Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts gab es den Trend, dass ein großer Teil der Städte und reicheren Dörfer in der Mark Brandenburg ihre Geschichte vergegenständlichen wollten. Die Orte waren zum größten Teil durch die Askanier und die frühen Hohenzollern in der Mark gegründet worden. Die Geschehnisse ihrer Geschichte sollten breiteren Bevölkerungsschichten bekannt gemacht werden.
Manche Neugründungen von Museen und Heimatstuben überlebten bis in die Gegenwart. Viele nicht so öffentlich wirksame wurden wieder abgeschafft, weil den Kommunen das Geld zu ihrem Unterhalt oder den Ortsoberen das Geschichtsbewusstsein fehlte.

Museum der Stadt Nauen 1901 gegründet

Bevor 1901 das Museum der Stadt Nauen gegründet wurde, gab es schon einige Bürger, die sich mit der Ortsgeschichte befassten. Um 1800 beispielsweise der Stadtsekretär und spätere Justizdirektor Johann Sallbach und der Organist und 4. Lehrer an der Stadtschule Johann Otto. Sie veröffentlichten ihre Sammlungen und Forschungsergebnisse nicht. Texte zur Nauener Stadtgeschichte publizierte erstmals der Superintendent und Oberprediger Karl Tiebel im Jahre 1817. Diese Texte waren als Anhang zu einer der Nauener Pfarrkirche gewidmeten Passion gedacht. Sie wurden hauptsächlich nur im Zusammenhang mit der Passion verbreitet.

Stadtrecht 1292 gekauft

Eine Wende in der Geschichtsschreibung zu Nauen gab es zur Vorbereitung der 600 Jahrfeier des Stadtrechtes. 1292 kaufte Nauen von den askanischen Markgrafen Otto und Konrad das Stadtrecht. Die Feier musste 1892 um einige Monate verschoben werden, da es in Hamburg eine Cholera-Epidemie gab.
Dr. Ernst Georg Bardey, Lehrer am Realgymnasium in Nauen, erarbeitete und veröffentlichte zum Jubiläum das Standardwerk der havelländischen Ortsgeschichte „Geschichte von Nauen und Osthavelland“. Grundlage zu diesem Werk waren die im Nauener Rathaus lagernden Archivalien. Es ist anzunehmen, dass diese Jubiläumsfeier die Beschäftigung des Nauener Bürgertums mit seiner Geschichte aktivierte.

Stadt, Kreis und Provinzregierung steuerten Geld bei

Dem Geschichtsbuch folgte 1901 der Aufbau eines Museums. Gebhard Eckler, der ein Papier- und Schreibwarengeschäft in der Mittelstraße besaß, gründete mit Geldmitteln der Stadt, des Kreises und der Provinzverwaltung ein Heimatmuseum. Der Magistratsobersekretär und Vorsitzende des Verkehrsvereins Nauen F. Baldus schrieb im „Führer durch die Kreis- und Funkstadt Nauen“ 1932 dazu: „Das Museum will die Vergangenheit unserer havelländischen Heimat erforschen und die Liebe und das Verständnis für Heimatkunde wecken und fördern.“
Das Interesse der Nauener Bürger am Museum war positiv. Das Realgymnasium in der Berliner Straße 16 war der erste Standort für das Museum. Durch Schenkungen von Nauener Bürgern wuchs der Bestand an Exponaten schnell auf 8.300 Exponate, so dass schon ein Jahr später der Umzug in die damalige Mädchenschule am Kirchplatz erfolgte. 1920 übernahm die Stadt das Museum in ihr Eigentum. Gebhard Eckler wurde als Museumsdirektor berufen. 1940 übergab Eckler das Museum an den Lehrer Wilhelm Koch.

Standorte und Leiter des Museums wechselten oft

Aufgrund der schwierigen Zeitereignisse wechselten oft die Leiter und die Standorte der Einrichtung. Dabei gingen wertvolle Exponate verloren. Durch die Besatzungsmacht und die neue Stadtverwaltung erfolgte 1945 eine weitgehende Zerstörung des Museums. Ab den 1950er Jahren änderte sich inhaltlich der Forschungsauftrag des Museums. Die Erinnerungskultur zur preußischen Geschichte und der Geschichte des Deutschen Reiches wich der Forschung zur Arbeiterbewegung in der Stadt in Verbindung mit dem antifaschistischen Widerstandskampf.
1964 wurde durch übergeordnete Stellen die Schließung des Museums empfohlen, da der Kreis Nauen nicht mehr für Planstellen und geeignete Räume aufkommen wollte. Die Schließung erfolgte jedoch nicht. Auf Beschluss des Rates des Bezirkes Potsdam von 1968 wurden aus den Museen des Kreises Nauen wertvolle Bestände an das „Heimatmuseum und Galerie“ der Stadt Falkensee abgegeben.

2001 wurde das Museum aufgelöst

1989 wurde das Stadtmuseum im städtischen Haus am Rathausplatz 2 eingerichtet. Es bestand bis 2001. Aufgrund fehlender Finanzmittel wurde das Museum aufgelöst. Übrig geblieben ist eine Heimatstube im Hintergebäude des ehemaligen Museumsgebäudes über der Gaststätte „Nauener Hof“. Andere Exponate wurden an die Heimatstuben in Groß Behnitz und Wachow abgegeben.
Die Mitglieder des Vereins der „Nauener Heimatfreunde 1990 e.V.“ betreuen die Reste der Museumsbibliothek und des Heimatarchivs. Publiziert werden außerdem in den jährlich erscheinenden „Nauener Heimatheften“ die Geschichte der Stadt durch Text und Bilder und die Herausgabe von Kalendern.

Kalender mit Kopien von Fotoglasplatten

Der Kalender für 2021 dokumentiert in 12 Bildern anhand von Kopien der Originalfotoglasplatten aus den Jahren 1850 bis ca. 1915, was alles in den 120 Jahren seit Gründung des Museums verloren ging und welche geringfügigen Bestände sich gegenwärtig noch in der Restsammlung befinden.
Der Kalender ist direkt beim Verein Nauener Heimatfreunde unter 03321/747587 erhältlich. Für das Jahr 2022 ist ein Folgekalender mit weiteren Kopien von den Glasplattenfotos geplant. Diese Bildkalender sind echte Sammlerstücke für Geschichtsinteressierte.