir sehen das bei Milch, Rindfleisch oder Getreide. Und erst recht bei Obst und Gemüse. In Berlin-Brandenburg leben sechs Millionen Menschen, die gerade bei Gemüse kaum noch aus der eigenen Region versorgt werden“, so Kreisbauernverbands-Geschäftsführer Johannes Funke in seiner Laudatio. „Angesichts dessen hat die Verbindung traditioneller Lebensmittelerzeugung und moderner Vermarktung unter Nutzung digitaler Medien auch agrarpolitische Signalwirkung.“