740 Meter gelten als Standartzuglänge im europäischen Eisenbahnnetz. Die Strecke Berlin-Hamburg der DB Netz AG kann bereits Züge dieser Länge bewältigen. Die Strecke Hannover-Berlin soll dies bis 2026 können. Was fehlt, ist ein Bahnhof in der Nähe Berlins, der solche Züge aufnehmen kann. Der Rangierbahnhof in Wustermark soll diese Lücke füllen.
Bei der Übergabe des Fördermittelbescheides macht Minister Beermann deutlich, wie wichtig das Ziel sei, den Güterverkehr auf die Schiene zu bringen. "Wir machen die Schiene in Brandenburg wettbewerbsfähiger. Gleichzeitig leisten wir damit einen Beitrag in Sachen Klimaschutz. Möglich macht das die Verlängerung der Gleise auf 740 Meter. Denn ein Vollzug ersetzt 52 Lastkraftwagen. Unser Ziel ist es, durch die bessere Erschließung von Logistikzentren den intermodalen Gütertransport zu stärken und die Verkehrsträger besser miteinander zu verzahnen. Denn hier liegen die Schnittstellen. Mit der Förderung am Rangierbahnhof Wustermark beseitigen wir einen Engpass, weil es bisher im Berliner Raum nicht möglich ist, dass Züge von europäischer Standardlänge aufgenommen werden können", so der Minister.
Beermann kam nicht allein. Die Landtagsabgeordnete und Vizepräsidentin des Brandenburger Landtages, Barbara Richstein (CDU), war dabei, ebenso wie die Landtagsabgeordneten Johannes Funke (SPD), Andrea Johlige (Die Linke) und Christian Görke (Die Linke) sowie der Bürgermeister der Gemeinde Wustermark, Holger Schreiber (parteilos).
Alexander Kulik nimmt den Bescheid dankend entgegen. Kulik und Ronny Henkel sind Geschäftsführer des RLCW. Das Vorhaben erhielt bisher Unterstützung durch die Gemeinde Wustermark und vom Landkreis, sagt Kulik. Mit dabei ist auch Winfried Bauer, der den RLCW 2008 ins Leben führte und dem Bahnhof bis heute herzlich verbunden ist.
Der RLCW ist der größte privat geführte öffentliche Bahnhof für Güterverkehr in Deutschland. 22 Hektar Bahnanlagen gehören dazu, eine Fläche etwa halb so groß wie der Botanische Garten in Berlin. 25 Logistikgleise, 17 Abstellgleise und drei sogenannte Ladestraßen befinden sich auf dem Gelände. Eine Tankstelle für Dieselkraftstoff und eine Wagenhalle mit Arbeitsgrube für Lokomotiv- und Wageninstandhaltung gibt es ebenfalls. Nagelneue Wagons und Züge stehen hier, große Namen der Eisenbahnbauer, wie Stadler und Bombardier, finden sich. Man probiert auch schon mal aus, was der Zug aushält, Crash-Tests finden auf dem Areal ebenfalls statt.
In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich der Bahn Technologie Campus, das Güterverkehrszentrum (GVZ) Wustermark mit Binnenhafen. Autobahn und Bundesstraße sind nicht weit entfernt. Im Güterverkehr spricht man bei den Transportwegen durch Europa von transeuropäischen Kernnetz-Korridoren. Neun davon gibt, an dreien liegt Wustermark, dem Nordsee-Ostsee Korridor, Orient-Östliches Mittelmeer und Skandinavien-Mittelmeer. Das macht die große Bedeutung der knapp 10.000 Einwohner Gemeinde Wustermark für die Güter- und Warenverteilung in Europa deutlich.
Der Rangierbahnhof in Wustermark hat Tradition. Kulik bezeichnet ihn als "ältere Dame". Tatsächlich feierte die Lady in diesem Jahr bereits ihren 111. Geburtstag. Der Ortsteil Elstal mit der Eisenbahnersiedlung steht bis heute im Zeichen der Schiene.