An dieser Stelle, es ist noch gerade so Nauener Land, treffen sich die Gemarkungen Brieselang, Falkensee, Pausin und Nauen. Bei Alt-Brieselang, von Falkensee kommend hinter der Kanalbrücke, weist ein historischer Wegweiser die Richtungen. Lange Jahre war er unbeachtet geblieben, nun wieder strahlend schön.

Restauriert und mit Infotafel versehen

Ersetzt wurde der Informationsgeber ohnehin schon längst, durch die üblichen Schilder in kräftigem Gelb. Und weil man früher das Nützliche mit dem Schönen zu verbinden wusste und natürlich auch der geschichtlichen Bedeutung wegen, wurde die Verkehrssäule nun restauriert und mit einer Informationstafel versehen. Das eine oder andere Geheimnis hat die Säule noch für sich behalten können, die wichtigsten der bekannten Daten kann der Besucher nun vor Ort nachlesen.

Hobby-Historiker war treibende Kraft

Die wieder wie neu strahlenden Farben auf den Kacheln, die Wiederherstellung filigraner Elemente, das Herausarbeiten von Details und die Spurensuche zur Geschichte der Säule, all dies ging nur mit einer Vielzahl von Akteuren und Menschen, die sich begeistern können. Einer von ihnen ist Karl-Heinz Graffenberger, der als Hobby-Historiker mit Leidenschaft in die Vergangenheit des Havellandes eintaucht. Allerdings ist für den Pausiner das Havelland ein wenig größer. Berlin-Spandau gehört dazu, ebenso wie Potsdam und Kremmen. „Das von der Havel umflossene Land“, erklärt er.

Viele Gleichgesinnte ins Boot geholt

Die Säule am Abzweig nach Pausin fiel ihm vor rund vier Jahren auf. Ihr Zustand war, gelinde geschrieben, verbesserungswürdig und so organisierte Graffenberger die Restaurierung. Er klopfte an diverse Türen, um sich die finanziellen Mittel zu beschaffen, konnte das Museum und Galerie Falkensee für die Idee gewinnen. Der erste Geldgeber war damit im Boot. Bärbel Eitner (SPD), langjährige Ortvorsteherin aus Pausin, der Kreistagsabgeordnete und Historiker Tobias Bank (Die Linke) konnte Graffenberg für sein Vorhaben gewinnen. Beide wurden zu Fürsprechern für das Unternehmen. Schließlich setzten sich auch Landrat Roger Lewandowski (CDU) und die Staatssekretärin Ines Jesse (SPD) für das Projekt ein, erzählt Graffenberger.
So richtig Schwung kam in die Sache, als sich herausstellte, dass das Land Brandenburg nicht nur für seine Straßen, sondern auch ein Stück Land daneben zuständig ist. Und so finanzierte der Landesstraßenbau West die Keramiken. Auch hier traf Graffenberger wieder auf offene Ohren. Dezernatsleiter Frank Schmidt unterstützte die Aktion.
Den Aus- und Einbau der Keramiken finanzierte die Gemeinde Schönwalde-Glien. Hergestellt wurden die neuen Keramiken in Velten. Was übrigblieb, wie Formen und Modelle, ging ins Stadtgeschichtliche Museum Spandau in die Zitadelle. Insofern ist die Restaurierung ein Havelländer Projekt nach Graffenbergers Geschmack.  

Verkehrssäule ist keine Postmeilensäule

Den Zustand der Säule verbessern ist das eine, ihre historische Bedeutung beleuchten, etwas anderes. Ähnliche Säulen stehen entlang der Bundesstraße 5. Es sind Postmeilensäulen, die die Entfernung und Richtung zur Hauptstadt weisen. Diese Postmeilensäulen hätten aber mit der Verkehrssäule in Brieselang nichts zu tun, sagt Rolf Zimmermann vom Verein Historische Meilensteine.

Frühe Orientierung für Touristen

Die Brieselanger Verkehrssäule war für die Orientierung im Fremdenverkehr gedacht. Überall im Havelland sollten solche Säulen errichtet werden, doch blieb es bei dieser 1937 eingeweihten Säule und einer weiteren Säule in Berlin-Spandau. Pichelsdorfer Ecke Heerstraße soll sie einst gestanden haben. Sie wurde eine Woche nach der Brieselanger Säule eingeweiht und hatte, wie ihre betonlastige Schwester, neben den Ortsangaben auch bunte Kacheln mit zu den Orten gehörenden Motiven.
Die Brieselanger Säule weist nach Perwenitz und ist mit einer Mühle für den Ort geschmückt. Pausin ist mit einer Ähre vertreten. Diese Kacheln waren laut Graffenberger am besten erhalten. Der Karpfen wies nach Nauen und war arg in Mitleidenschaft gezogen.

Alter Finkenkrug für Falkensee

Das Motiv der vierten Kachel war nicht mehr vorhanden. Naheliegend war ein Motiv für Falkensee, doch schließlich fand sich ein altes, verwittertes Foto der Säule und siehe da, die Kachel zeigte einen Fink auf einem Krug, das Symbol für den Alten Finkenkrug, dass damals weit bekannte Ausflugslokal. Die Spandauer Säule trug ebenfalls einen Hinweis auf Finkenkrug.
Doch warum Finkenkrug und nicht Falkensee? Dazu schrieb Graffenberger bereits im Heimatjahrbuch 2016 einen Artikel. Die Kacheln auf der 2,4 Meter hohen Säule stammen von Gottfried Kappen, dessen Atelier befand sich in Finkenkrug. Laut Graffenberger kam die Idee zu den Säulen von Adolf Peter, dem damaligen Museumsleiter in Velten. Er soll Nationalsozialist gewesen sein und der Alte Finkenkrug wird in der Literatur immer wieder im Zusammenhang mit dem Terrorregime genannt. Das Lokal war Wohnsitz des NSDAP Kreisleiters Robert Grüneberg, früher noch, während der Weimarer Republik, soll es Zufluchtsort für Joseph Goebbels gewesen sein.
So viel zu den Theorien, warum Falkensee auf den Säulen durch den Alten Finkenkrug dargestellt wird. Jedenfalls schmückt nun ein Krug, auf dem ein Fink sitzt, die Kachel. So wie einst, als Wanderer sich auf ihrem Weg durch die Mark an solchen Säulen orientierten und sich an der Kunst daran erfreuten.
Übrigens, im Heimatjahrbuch der Stadt Falkensee von 2016 gibt es einen Artikel zur Säule und im kommende Woche erscheinenden Heimatjahrbuch 2021 ebenfalls.