Gerechnet wird anfangs mit etwa 400 Fahrgästen täglich, mit der Stadtentwicklung könnte sich die Zahl verdoppeln oder sogar vervielfachen, prognostiziert die Studie. Nach den Vorstellungen der Bahnspezialisten gäbe es als Zugang vom Zentrum aus einen Rad- und Fußweg von der Nauener Straße, ab etwa dem Punkt, an dem derzeitig die Gleise entfernt wurden, bis zum Bahnsteig. Der würde sich auf dem Bahngelände etwa auf der Höhe der Einmündung der Brandenburger Chaussee in die Nauener Straße befinden und würde neu gebaut werden. Direkt davor müsste die Stadt eine Busspur, Fahrradstellplätze und eine Spur für PKW zum Aus- und Einsteigen bauen lassen. Der Parkplatz ist in den Planungen auf der gegenüberliegenden Straße angeordnet und hätte auch eine direkte Zufahrt aus Richtung Brückenkopf. Da zu einem Bahnhof auch eine Verkaufseinrichtung gehört, könnte der ehemalige Güterschuppen umgebaut werden.
Nach den Vorschlägen der Planer soll es einen recht großzügigen Fahrplan nach Wustermark mit direkten Anschlussmöglichkeiten in Richtung Berlin und Rathenow geben. So würde der erste Zug der Regionalbahn RB 32, wie sie heißen soll, von Ketzin/Havel um 5.08 Uhr abfahren, der letzte um 0.08 Uhr. Und ab Wustermark in die Havelstadt früh um 4.36 bis abends um 23.36 Uhr, das jeweils im Stundentakt als Pendelverkehr. Die Fahrzeit würde 14 Minuten betragen und damit wären das Berliner Zentrum in 50 Minuten und die Kreisstadt Rathenow in 45 Minuten erreichbar.
Noch ist das alles Zukunftsmusik, denn ehe der erste fahrplanmäßige Zug die Havelstadt verlassen könnte, müsste zunächst die Landesregierung dem Vorhaben zustimmen und der Bahnbetrieb in den Landesnahverkehrsplan aufgenommen werden. Mit der Studie sei eine gute und belastbare Vorarbeit geleistet worden, urteilte kürzlich Staatssekretär Rainer Genilke bei einer Besichtigung vor Ort.
Gleichfalls ist der komplette Neubau der Gleisanlagen, der Bahnsteige und Bahnübergänge mit der erforderlichen Sicherungstechnik über rund sechs Kilometer bis zum Anschluss am Gewerbegebiet Mosolf notwendig. Über die Haltepunkte ist politisch zu entscheiden. Sie könnten in Etzin und am Abzweig nach Tremmen oder auch direkt hinter dem Gewerbegebiet liegen. Planung und Bau setzen Fördermittel für das Gesamtvorhaben voraus. Kalkuliert wird gegenwärtig mit 14 bis 15 Millionen Euro. Dazu kämen die Kosten der Stadt Ketzin/Havel für Infrastrukturmaßnahmen.
Die Bahnfahrten könnten äußerst umweltfreundlich gestaltet werden. Zunächst käme wohl noch ein kleines Dieselfahrzeug mit etwa 70 bis 100 Sitzplätzen und zehn Fahrradstellplätzen zum Einsatz. Nach der Elektrifizierung des Stammgleises von Wustermark bis Neugarten besteht die Möglichkeit, einen Elektrotriebwagen mit zusätzlicher Batterie einzusetzen, der sowohl hin als auch zurück nach Ketzin/Havel ausschließlich über Batteriestrom betrieben werden könnte. Die kurzen Ladezeiten unterwegs und im Ketziner Bahnhof wären zum Aufladen der Batterien ausreichend, heißt es in der Studie. Wie Bürgermeister Bernd Lück anmerkte, ist auch die mit dem Energiewendelabor der Edis geplante Nutzung des nicht in das Netz einspeisbaren Stromes von den Windenergieanlagen denkbar, und zwar unter Nutzung der Wasserstofftechnologie. Nachdrücklich unterstützt wird das Vorhaben gegenwärtig vom Landkreis, von der Stadt Ketzin/Havel und auch von der Havelländischen Eisenbahn als Eigentümer der Bahnanlagen bis zum Abzweig am Gewerbegebiet Mosolf.