"Hälfte/Hälfte" - das Motto der diesjährigen Frauenwoche war auch Thema beim Frauenstammtisches mit Marianne Birthler. Heute, nach 30 Jahren Wiedervereinigung sind in gehobenen Positionen in der Politik, Wirtschaft, Verbänden in den Medien Menschen mit ostdeutscher Biografie noch immer unterrepräsentiert. Allerdings zeigen neuste Zahlen, die Ostdeutschen Frauen sind auf der Überholspur. Sie ziehen dabei an den Männern ihrer Regionen genauso vorbei, wie an den westdeutschen Frauen. Woran das liegen könnte, wollen die Stammtisch-Frauen wissen? Möglicherweise hat die Selbstverständlichkeit der berufstätigen DDR-Frau, die nebenbei noch Haushalt und Kinder versorgt, die Frauen stärker werden lassen, war eine Vermutung.
Als Hausfrau begann auch die politische Karriere der Marianne Birthler.  Mit dem Studium des Außenhandels konnte sie in  Schwedt, wo ihr Mann eine Tierarztpraxis betrieb, kaum etwas anderes anfangen. Und dennoch sollte Marianne Birthler heute  vielen  bekannt sein - vor allem  wohl durch ihr Wirken als Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes (Stasi) der DDR (2000-2011). Aktiv war sie allerdings bereits zu DDR-Zeiten. Innerhalb der evangelischen Kirche kam sie in Berührung mit der politischen Opposition der DDR. Der Aufbruch, die friedliche Revolution begann für sie im Mai 1989 mit den letzten Wahlen in der DDR. "Ein Fake, auch wenn es das Wort damals noch nicht gab", sagt sie. Die Ereignisse des Jahres 1989 hat sie lebhaft in Erinnerung, die heimlichen Treffen, die Bespitzelung durch die Stasi, die Ängste, die Demonstrationen und dann schließlich die Nachricht, die Grenzen sind offen. "Die Leute haben erst für ihre Freiheit gekämpft, dann ist die Mauer gefallen. Auf diese Reihenfolge lege ich großen Wert", sagt sie.
1990 wurde sie in den Brandenburger Landtag gewählt. Im Rückblick auf 30 Jahre Wiedervereinigung meint sie: "Ein Prozess, der Spuren hinterlassen hat." Ihr ging die Wiedervereinigung etwas zu schnell. "Ich wäre für den sanften Weg gewesen", sagt sie. Auf Augenhöhe auf den Westen zugehen, war ihr Wunsch. "Doch es sollte alles schnell gehen. Die Leute wollten alles gleich haben, vom Waschmittel bis zur Automarke", sagt sie.