Der verlockende Duft von frischem Popcorn liegt in der Luft. Die Gäste dürfen in kuscheligen Kinosesseln versinken. Gefährlich, es ist Sonntagmorgen, 10 Uhr, zu heimelig sollte es nicht sein, damit alle wach bleiben. Die Sorge entpuppt sich schnell als unbegründet, denn auch in diesem Jahr ist das jährlich erscheinende Heimatjahrbuch randvoll mit geschichtlich Verbrieftem aus der Region.

Geschichte aus dem Havelland neu entdeckt

Spannend herausgearbeitete Berichte zur Regionalgeschichte, Einblicke in die Natur und Umwelt, Kurioses, manchmal steht es tatsächlich am Wegesrand, werden erzählt, Mysteriöses entdeckt oder wieder entdeckt. Einer der vielleicht größten Verdienste der Autoren des Büchleins: Es eint die Alt-Eingesessenen mit den Neu-Hinzugezogenen der Region. Während manch Leser bei der Lektüre ausrufen wird, „Mensch ja, weißt du noch!“, werden andere staunen, was es alles einen Steinwurf entfernt gibt. Und so manches wird für alle Leser eine Neuentdeckung sein.

Ala-Kino das letzte von einst dreien in Falkensee

Nicht grundlos war in diesem Jahr das Ala-Kino der Ort der Vorstellung des 164 Seiten starken Buches. Denn der Hauptartikel des Buches im modischen Einband beschäftigt sich mit dem ehrwürdigen Lichtspielhaus und seiner wechselhaften Geschichte. „Ein interessanter und detailreicher Ausflug in die Geschichte“, beschreibt Gabriele Helwig, Leiterin des Museums und Galerie Falkensee, den starken Leitartikel von Dana Manthey.
Manthey hat ihrem umfangreichen Beitrag um ein Interview mit dem ehemaligen Kinobetreiber Klaus Steinborn ergänzt. Die unterschiedlichen Kapitel nennt sie Panorama und tatsächlich erlaubt jeder Abschnitt einen neuen Rundumblick auf das kleine Kino. Manthey versteht ihre Arbeit nicht nur als Beitrag für das Heimatjahrbuch, für das sie regelmäßig als Autorin aktiv ist, sondern auch als ein Plädoyer für das letzte von einst drei Kinos in Falkensee.

Von Kriegsgräbern zu Mumien

Spannend geht es nicht nur in Häusern, sondern manchmal auch darunter zu. Gleich am Anfang des Buches berichtet Karoline Müller von den verborgenen Spuren auf dem Hof des Falkenseer Rathauses.  
Mit vier Beträgen entführt Manfred Schulz seine Leser in die Vergangenheit. Es geht nach Dallgow, zur Kriegsgräberstätte Engelsfelde, zur Trauernden Frau, auch weiße Maria genannt, bei Rohrbeck und zum Kriegsgefangenlager Döberitz. Von dort zu den Mumien des Havellandes, nach Berge.
Im modischen Gewand: Das Heimatjahrbuch 2022 wurde diesmal im Ala-Kino in Falkensee vorgestellt.
Im modischen Gewand: Das Heimatjahrbuch 2022 wurde diesmal im Ala-Kino in Falkensee vorgestellt.
© Foto: Silvia Passow

Wurden in den Panzerteichen Panzer getestet?

Auch Tilo Wiedemann hat bereits Artikel für das Heimatjahrbuch geschrieben. Mit Wiedemann geht es raus in die Natur und auch diesmal lädt sein Beitrag wieder dazu ein, dicke Jacke, Schal, Mütze, Stiefel überzuziehen und mit dem Buch in der Hand seinen Spuren zu folgen. Es geht zu den Panzerteichen und Wiedemann verrät, ob in denen tatsächlich Panzer getestet wurden.
Wem es jetzt zu frisch ist, der wartet bis zum Frühling und geht mit Thilo Heinken und Christoph Buhr in den Bredower Forst auf Bärlauch-Suche. Die beiden Autoren beschränken sich nicht nur auf die kulinarischen Versuchungen des Waldes, ein Lese-Ausflug, der sich lohnt.

Straßenschilder und Sportgeschichte fanden ebenfalls Platz im Buch

Corona hat den Beitrag von Sascha Hegenbart möglich gemacht. Hegenbart gehört zu den zwei neuen Autoren des Heimatjahrbuches und er hat viele „coronatypische“ Ausflüge hinter sich. Dabei fielen ihm die vielen verschiedenen Straßenschilder der Stadt ins Auge und inspirierten ihn zu einem Artikel.
Zur Sportgeschichte der Stadt erfährt man etwas durch den Artikel von Henric Lewkowitz, der zu Rugby in Falkensee schreibt.

Die Eltern starben in Theresienstadt und Auschwitz

Anrührend ist die Lebensgeschichte der Romana Katz, recherchiert und aufgeschrieben von Claudia Schmidt und Christoph Janssen. Im Sommer waren nach jahrelangen Bemühungen die Stolpersteine für das Ehepaar Katz in Dallgow-Döberitz verlegt worden. Richard und Hertha Katz waren aufgrund ihrer jüdischen Wurzeln deportiert, zunächst nach Theresienstadt. Hier starb Richard Katz, seine Frau wurde in Ausschwitz ermordet. Ihre Tochter, Romana Katz, überlebte die Nazi-Diktatur. Über ihren ungewöhnlichen Lebensweg haben Janssen und Schmidt recherchiert.

Heimatjahrbuch auf 1.000 Stück limitiert

Zu lesen ist auch, wie Falkensee die Große Goldmedaille bei der internationalen Gartenausstellung gewann, ein Beitrag über die Nachbarin Spandau, ereignisreiche Veränderungen vor hundert Jahren und es gibt den zweiten Teil zu Autoren, die in Falkensee lebten. Modisch wird es beim Artikel zur aktuellen Modeausstellung mit „Chic und Charme aus Falkensee“.
Insgesamt ist das Heimatjahrbuch 2022 umfangreicher als gewohnt. Der Preis mit 7,50 Euro ist gleich geblieben. Die Auflage liegt weiter bei 1.000 Stück. Erhältlich ist es im Museumshop des Museums Falkensee und im Buchhandel in der Region.