Mit einer virtuellen Ausstellung würdigt die Verwaltung den Brieselanger Bahnhof, der am 25. Oktober 1920 und damit vor 100 Jahren zunächst als Bahnhaltepunkt am Kilometerpunkt 26,7 der Strecke Berlin-Hamburg eröffnet wurde.

Archivarin hat Ausstellung konzipiert

Die Sehnsucht nach Mobilität und Flexibilität war schon damals groß, weiß Franziska Toth, Archivarin der Gemeinde Brieselang. Sie lässt als Kuratorin der Ausstellung die Historie mit wichtigen Anmerkungen Revue passieren. Fotos, alte Baupläne, Dokumente, ein Fahrplan aus vergangenen Zeiten sowie ein Kurzfilm können nun u.a. auf der Internetseite der Gemeinde Brieselang besichtigt werden. Wer sich auf Entdeckungsreise begeben möchte, kann dies per Klick im Internet auf https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/100-jahre-bahnhof.

Kurzer Abriss der Bahnhofsgeschichte

Vor 100 Jahren hat in Brieselang noch vor der offiziellen Gründung der Landgemeinde ein neues Zeitalter begonnen. Damals entstand erstmals ein Haltepunkt, auf den die ersten Siedler sehnsüchtig gewartet hatten. Mit der Eröffnung wurde gewissermaßen „der Grundstein für die weitere Besiedlung Brieselangs gelegt, denn der lange Weg zu Fuß vom Finkenkruger Bahnhof bis zu den ersten Siedlungshäusern nach Brieselang war passé“, so Franziska Toth.

Brieselanger warteten vergeblich am Gleich

In der Festschrift zur Brieselanger Kirmes des Jahres 1924 wird zum ersten Halt eines Zuges in Brieselang von folgendem Ereignis berichtet: „Die Bahnverwaltung hatte ihre Einwilligung gegeben, daß an einem Sonntage des Oktober 1920 ein von Nauen kommender Zug am Spätnachmittag erstmalig in Brieselang halten soll (…). Frohen Herzens tranken an diesem Sonntage die ,Brieselanger‘ in der Kantine ein Glas mehr. Dann zogen sie freudig bewegt zur Bahn und warteten in dichten Reihen des großen Ereignisses.
Doch dem Lokomotivführer war verabsäumt worden, die Weisung zu erteilen, daß er in Brieselang zu halten habe. Und so fuhr dieser Zug an den enttäuschten Siedlern vorüber. Der diensttuende Beamte berichtete das Vorkommnis telephonisch nach Nauen, und es kam der Bescheid, daß der nächste Zug halten wird.

Halt im zweiten Versuch

Erwartungsvoll harrte die Menge. Als dann der ersehnte „große Bruder“ in Brieselang einlief, befürchteten die Siedler, daß er auch diesmal wieder das Halten vergessen könnte. Deshalb schrien alle Wartenden aus Leibeskräften mit hochgehobenen Armen dem Zuge ein durch Mark und Bein gellendes ,Haaaa-lt‘ entgegen, das viel, viel lauter war, als das Prusten und Zischen der Lokomotive mitsamt dem Geratter des ganzen Zuges.“