Die Chance zur Ausbildung
Angeboten und gefördert wird die betriebliche Einzelumschulung durch die Agentur für Arbeit. Die Idee: Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung eine Ausbildung zu ermöglichen. Wobei die fehlende Ausbildung nicht das alleinige Kriterium sein muss. Dabei spiele das Alter der Umschüler keine Rolle, sagt Sabine Amboß, Teamleiterin Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit im Havelland. Leider werde das Angebot kaum genutzt. Im Havelland ist der 37-jährige Weyrauch der einzige betriebliche Einzelumschüler, gibt Amboß Auskunft.
"Die Besetzung von Fachstellen und Lehrstellen ist für uns eine große Herausforderung", sagt Amboß. Der Bedarf an Fachpersonal ist groß, besonders Mechatroniker und Elektroniker würden händeringend gesucht. Dazu kommt, dass viele Lehrstellen unbesetzt bleiben.
Bevor es in die Ausbildung geht, muss der zukünftige Facharbeiter eine Idee davon haben, welche berufliche Zukunft ihm vorschwebt. Weyrauch hatte zuerst eine kaufmännische Ausbildung angestrebt, doch hier sahen die Möglichkeiten zu dem Zeitpunkt nicht gut aus. Weyrauch entschied sich daraufhin für die Ausbildung zum Mechatroniker. Wie jeder andere auch, musste Weyrauch sich um einen Ausbildungsplatz bewerben. Rasch kam die Zusage von PacTech. "Der technische Beruf war eine gute Entscheidung", sagt er. Mit der betrieblichen Einzelumschulung hat er eine verkürzte Ausbildungszeit, statt der üblichen dreieinhalb Jahre lernt er 28 Monate. Damit werde die Leistung im bisherigen Berufsleben anerkannt, so Amboß.
PacTech-Geschäftsführerin Burczyk weiß nur Gutes über ihren Lehrling und die betriebliche Einzelumschulung zu berichten. PacTech Technologies ist ein international aufgestelltes Unternehmen, mit einem Tochterunternehmen in Malaysia. Es gehört zu den weltweit führenden Anbietern von Spezialtechnologien. Das seit 1998 in Nauen ansässige Unternehmen hat fast 200 Mitarbeiter, davon 19 Auszubildende in unterschiedlichen Berufen. Kaufmännisch, technisch oder mit Hochschulabschluss, gut ausgebildete Leute sind gesucht. "Wir sind ein international aufgestelltes Unternehmen", sagt Burczyk. Mitarbeiter fördern gehört zur Unternehmenskultur. So werden Mitarbeiter, die ein Studium anstreben, vom Betrieb mit einem Darlehen unterstützt, erzählt sie.
Weyrauch hatte schon einmal eine Ausbildung begonnen, war im zweiten Lehrjahr zum Industrie-Mechaniker, als sein Ausbildungsbetrieb Insolvenz anmeldete. Das war Ende der Neunziger Jahre, da sah der Arbeitsmarkt ganz anders aus. Es fand sich keine Firma, die ihn weiter ausbildete. Von vorn anfangen, eine neue Ausbildung aufnehmen, kam für den jungen Mann nicht in Frage. Er verdiente sein Geld fortan ohne Ausbildung, war die letzten zehn Jahre als Schweißer für Kraftwerkstechnik tätig. Hier hätte er sich gern spezialisiert, was jedoch ohne Ausbildung nicht ging.
Eine Ausbildung klang verlockend, sagt Weyrauch. Doch als Familienvater hat er finanzielle Verpflichtungen. Die sind mit einem kleinen Ausbildungsgehalt allein nicht zu stemmen. Und so hatte Weyrauch die Möglichkeit, noch einmal eine Ausbildung antreten zu können, kritisch gesehen. Diese Zweifel konnten ihm Sabine Amboß und Gundula Klawitter nehmen. "Beide haben mir sehr geholfen. Ohne diese Hilfe wäre das nicht gegangen", sagt Weyrauch.
Weyrauch bekommt die Vergütung für seine Ausbildung von PacTech, wie jeder andere Auszubildende. Dazu bekommt er eine Förderung von der Agentur für Arbeit. In der Berufsschule ist er der Älteste der acht Schüler. Stört ihn nicht, sagt er und lernen mache Spaß. Überhaupt, die Arbeit ist viel interessanter, wenn man weiß, was man da macht, setzt er nach. Bereut hat er diesen Schritt nicht, im Gegenteil.
Weitere Informationen zur betrieblichen Einzelumschulung gibt es bei der Agentur für Arbeit, auf www.arbeitsagentur.de.