Boll sitzt im Rollstuhl und wie sich das anfühlt zunächst die Schwelle, dann die Pflastersteine, dann die Fahrbahn zu überqueren und das Ganze auf der anderen Fahrbahnseite noch einmal, dabei den Zeitdruck im Nacken - die Ampel bleibt schließlich nicht ewig grün - das konnte am Mittwoch nachempfunden werden. Denn Boll hatte einen zweiten Rollstuhl dabei. Auch Falkner bot an, den Übergang aus ihrer Perspektive zu erkunden.
Falkner ist seheingeschränkt und brachte einen Blindenstock mit, führte vor, wie dieser zu nutzen ist und erklärte, warum diese aus verschiedenen Materialien zusammengesetzten Wege für sehbehinderte Menschen ein Problem darstellen können. Mit dabei, Bauamtsleiter Jens Grothe, Christoph Röhrs vom Fachbereich Tiefbau und Juliane Wutta-Lutzmann, die neue Gleichstellungs- und Integrationsbeauftragte der Stadt und Seniorenbeirat Ulf Hoffmeyer-Zlotnik.
Wutta-Lutzmann und Hoffmeyer-Zlotnik probierten die Überquerung der Straße im Rollstuhl aus. Anstrengend, stellten beide fest. Wacklig ist das und fühle sich mulmig an, schon allein die Schwelle überwinden, stellt Wutta-Lutzmann fest. Und: Hier haben nicht nur Rollstuhlfahrer ein Problem. Die dünnen Reifen von Rollator und Kinderwagen dürften sich hier nicht weniger bockig verhalten.
Bauamtsleiter Grothe sichert zu, zeitnah eine Lösung zu finden. Boll fügt an, sie würde sich wünschen, dass solche Situationen den Blick für die zukünftigen Baustellen in der Stadt schärfen. Denn diese Stelle ist nicht der einzige Knackpunkt an der Baustelle. Auch weiter drüben, zwischen Commerzbank und Asia-Shop sieht es nicht besser aus. Der unebene, steinige Weg lässt die Reifen des Rollstuhles einEigenleben führen. Falkner-Musial erzählt, sie kenne sehbehinderte Menschen aus Falkensee, die die Bankfilialen nicht mehr aufsuchen würden, weil sie sich unsicher fühlen und stattdessen nach Spandau fahren. An dieser Stelle sieht Grothe noch keine konkrete Lösung, wie er sagt. Er versichert, diese Stelle sollte im August als Erste fertiggestellt sein. Baustellen generell barrierefrei zu planen, werde seines Erachtens nicht möglich sein. Grothe sichert zu, bei weiteren Problemen können sich die Betroffenen an ihn wenden.