Manchmal ist der Wettergott ein mieser Verräter, wenn er nach langer Trockenheit ausgerechnet an dem Tag reichlich Regen schickt, an dem Landwirte über dessen Ausbleiben und die Folgen berichten wollen. Nur für die Fotos ging es raus aufs Feld bei Nauen. Denn die Statistik bezeugt, es fiel zu wenig Wasser auf die knochentrockene Erde.
Die Wetterstation in Berge hat für die Wochen vom 23. Mai bis zum 19. Juni 254,4 Sonnenstunden aufgezeichnet. Im gleichen Zeitraum fiel 19 Liter Regen pro Quadratmeter, 6,6 Liter davon allein am vergangenen Sonntag. Für die Landwirtschaft war das deutlich zu wenig, zumal es bereits im Frühjahr kaum regnete. Dirk Peters misst auf der Agrofarm in Nauen die Niederschlagsmengen. 130,7 Liter Regen gab es in diesem Jahr bisher. Normalerweise sollten es 500 Liter sein.

Problem mit der Trockenheit im ganzen Havelland

Und so freut man sich über jeden Tropfen, doch für manche Feldfrucht kommt der Regen zu spät. Für viele Pflanzen ist der Regen im März für die Jugendentwicklung wichtig. Das Problem der zunehmenden Trockenheit zieht sich durch das gesamte Havelland. Auch in Stölln misst die Agrargenossenschaft Stölln den Niederschlag. Dort fällt zwar mehr Niederschlag, auch hier ist der Regen zu knapp.
2017 war das letzte Jahr mit Starkregen, allerdings verteilte sich die Niederschlagsmenge auf ein, zwei Tage, was zu Überschwemmungen führte. Auch 2007 hatte viel Regen gebracht, auf das Jahr verteilt. Seit 15 Jahren werden diese gleichmäßigen Niederschläge vermisst.
Eine der großen Maßnahmen heißt, das Wasser in der Landschaft zu halten. Einen Beitrag dazu sollen die Grabensysteme mit ihren rund 7.000 Bauwerken in ganz Brandenburg leisten. Wasser aufnehmen und bei Bedarf auf die Felder pumpen. Wasser zieht Leben an und so hat auch der Naturschutz ein Auge auf die vielen Kanäle. Aus Naturschutzgründen dürfen die Gräben nur einseitig vom Grün befreit werden.

Teurer Sprit macht Landwirten zu schaffen

Neben dem Wetter sind es die Preissteigerungen beim Kraftstoff, die den Landwirten schwer zu schaffen machen. 300 Liter am Tag verbrauche er mit seinen Landmaschinen, erklärt Landwirt Stefan Wensche. Dazu kommt noch das sogenannte AdBlue, dass zur Abgasnachbehandlung notwendig ist.
Die Energiepreise waren schon vor dem Überfall Russlands auf die Ukraine hoch, Ministerpräsident Woidke (SPD) habe den Landwirten zugesichert, dass es zu keiner weiteren Preissteigerung kommen würde, sagt Peters und legt eine skeptische Miene auf.

Getreide hat wohl nur mindere Qualität

Wensche baut im Familienbetrieb auf 280 Hektar Getreide und Kartoffeln an, dazu Grünland für die Heu-Ernte. Das Getreide landet überwiegend in den Futtertrögen der Masttiere. Der 39-Jährige hat den Betrieb vom Vater übernommen. Er ist Gastgeber zum Ernteauftakt. Für das Getreide sehe es nicht rosig aus, sagt er. Zu kleine Körner, von minderer Qualität. Gut war dagegen die Heu-Ernte. Die Nachfrage ist im Pferde-Land Brandenburg auch da. 20 Ballen bekam er aus einem Hektar Grünland, ein normaler Wert.
Der Krieg in der Ukraine bereitet auch im Havelland Sorgen. So werden die Preise für die kommenden Ernten bereits im Winter zuvor verhandelt. Das klappte immer ganz gut, sagen Peters und Wensche. Doch nun steigen die Preise, da aus der Ukraine gerade kein Getreide geliefert wird. Sollte sich dies ändern, könnten die Preise nach unten rauschen, geben sie zu Bedenken.

Landwirtschaft fehlt Planungssicherheit

Auch das Saatgut wird früh im Jahr eingekauft, es werden Fruchtfolgen geplant. Wensche hat Böden in unterschiedlicher Qualität, auch hier muss entsprechende Planung erfolgen. Im Moment fehle ihm die Planungssicherheit. „Ich mache erst mal wie immer“, sagt Wensche und Peters stimmt ihm auf Nachfrage zu. Zu den Neuerungen gehört auch, dass die Landwirte vier Prozent ihrer Fläche stilllegen sollen.

Düngeverordnung und Pflanzenschutz in der Diskussion

Kummer hat Wensche auch mit der Düngeverordnung. 170 Kilo Dünger darf er pro Hektar ausbringen. „210 Kilo wären bedarfsgerecht“, sagt er. Dabei hat sich der Preis für Düngemittel vervierfacht, setzt er erklärend nach. Manche Landwirte würden weniger düngen oder ganz auf Dünger verzichten.
Auch der sogenannte Pflanzenschutz kostet. Wo darauf verzichtet wurde, kann derzeit der rote Mohn bewundert werden. Des einen Freud, des anderen Leid. Der Mohn entzieht dem Boden Wasser. Das freut die Landwirte nicht. Und während noch kurz über die Frage, ob es nun Pestizid oder Pflanzenschutzmittel heißt, diskutiert wird, spricht das Landgericht Frankfurt/Oder einem Imker Schadenersatz zu, dessen Honig mit Glyphosat verunreinigt war. In solchen Fällen wäre der Bereich um Nauen ein gutes Beispiel, sagt der Landtagsabgeordnete Johannes Funke (SPD). Absprachen zwischen Landwirten, Imkern und Jägern seien hier gelebte Realität, so könne man rücksichtsvoll zusammenarbeiten.
Im Havelland werde auf rund 88.000 Hektar Fläche Landwirtschaft betrieben, sagte Funke zu Beginn des Gespräches. Am Ende stellt sich die Frage, wird es genug Landwirte geben, die sie unter den gegenwärtigen Bedingungen bearbeiten? Beispiel Milchviehbetriebe, 2015 gab es im Havelland 39 Milchbauern, sieben Jahre später noch 20. Wesche weiß nicht, ob er seinen Kindern die Landwirtschaft empfehlen möchte. Peters redet von einer „erschreckenden Stimmung unter den Landwirten. Resignation bis blanke Wut“, gäbe es da. Jetzt steht der Ernteauftakt an. Vielleicht gibt es doch noch die eine oder andere gute Nachricht. Denn wie sich Rüben und Kartoffeln entwickeln, kann jetzt noch nicht abschließend beurteilt werden.