Seit dem 6. Januar 2022 stempelt die Stadtverwaltung Ketzin/Havel ihre amtliche Post mit einem Zusatzstempel, der an das diesjährige Jubiläum der Ersterwähnung des Ortes im Jahre 1197 erinnert. Am 28. Mai 1197 schenkte der Enkel Albrechts des Bären, Markgraf Otto II. die Einnahmen der Kirche von Ketzin dem Bischof von Brandenburg.

Ketziner Region seit der Mittelsteinzeit besiedelt

Ketzin/Havel geht es wie allen jahrhundertealten Orten. Irgendwann treten sie durch ein Ereignis aus dem Dunkel der Geschichte an die Öffentlichkeit, obwohl ihre Siedlungsgeschichte bedeutend älter ist. Von den über hundert bekannten archäologischen Fundstellen im Altkreis Nauen kristallisierten sich vier heraus. Eine davon befindet sich um Ketzin – Zachow – Fernewerder. Der älteste Fund aus einem Tonloch bei Ketzin, eine doppelseitige Knochenharpune, stammt aus der Mittelsteinzeit. Weitere bemerkenswerte Funde in Ketzin sind eine Häufung trepanierter Schädel aus der Jungsteinzeit und ein weiblicher Langschädel aus der Zeit der Völkerwanderung.

Markgraf Otto II beurkundete Ketzin

Das Jahr der Ersterwähnung Ketzins war bis vor rund hundert Jahren noch umstritten. Der Ketziner Ortschronist Fritz Hummel erwähnt in einem Artikel im „Ketziner Anzeiger“ von 1934, dass Ketzin das erste Mal 1187 in einer Urkunde des Markgrafen Otto II. erwähnt wurde.
Damit wäre das Jubiläumsjahr der Stadt 2012 gewesen. In der Urkunde von 1187 ließ Otto II. beurkunden, dass er umfangreiche Besitztümer dem Domkapitel zu Brandenburg überschreibt, damit die dort wirkenden Augustiner genügend Vermögen besitzen, um den Götzendienst der slawischen Bevölkerung weiter ausrotten zu können. Das Geschenk umfasst u.a. „ …den See Zummel, … ; ferner die Oberhavel von der Ketziner Havel von der Bisebusch genannten Stelle bei Ketzin bis zu der Feuerstätte genannten Stelle“.

Ketzin erstmals 1255 als Stadt bezeichnet

Die Urkunde, die für die Ortsersterwähnung herangezogen wurde und damit als Gründungsurkunde Ketzins angesehen wird, wurde am 28. Mai 1197 ausgestellt. Hier wird Ketzin als Cosetzin erwähnt. Erstmals am 9. Dezember 1255 bezeichneten die Markgrafen Johann I. und Otto III. den Ort als oppidum, also Stadt.

Historiker stellte Fälschung einer Urkunde fest

Die Entscheidung, welche Urkunde in welchem Jahr wirklich angefertigt wurde, war nur durch eingehende wissenschaftliche Untersuchungen zu treffen. Mit den Urkunden der Askanier beschäftigte sich der Historiker Hermann Krabbo (1875 – 1928), der an der Leipziger Universität Anfang des 20. Jahrhunderts Vorlesungen zur Urkundenlehre hielt.
Er stellte fest, die Urkunde von 1187 ist eine Fälschung. Sie weist eine Schrift des 14. Jahrhunderts au und, das an einer Schnur hängende Siegel ist in einer viel zu kleinen Blechkapsel ungeschickt hinein gegossen. Wahrscheinlich ist es ein Abguss eines echten Siegels. Sie wurde in Wirklichkeit erst 1381 angefertigt.

Echtheit des Siegels bestätigt Ersterwähnung 1197

Auch an der Echtheit der Urkunde von 1197 hatte Krabbo erhebliche Bedenken. Sie ist auf dem Pergament einer ausradierten echten Urkunde Otto II. geschrieben. Sie wurde aber als echt eingestuft, weil das Siegel am Pergamentstreifen echt ist.
Über Jahrhunderte wuchs die Einwohnerzahl von Ketzin nur langsam. Das änderte sich mit der Entdeckung der Tonvorkommen in Ketzin und dem Bau von 18 Ringöfen zum Brennen von Ziegeln. Aus einem kleinen Fischerort, in dem stabil über Jahrhunderte neun Großbürger und 29 Kleinbürger das Sagen hatten, explodierte die Einwohnerzahl von 350 im Jahre 1550 um das Sechsfache bis 1860. Mit der Gemeindegebietsreform und dem neuen Ortsteil Paretz hat es die 6.000 überschritten.

Tourismus und Gewerbe gehen heute Hand in Hand

Am Ende des 19. Jahrhunderts ging die Produktion der Tonziegel ihrem Ende entgegen. Die Wirtschaftsstruktur der Stadt änderte sich. Gebaut wurden die Zuckerfabrik, die Osthavelländische Kreisbahn nahm ihren Betrieb auf und auch der Bau einer Konservenfabrik war geplant. Die Infrastruktur insgesamt wurde verbessert. Zu Zeiten der DDR war Ketzin ein kleiner Industriestandort und besaß auch eine leistungsstarke Landwirtschaft. Die Wirtschaftsstruktur veränderte sich nach der Wende. Gegenwärtig sind der Paketversand Hermes und das Technik- und Logistikzentrum Mosolf die größten Arbeitgeber. Am Standort des ehemaligen Untergrundgasspeichers wird die Energiewende erprobt und viel Kraft wird auf die Entwicklung des Tourismus verwandt.