„Tante Regina, Tante Regina“ hallte es vielstimmig über den Spielplatz der Paretzer Kita „Havelfrüchtchen“. Und das, zumindest offiziell, zum letzten Mal. Nach gut 45 Jahren Arbeit als Erzieherin war es für Regina Knispel der letzte Arbeitstag und vielleicht einer der emotionalsten.

Für die Kita gelebt

Alle Kinder und die Erzieherinnen hatten sich vor der kleinen Terrasse versammelt, Bürgermeister Bernd Lück (FDP) war mit einem bunten Blumenstrauß dabei. „Du hast dich immer für die Kita engagiert, für die Kita gelebt, soviel Engagement muss man würdigen“, begrüßte sie Carolin Sommerfeldt-Borchert, die vor vier Jahren von der nunmehrigen Rentnerin die Leitung der Einrichtung übernommen hatte.

Auch nach 45 Jahren noch mittendrin

Nach würdigenden Worten, gespielten Anekdoten von schönen und bewegenden Ereignissen im langen Berufsleben von „Tante Regina“ noch ein gemeinsam gesungenes und gespieltes Kinderlied mit „Daumen hoch, Po nach hinten, Zunge raus, Tschu, tschu wa wa wa…“, - und Regina Knispel gleich temperamentvoll mittendrin, wie in all den Jahren.
Beim improvisierten Lied „Schön, schön war die Zeit…wir sagen Dankeschön“, wurden die Augen dann doch feucht. „Ihr wart immer für eine Überraschung gut, heute habe ich für euch eine Überraschung“ rief sie in die Runde und schon kullerten Dutzende gelbe Bälle aus einem großen bunten Tuch über die Terrasse.

Kita-Interessen nachdrücklich vertreten

Die offiziellen Blumen gab es natürlich auch, von Bürgermeister Bernd Lück. „1975 Aufnahme der Arbeit als Erzieherin, seit 1978 in Paretz, seit 1990 Leiterin der Einrichtung“, so die kurz gefasste nüchterne Statistik. „Klar, in den vielen Jahren musste ich bei ihnen die Interessen der Kita auch manchmal nachdrücklich vertreten“, merkte Regina Knispel nach dem offiziellen Teil an.
„Aber wir alle erinnern uns gerne auch an die Unterstützung unserer Kindertagesstätte und an solche Ereignisse wie den vor der Kita stationierten Koch-Bus, den der Bürgermeister gemeinsam mit dem Kita-Ausschuss organisiert hatte“, erzählte sie. Hier lernten die Kindern frisches Obst und Gemüse zum Mittag und für die Vesper vorzubereiten.

Viele Erinnerungen aus einem langen Arbeitsleben

Und Kartoffelpuffer gab es eines Tages auch, jede Menge, für die Kinder und die Eltern, aber das sei wieder ein anderes vom Bürgermeister organisiertes Ereignis gewesen. Zum Kartoffelfest ermöglichte der Ketziner Gastronom René Dost vor Ort das große Pufferbacken.
So flossen noch lange die Erinnerungen, unter anderem auch an die mehrfachen Auszeichnungen mit dem Titel „Haus der kleinen Forscher“. Mit Experimenten in der frühen Bildung Neugierde wecken, Wissen vermitteln, zu neuen Erkenntnissen gelangen, dass sei ihr Anliegen gewesen, blickte sie zurück. Offensichtlich erfolgreich, wie die Titel belegen.

Bis zur Rente im Traumberuf gearbeitet

„Kindergärtnerin bis zur Rente, ein Leben lang im Traumberuf arbeiten, wer hat schon solches Glück“, meinte sie zum Abschied. Neben dem Stolz war ein wenig Wehmut unüberhörbar. Optimistisch wie Regina Knispel immer war, blickte sie auf die bevorstehende ungewohnte freie Zeit. Viel mit dem Rad unterwegs sein werde sie, wenn es die Situation zulässt auch wieder Reisen. Feste Ziele habe sie noch nicht. Die Ferne sei schön, ebenso aber auch Reiseziele in Deutschland. Sicher ist eins, in Paretz wird „Tante Regina“ noch öfter zu hören sein, wenn vielleicht nicht mehr direkt in der Kita. Sie wohnt gegenüber.